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Folgen des Kriegs gegen den Iran

Wie wirkt sich die Krise auf bäuerliche Betriebe aus?

Preise für Düngemittel könnten aufgrund des Kriegs gegen den Iran und stockende Öllieferungen weiter steigen, warnt Berit Thomsen

Foto: IMAGO/Zoonar

In mehreren Ländern ist die Ernährungssicherheit infolge des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran und der daraus resultierenden Düngemittelkrise nicht mehr gewährleistet. Denn zahlreiche Handelsschiffe vermeiden die Fahrt durch die wichtige Straße von Hormus, darunter viele Öltanker. Wie ist die Lage in der BRD?

Über die Verfügbarkeit von Dünger ist Unterschiedliches zu vernehmen. Etwa auch, dass Deutschland nach Informationen aus Handelskreisen im Vergleich zu anderen Regionen davon aktuell weniger betroffen sein soll. Trotzdem ziehen die Preise aufgrund der internationalen Situation stark an. Das kennen wir von den Tanksäulen. Bevor überhaupt eine Tonne Diesel gefehlt hat, haben Mineralölkonzerne die Preise schon in die Höhe schießen lassen. Wie es zukünftig weiter geht, hängt davon ab, welchen weiteren Verlauf der Krieg und der darauf folgende Wiederaufbau nehmen.

Wieso ist die Düngemittelproduktion energieaufwendig und auf Öl angewiesen? Gibt es nicht ökologischere Alternativen?

Erdölprodukte spielen eine wesentliche Rolle bei der Herstellung von stickstoffhaltigen Düngern. Um Stickstoff zu gewinnen, braucht es hohen Druck und viel Hitze. Freilich gibt es Lösungen wie Leguminosen: heimische Eiweißpflanzen, die Stickstoff aus der Luft binden und in den Boden einbringen. Was bei den nächsten Fruchtfolgen sogar zur Senkung des Düngerverbrauchs führen kann. Diese altbekannte bäuerliche Produktionsweise reduziert die Notwendigkeit künstlicher Stickstoffdünger, die energieintensiv in der Herstellung und fürs Ökosystem schädlich sind. Erstere gilt es zu fördern. Politisch wird jedoch daraufhin gewirkt, dass wir aus Brasilien, den USA oder Argentinien importiertes Soja nutzen. Darauf wirkt auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer von der CSU hin, weil es kurzfristig billiger scheint. Wir sollten Importabhängigkeit meiden.

Bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, AbL, sind Ökohöfe sowie konventionelle Bäuerinnen und Bauern organisiert. Wie schätzen Sie die Krise ein?

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Es fehlt am politischen Willen, zur natürlichen Düngemittelproduktion überzugehen. Dass man statt dessen auf Importe und Freihandel setzt – auf Soja, auch als Tierfutter –, macht die bäuerliche Landwirtschaft insgesamt krisenanfälliger. Intensivierte Landwirtschaft ist abhängiger von Öl. Auf alle Höfe kommt von außen eine dramatische Kostenentwicklung zu. Die Betriebe können Kosten für die Düngemittelproduktion, aber auch für Energie insgesamt, nicht weitergeben, sondern bleiben darauf sitzen. Weiteres Beispiel: Wenn Milchpreise total niedrig angesetzt sind, Kosten für Dünger zugleich wachsen, ist das für alle Höfe weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Für Verbraucher bedeutet es im Krisenfall den Preisanstieg.

Wie müsste die Bundesregierung politisch handeln und verhandeln?

Wir benötigen Transparenz in der Wertschöpfungskette, Preistransparenz, eine bessere Marktstellung. Steigen jetzt die Lebensmittelkosten, kommt davon nichts bei den Bäuerinnen und Bauern an. Die EU-Kommission hat eine Vertragspflicht festgelegt: Wie in jeder anderen Branche muss vor der Lieferung über Preis, Menge, Qualität und Vertragsdauer verhandelt werden. Weil es zuviel Milch auf dem Markt gibt, wäre es sinnvoll, freiwilligen Lieferverzicht zu fördern. Damit Landwirtinnen und -wirte am Markt aktiv teilnehmen können.

Bei der Agrarministerkonferenz, AMK, unter Bayerns Vorsitz vom 18. bis 20. März stellte man sich dagegen?

Insbesondere die CSU setzt auf die Mär: Bloß keine Markteingriffe! Die Folge: starke Importabhängigkeit, und die Preise klettern. Wie notwendig staatliche Marktgestaltung ist, sieht man bei den Tankpreisen.

Die Monopolkommission stellte in ihrem Sondergutachten zur Lebensmittellieferkette Ende 2025 fest: Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind von den Produktionskosten abgekoppelt. Bei der AMK aber blieb man meist wenig ambitioniert bei alten Rezepten.

Berit Thomsen ist Referentin für Tierhaltung und Marktpolitik bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.03.2026, Seite 2, Inland

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