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Boykott Israels gefordert
In Wien wird dieses Wochenende der Eurovision Song Contest (ESC) abgehalten. Nicht überall ist die Freude über die Ausrichtung des größten Musikwettbewerbs des Kontinents groß. Grund ist die Teilnahme Israels. Bereits beim ersten Halbfinale am Dienstag abend gab es Proteste im Saal in der Wiener Stadthalle. Mehrere Personen im Publikum hissten palästinensische Fahnen und versuchten mit Pfiffen zu stören, als der israelische Teilnehmer die Bühne betrat. Beim Public Viewing am Wiener Rathausplatz wandten Besucher der Performance demonstrativ den Rücken zu.
Eine breite Initiative hat zum ESC mehrere Proteste angekündigt. Am Sonnabend soll es eine Großdemonstration unter dem Motto »No Stage For Genocide« (Keine Bühne für Völkermord) geben. Sie wird sich am Westbahnhof versammeln und zum nahegelegenen Veranstaltungsort marschieren. Bereits diesen Freitag wird der »Song Protest« abgehalten. Mehrere Dutzend Musiker, darunter viele Palästinenser, werden bei einem Gegenkonzert auftreten: »Wir haben den 15. Mai bewusst gewählt, um auf die anhaltende Vertreibung der Palästinenser aufmerksam zu machen«, sagte die Organisatorin Irina Vana auf einer Pressekonferenz am Dienstag.
Unterstützung erhält die Initiative von breiten Teilen der Bevölkerung, sagte Dalia Sarig von »Not In Our Name« (Nicht in unserem Namen) gegenüber jW: »Bereits in den vergangenen Wochen kamen viele Leute zu mir, weil sie es wichtig finden, was wir machen. Der Druck auf die Regierung steigt, wenn sie ihre Haltung nicht ändert – sie sollte sich Sorgen machen, denn immer mehr Menschen machen die Augen auf.«
Österreich soll als Austragungsland des diesjährigen ESC laut Informationen aus Kreisen der Veranstalter am lautesten seine Stimme für eine Zulassung Israels erhoben haben. Irland, Spanien, Slowenien, Island und die Niederlande boykottieren dagegen den ESC wegen der israelischen Beteiligung. Den finnischen Teilnehmern soll es untersagt worden sein, israelischen Medien Interviews zu geben. Doch der Österreichische Rundfunk verteidigt die Entscheidung, Israel am Wettbewerb teilnehmen zu lassen.
Der Nachkomme von Opfern des KZ Mauthausen und Professor Haim Bresheeth kann dies nicht verstehen: »Wegen Israel ist kein Libanese sicher. Kein Syrer ist sicher. Kein Iraner ist sicher«, sagte er auf der Pressekonferenz. Der Iran habe Israel nicht unprovoziert angegriffen, aber der Iran werde nun dämonisiert: »Der wahre Dämon ist hier in Wien, um zu singen und so zu tun, als wäre Genozid ein Fest«, kritisierte er. Am Sonntag besuchte er die Gedenkstätte Mauthausen und legte einen Kranz für seine Vorfahren bei der offiziellen Gedenkfeier des Mauthausen-Komitees Österreichs nieder – demonstrativ mit Kufija.
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