Rasender des Tages: Ulf Poschardt
Von Felix Bartels
Der fünfte Gang ist ein Angeber. Er profitiert von der Arbeit seiner vier kleinen Brüder, und manövrieren lässt sich, wo er eingelegt ist, kaum noch. Weswegen man ihn nur auf Straßen fahren kann, die einfach strukturiert sind. Landschaft, ein anderes Wort für Hindernis. Ulf Poschardt ist stets im fünften Gang unterwegs. Zumindest die Texte schreiben sich da schnell. »Falls Ihnen ein paar Argumente bekannt vorkommen (…) diesen Text schreibe ich so seit zwanzig Jahren in immer neuen Aufgüssen.« Anlass seines letzten Aufgusses war die neuerliche Diskussion um ein Tempolimit, losgetreten von den Grünen.
Deutschland ist das einzige Industrieland ohne Tempolimit, auch die von Poschardt bewunderten USA haben eins. Den evidenten Zusammenhang zwischen hohem Tempo und Verkehrstoten muss nicht wegerklären, wer ihn gleich ganz ignoriert, und Umweltschutz ist ohnehin was für Weicheier. 44 Milliarden Liter Kraftstoff werden auf den Straßen der Bundesrepublik pro Jahr verbraucht. Bei einem Tempolimit von 130 (wie in Frankreich oder Österreich) könnten etwa 600 Millionen Liter gespart werden, bei einem Limit von 100 (wie in Norwegen oder den Niederlanden) läge die Einsparung zwischen drei und vier Milliarden Liter. Benzinverbrauch steigt nicht proportional, er steigt exponentiell zur Geschwindigkeit.
In Poschardts Welt aber wird auf Autobahnen »nicht selten (…) eher von den Langsameren gedrängelt als von den Schnelleren«. Die Gefahr liegt nicht in Umweltbelastung und Verkehrstoten, sondern in der Beseitigung freier Raserei. Daher hält er es mit rasender Freiheit, den Autofahrer für verfolgt von »Entschleunigungssehnsüchten« und die Autobahn für einen der letzten »nicht egalitären Räume«. Opfern kann er immerhin. Vielleicht sollte er sich einen Sticker aufs Heck kleben: Ulf der Käfer wurde nicht gefragt.
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