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06.05.20266 Leserbriefe
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»Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«
Ein Jahr Regierung Merz. Zumutungen für Lohnabhängige, Enttäuschung auf der Kapitalseite. Baldiges Scheitern wahrscheinlich
Vom Start weg vermasselt, vermurkst, vermerzt. Nach nur einem Jahr Amtszeit wettet kaum mehr einer auf die volle Laufzeit der Regierung. Schon die Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025 geriet beinahe zur Kanzlerdämmerung, noch bevor das neue Kabinett auch nur zu einer Sitzung hätte zusammenkommen können. Friedrich Merz verfehlte im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit um sechs Stimmen; mindestens 18 Abgeordnete aus den Reihen der beiden Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD müssen dem CDU-Vorsitzenden die Zustimmung verweigert haben. Ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.
Von diesem Tiefpunkt an verlief die Kurve stetig nach unten. Im Sommer konnte sich der Koalitionsausschuss von Union und SPD nicht auf eine Stromsteuersenkung für alle Verbraucher einigen, entlastet wurden lediglich die Industriekonzerne. Zu diesem Zeitpunkt schwelte längst ein Streit um die Wahl neuer Richter für das Bundesverfassungsgericht. Der Konflikt um die Personalie der von der SPD für das Amt nominierten Juristin Frauke Brosius-Gersdorf entpuppte sich als Kulturkampf zwischen einem beschädigten progressiven Liberalismus und einem nach Merkels Tagen wiederauferstandenen Konservatismus, bei dem Teile der Unionsfraktion eine inoffizielle Koalition mit der AfD eingegangen waren. Im Herbst dann drohte eine »Junge Gruppe« in der Unionsfraktion damit, sich der Zustimmung zur Stabilisierung des Rentenniveaus auf 48 Prozent bis zum Jahr 2031 zu verweigern. Am Ende bekam das Paket im Dezember zwei Stimmen mehr als erforderlich gewesen wären; sieben Unionsabgeordnete stimmten dagegen.
Derweil ätzt die Arbeitsministerin gegen den Kanzler, die Wirtschaftsministerin gegen den Finanzminister, der Umweltminister gegen die Wirtschaftsministerin, so dass der Eindruck entsteht oder entstehen soll, hier passt einfach gar nichts zusammen. Entsprechend fällt das Urteil der bürgerlichen Presse aus: Diese Koalition ist am Ende.
Das Dauerlamento nervt und ist vielsagend zugleich. Der werktätige Teil der Bevölkerung hatte von dieser Regierung ohnehin kaum etwas zu erwarten. Dem entgegengesetzt, vom Standpunkt der Kapitalverbände und ihrer Lautsprecher, steht beziehungsweise wird bald einiges auf der Habenseite stehen. Das Bürgergeld ist abgeschafft und damit eingeführt die verschärfte Gängelei von Amts wegen gegen den untersten Teil der Lohnabhängigen als Warnung an den Rest. Eine Rentenreform soll das Renteneintrittsalter erhöhen, eine Arbeitsmarktreform die Entgrenzung des Arbeitstages erwirken, eine Reform der gesetzlichen Krankenkassen den Leistungskatalog schmälern.
Doch das alles reicht nach Auffassung maßgeblicher Kreise noch längst nicht – unter Umständen nämlich, unter denen deutsches Kapital seine Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt eingebüßt hat. Soll die wiederhergestellt werden, muss der Sozialstaat noch weiter zusammengeschrumpft werden, was indessen mit einer SPD, die sich noch ein wenig gegen ihre Selbstabschaffung sträubt, nur äußerst mühevoll vonstatten geht.
Die Sozialdemokraten stören und werden dennoch benötigt. Gefangen in den Widersprüchen eines erodierenden Parteiensystems, getrieben von der Demoskopie und gejagt von der AfD, kann der Kanzler der SPD (noch) nicht entraten. Ein Bündnis mit der AfD zum jetzigen Zeitpunkt würde seine eigene Partei vermutlich zerreißen, ein Plazet von seiten des Kapitals gibt es dafür bisher auch nicht. Und so übt sich Friedrich Merz in Selbstmitleid: »Kein Bundeskanzler hat vor mir so etwas ertragen müssen«, sagte er kürzlich im Interview mit dem Spiegel.
