Tiefer in den Sumpf
Von Jörg Kronauer
Rational Fassbares sollte man nicht suchen in dem wirren Gebrabbel, das Donald »US-Präsident« Trump zur Zeit von sich gibt. Am Wochenende hat er öffentlich eine Reihe von Ländern angebettelt, den Vereinigten Staaten doch bitte bei der Öffnung der Straße von Hormuz zu helfen. Auf die Abfuhren hin, die er erhalten hat, hat er nun behauptet, er habe die angefragten Länder nur austesten wollen. Natürlich seien die großartigen USA nicht auf Hilfe angewiesen. Jetzt wisse er aber, was er etwa von der NATO zu halten habe, und auch wenn er das natürlich schon vorher gewusst habe: Die NATO habe mit der Absage einen großen Fehler begangen. Das sollte vermutlich eine Drohung sein. Eines immerhin lässt sich dem Gebrabbel also entnehmen: Trump ist sauer auf Europa.
Muss man Trumps mutmaßliche Drohung ernst nehmen? Ja und nein. Ja, denn – soweit der subjektive Faktor – Trump ist nachtragend, und er kennt keine Schranken mehr. Jemand, der erklärt, er könne mit einem Inselstaat, Kuba, machen, was er wolle, und er werde eine Insel eines anderen Staates, Irans Insel Kharg, vielleicht »einfach so aus Spaß« bombardieren, der wird auch offiziell verbündeten Ländern in die Suppe rotzen, wenn er die Gelegenheit dazu erhält. Ob das aber in nächster Zeit der Fall sein wird, ist nicht klar.
Denn Trump gräbt sich täglich ein Stück tiefer in den Sumpf. Der glorreiche schnelle Sieg, auf den er in Iran gesetzt hat, ist nicht in Sicht. Mit jedem Tag, den er weiterbombt, steigert er die Milliardenverluste seiner arabischen Kooperationspartner am Persischen Golf, treibt die Weltwirtschaft noch näher an den Abgrund; und wenngleich ihm das alles wohl egal ist: Die MAGA-Basis, wütend über die gewaltigen Kriegskosten und den explodierenden Benzinpreis, fängt an zu rebellieren. Der Rücktritt seines Antiterrorchefs Joseph Kent ist ein gefährliches Signal. Triefendes Gebrabbel geht für das US-Establishment offenkundig in Ordnung, solange der Brabbler liefert. Liefert er nicht, macht er das eigene Land zudem vor der Weltöffentlichkeit mit seinen Auftritten lächerlich, dann wird es ernst. Trump versucht gegenwärtig, mit einer erneuten Kriegseskalation das Ruder herumzureißen. Bisher bleibt der Erfolg aus. Das könnte sich rächen.
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