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Aus: Ausgabe vom 23.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Kunstgeschichte

Früh übt sich

Ein Handabdruck in einer Kalksteinhöhle in Indonesien ist laut einer neuen Studie das älteste bislang bekannte Höhlenkunstwerk der Welt. Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern der australischen Griffith University, der indonesischen Forschungsbehörde BRIN sowie der Southern Cross University in Australien hatte ihn entdeckt und datiert; ihre Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Das Fragment einer 14 mal zehn Zentimeter großen Handschablone wurde auf ein Mindestalter von etwa 67.800 Jahren datiert und übertrifft einen früheren Rekordfund aus Sulawesi aus dem Jahr 2024 damit um mehr als 15.000 Jahre.

Für Handschablonen bzw. Handnegative wird eine Hand an die Felswand gelegt und Farbe wie roter Ocker darüber gepustet oder gesprüht. Die Entdeckung liefere neue Hinweise auf die frühe Ausbreitung des modernen Menschen und die Besiedlung Australiens, hieß es. Das Kunstwerk befindet sich in einer Höhle auf der Insel Muna, einer Nebeninsel von Sulawesi im Südosten Indonesiens. Die Forschenden nutzten eine Datierungsmethode, bei der anhand radioaktiver Zerfallsprozesse in Ablagerungen das Alter bestimmt wird. Analysiert wurden mikroskopisch kleine Mineralablagerungen, die sich über und teilweise unter den Farbschichten gebildet hatten. Dadurch ließ sich der Zeitraum eingrenzen, in dem das Kunstwerk entstand. Die Wissenschaftler berichten zudem, dass die Höhle über einen außergewöhnlich langen Zeitraum für künstlerische Zwecke genutzt wurde. Demnach entstanden dort über mindestens 35.000 Jahre hinweg immer wieder Malereien – bis vor etwa 20.000 Jahren. (dpa/jW)

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