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07.05.2026
- → Betrieb & Gewerkschaft
IG BCE rügt Kahlschlag bei Biontech
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat die Stellenstreichungen des deutschen Pharmakonzerns Biontech kritisiert. In dem einstigen »Vorzeigeunternehmen«, dessen »Forschung über die Coronapandemie siegte«, kommentierte Roland Strasser, Landesbezirksleiter Rheinland-Pfalz-Saarland, am Dienstag per Mitteilung, »haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen«. Fast 2.000 Arbeitsplätze sollen gekürzt und die Standorte in Idar-Oberstein (500 Beschäftigte), Marburg (670 Beschäftigte) und Tübingen (800 Beschäftigte) geschlossen werden. Aus »kurzfristigem finanziellen Kalkül« streiche Biontech »radikal Produktionskapazitäten zusammen« und schade damit der Resilienz der BRD. Diese hingegen habe den Konzern mit Hunderten Millionen Euro subventioniert. Dass gleichzeitig ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm angekündigt worden sei, »muss den Beschäftigten wie Hohn vorkommen« und offenbare, dass es nur um Dividenden gehe.
Überrumpelt dürften insbesondere die Beschäftigten in Tübingen sein. Dort hatte Biontech vor wenigen Monaten den Standort des Konkurrenten Curevac übernommen. »Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird«, warf Curevac-Gründer Ingmar Hoerr Biontech am Mittwoch gegenüber dpa Täuschung vor. »Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen«, stelle sich nun als Manöver dar, um Patentstreitigkeiten zu umgehen. Diese Ansicht teilt auch Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IG BCE in Baden‑Württemberg, und sie ergänzte, dass die dortige Belegschaft »bereits in den vergangenen Jahren durch mehrere Personalabbauprogramme stark gebeutelt« wurde. Auch Marburg, treffe der Kürzungskurs »ins Herz«, zumal die ganze Branche dort Jobs vernichte, wusste Sabine Süpke, Landesbezirksleiterin Baden‑Württemberg.
Hintergrund des Sparprogramms sei eine Neuausrichtung Biontechs, berichtete das Manager-Magazin am Mittwoch. Demnach hätten beide aus der Forschung stammenden Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci zunehmend mit der seitens einiger Großaktionäre angeordneten Umstrukturierung gefremdelt und deshalb beschlossen, ihre Posten bis spätestens Ende 2026 zu räumen. Geplant sei, die Covid-Impfstoffherstellung gänzlich dem US-Partner Pfizer zu überlassen, ab 2029 jährlich 500 Millionen Euro einzusparen und mehr Kapital für die Entwicklung von Krebstherapien aufzuwenden, um auf diesem Gebiet bis 2030 zu den Marktführern zu gehören, etwa mit dem Antikörper Pumitamig. Vorerst wird also geforscht, gekürzt und nicht verdient: Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Biontech einen Nettoverlust von 531,9 Millionen Euro. 16,9 Milliarden Euro Reserve habe der Pharmariese noch. Trotzdem wird gefeuert, was das Zeug hält.
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