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Aus: Ausgabe vom 31.01.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Frankreich

Rote Schals gegen gelbe Westen

Nach den »Gelbwesten« erscheinen jetzt die sich selbst so bezeichnenden »Rotschals«: Am Sonntag hat eine neue »Bewegung« in Paris rund 10.500 Menschen mobilisiert. Sie will »die Demokratie und die Institutionen« der Französischen Republik gegen »Gewalt« verteidigen.

Aber wer steht dahinter? Unter dem Motto »Stopp – jetzt reicht’s« hat der 51jährige Laurent Soulié zu der ersten Kundgebung der »foulards rouges« (roten Schals) aufgerufen. Der Luftfahrtingenieur aus Toulouse im Südwesten Frankreichs will damit »den Franzosen Gehör verschaffen, die sich seit Wochen verstecken«.

Was wollen die »Rotschals«? Sie protestieren gegen die »Gewalt« bei den »Gelbwesten«-Protesten und die »Schmähungen« gegen Politiker und werben nach eigenen Angaben für ein »friedliches und respektvolles Frankreich«. Sie sehen sich als »schweigende Mehrheit« – unter dem Motto »Die ›Gelbwesten‹ sind nicht das Volk«.

Sind die »Rotschals« von der Regierung gesteuert? Das werfen viele »Gelbwesten« der neuen Bewegung vor. Soulié und viele seiner Mitstreiter geben zu, Anhänger von Präsident Emmanuel Macron zu sein – der Ingenieur versteht seine Initiative aber selbstverständlich als »apolitisch«. Er sagte nach der ersten Kundgebung, es habe sich um eine friedliche »Liebeserklärung an unser Land, an die unteilbare und demokratische Republik« gehandelt. Auch in den Symbolen ist die politische Nähe der »Rotschals« zum Präsidenten zu erkennen: Bei der Pariser Demonstration wurde die Trikolore neben der Europaflagge geschwenkt, wie es schon im Präsidentschaftswahlkampf bei Veranstaltungen Macrons die Regel war.

Und die wichtigste Frage: Welches Verhältnis haben die »Rotschals« zu den »Gelbwesten«? Beide Seiten stehen sich bisher unversöhnlich gegenüber. Die »Rotschals« skandierten bei ihrer Demonstration »Nein zur Revolution« und »An die Arbeit« – damit waren unmissverständlich die »Gelbwesten« gemeint. Bei ihrer Ankunft am Bastille-Platz wurden sie von einer Delegation in gelben Westen ausgebuht, die lautstark den Rücktritt Macrons forderte. Initiator Soulié hatte ursprünglich für eine Politik der »ausgestreckten Hand« gegenüber den »Gelbwesten« geworben.

Wie geht es nun in Frankreich weiter? Die »Rotschals« wollen erst im Laufe der Woche entscheiden, ob sie erneut auf die Straße gehen. Dass die »Gelbwesten« weiter demonstrieren, gilt dagegen als sicher. Allerdings ist die Beteiligung an den Demonstrationen schwankend: Am Samstag nahmen laut Innenministerium landesweit rund 69.000 Menschen teil, vor einer Woche waren es noch 84.000. (AFP/jW)

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