Der Rest ist Schweigen. Bis weit in die Linkspartei und die Gewerkschaften hinein wird nicht ausgesprochen, dass ein Staat, der sich zur Kriegstüchtigkeit aufputscht, auch zu deren Finanzierung der tiefen Einschnitte ins Sozialwesen bedarf.
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Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 6. Mai 2026 um 16:31 UhrEs nützt uns wenig, wenn auch wir uns nur am diensttuenden politischen Personal abarbeiten. Welcher Art die Puppen sind, die da auf der Vorderbühne agieren, das wird nicht von ihnen selbst bestimmt. Das legen die fest, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Deren Willen erfüllt die Politik, egal ob vorne Hampelmann oder Hanswurst tanzen.
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Rudi Eifert aus Langenhagen 6. Mai 2026 um 14:34 UhrBei einem Mann wie Merz, der zuvor Vizepräsident des Finanzkonzerns Blackrock war und nur in marktradikalen Dimensionen denkt, kann man nicht voraussetzen, Empathie für Probleme von Menschen in prekären Gesellschaftsschichten zu haben. Abgesehen davon, dass Merz in seiner Funktion als Politiker – eben Bundeskanzler – absolut ungeeignet ist und überfordert wirkt, sich selbst widerspricht, frei nach dem Motto: Was kümmert mich mein Scheiß von gestern, ist ihm ein unglaublicher Mangel an Empathie eigen, der zuweilen höchst peinlich ist. So kürzlich geschehen in Salzwedel bei einem Bürgerdialog, bei dem er – unter anderem – einer krebskranken Fragestellerin bezüglich der Krankenkassenreform mehr oder weniger unüberlegt und beschämened, aber auch unverschämt, über den Mund gefahren ist. Wer als Repräsentant unseres Landes so entgleist und sich nicht in der Gewalt hat, geschweige denn vernünftig und ausgewogen auf Fragen dieser Art zu reagieren versteht, hat in unserer politischen Landschaft nichts mehr zu suchen. Merz’ frühere Tätigkeiten als Wirtschaftsjurist, Aufsichtsrat und Lobbyist haben ihn von sozialen Problemen Millionen von Menschen in diesem Lande entfremdet. Folgerichtig sind seine Entscheidungen bei den geplanten Reformen im Gesundheitswesen zu verstehen, bei denen die Kosteneinsparungen zumeist auf dem Rücken der Beitragszahler durchgesetzt werden sollen. Nach unten treten, nach oben streicheln. Was soll man also von diesem Politiker erwarten?
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Reinhard Hopp aus Berlin 6. Mai 2026 um 10:44 UhrDie Memme aus dem Sauerland. Keiner hat in lieb; keiner will sein Freund mehr sein, So ganz allein! Da kann man ja nur sauer sein!
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Frank Lukaszewski aus Oberhausen 6. Mai 2026 um 04:25 UhrAlice Weidel sorgt vor: Neue Regierung wohnt komplett in der Schweiz!
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Istvan Hidy aus Stuttgart 5. Mai 2026 um 21:24 UhrMerz der Schmerz! Merz der Schmerz, geschniegelt und gebügelt, im Maßanzug die Zweifel versiegelt. Er spricht von Stärke, von Ordnung, von Pflicht, doch bei den Menschen verfängt er sich nicht. Ein Kanzler aus Zahlen, aus Kurs und Bilanz, verheddert im Takt eines müden Tanz’. Die Worte geschliffen, die Miene aus Stein, doch draußen bricht leise die Zustimmung ein. »Ich leide am meisten«, ruft er ins Licht, doch Echo und Zweifel erwidern: wohl nicht. Denn wer oben regiert und nach unten nichts fühlt, verliert, was ihn trägt – weil er’s nie wirklich spürt. Die einen: zu schwach. Die anderen: zu hart. Ein Kurs ohne Richtung, ein Staat ohne Fahrt. So steht er dazwischen, allein auf dem Grat, ein Kanzler im Gegenwind – ohne Mandat. Merz der Schmerz, ein Jahr schon im Amt, vieles versprochen, im Kleinen verrannt. Ob er noch bleibt oder leise vergeht – entscheidet nicht er, sondern wie Deutschland steht.
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Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 5. Mai 2026 um 20:34 UhrMerz erzeugt Schmerz; ein schlechter Scherz
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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