Der erste Mann
Die ganze Welt hisst Halbmast für Habermas: Das möchte man jedenfalls meinen, wenn man derzeit journalistische Medien konsultiert. Die beweisen wie so oft Professionalität, wenn sie etwa von einem »ambivalenten« Verhältnis zu Horkheimer sprechen (Deutschlandfunk, Horkheimer hatte von Adorno unumwunden Habermas’ Entlassung gefordert) oder die verstorbene Ute Habermas-Wesselhoeft unter die Hinterbliebenen zählen (New York Times). Aber wichtig war der alte Mann ohne Zweifel. Findet auch UN-Generalsekretär António Guterres, der sich laut dpa tief betroffen über den Tod des Philosophen und Soziologen zeigte: »Kein Philosoph hat mein politisches Denken im Laufe meines Lebens so sehr geprägt wie Jürgen Habermas«, ließ er über sein Pressebüro mitteilen, dieser sei ein »Gigant der Philosophie und ein wahrer öffentlicher Intellektueller« gewesen. Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Verstorbenen ungewohnt blumig gelobt: »Seine analytische Schärfe prägte weit über die Grenzen unseres Landes hinaus den demokratischen Diskurs und wirkte wie ein Leuchtfeuer in tosender See.« Selbstverständlich faselte auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer etwas vom »Meisterdenker«. Sollte es im Starnberger Beinhaus verdächtig rumpeln, wir wissen, warum. (pm)
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