Aus: Ausgabe vom 26.09.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

US-Sanktionen wirken doppelt

Ärger für Trump vor Wahlen: Jüngste OPEC-Entscheidung treibt Ölpreis weiter nach oben

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Bei hoher Nachfrage werden sich trotz US-Wirtschaftskrieg Ölkäufer finden: Iranische Förderanlage im Persischen Golf

Die steigenden Rohölpreise lassen auch Treibstoff an den Tankstellen teurer werden: Durchschnittlich mussten beispielsweise in der BRD für die Benzinsorte Super E10 zuletzt zeitweise mehr als 1,50 Euro je Liter gezahlt werden. Am Dienstag kostete ein Fass (Barrel; 159 Liter) der Nordseesorte Brent gegen Mittag 81,80 US-Dollar, nachdem zuvor bei 82,20 Dollar der höchste Stand seit November 2014 erreicht worden war. Zeitgleich ging es auch beim US-Rohöl aufwärts. Der Höhenflug der vergangenen Tage bei der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) setzte sich ebenfalls fort. Zuletzt kostete ein Fass US-Öl im Mittagshandel 72,48 Dollar.

Anlass für den ungebrochenen »Aufwärtstrend« dürfte die Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) vom Wochenende sein, die gemeinsam mit anderen wichtigen Förderländern wie Russland abgesprochen worden ist. Die im neuen Großkartell unter dem Namen »OPEC plus« zusammengeschlossenen Staaten hatten am Sonntag in der algerischen Hauptstadt Algier beschlossen, vorerst nichts wegen der gestiegenen Nachfrage zu unternehmen und ihre Fördermengen unverändert zu lassen (siehe jW vom Montag).

Nach diesem Signal »befürchten nicht wenige Marktteilnehmer Angebotsengpässe«, hieß es in einer Analyse der Commerzbank. Noch wichtiger: Anfang November treten die verschärften US-Sanktionen gegen Iran in Kraft, die den Ölsektor betreffen. Bereits mit der Ankündigung der »Strafmaßnahmen« des »Weltpolizisten« kam es zu einem Rückgang der entsprechenden Exporte aus dem Iran. Der könnte sich in den kommenden Monaten verstärken, da Washington alle Importeure und Finanziers solcher Verkäufe ebenfalls mit Sanktionen bedroht. Andererseits dürfte dies große Abnehmer iranischen Petroleums wie Indien oder Pakistan, deren Kunden bereits jetzt Probleme mit der Ölrechnung haben, dazu bewegen, Washington in dieser Hinsicht als kleineres Übel zu sehen.

Auch für die USA selbst und ihren Präsidenten ist die Teuerung ein Problem – insbesondere unmittelbar vor den Wahlen zum Repräsentantenhaus im November. Denn sollte die OPEC nicht nur unwillig, sondern möglicherweise auch nicht in der Lage sein, die Produktion kurzfristig zu erhöhen, könnten die Preise noch wesentlich stärker steigen, kommentierten Marktkenner. Das würde dann auch die Autofahrer in den USA treffen, was Donald Trump unbedingt verhindern will.

Der übt deshalb weiter Druck auf Saudi-Arabien aus, die Förderung zu erhöhen. Zugleich profitiert die US-Ölbranche und vor allem der dortige »Fracking«-Sektor erheblich vom teuren Öl. Sie kann die Produktion weiter erhöhen und drängt damit immer stärker auf den Weltmarkt. Das wird am Ende zwar dafür sorgen, dass Öl wieder billiger wird. Aber zwischenzeitlich sieht es so aus, als könnte sich Trump mit dem Iran-Boykott selbst geschadet haben. (dpa/jW)


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