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17.12.2018
- → Feuilleton
Da ist alles drin. Wahre Tierrechte (62)
Andreas ließ ein paar Akkorde auf der Martin-Gitarre anklingen und lauschte ihnen nach. »Sagenhaft«, schwärmte er. »Dieses Schätzchen ist ein Schatz. Da ist alles drin.« Er begann mit dem Intro von »Out of the Blue«, Jochen hatte schon Neil Youngs »Hey Hey, My My« im Ohr und gab Andreas ein Zeichen, innezuhalten. »Lass uns später in der Scheune mit den anderen Musik machen«, bat er. »Ich habe so viele Fragen und würde die Gelegenheit gern nutzen. Lass uns kubanisch rauchen und deutsch reden, ja?«
»Aye aye, Sir«, gab Andreas zurück, legte die Gitarre behutsam in den Koffer und sah Jochen fragend an. »Wo drückt Euch der Schuh, Käpt’n Smollett?« – »Na ja« – Jochen drängte es offenbar, einen Anfang zu finden, er tat sich aber schwer damit –, »vielleicht kannst du etwas präzisieren, was du mit ›unter die Arme greifen‹ meinst? Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen, dann tauchst du auf wie ein Deus ex Machina oder wie Kai aus der Kiste, dazu das Gewühle in der Bank, die Rauferei« – er tippte sich kurz an seine immer noch leicht angeschwollenen Nase –, »dann das Fest und überhaupt die ganzen letzten Tage … Puuh! Das hat mich ganz schön mitgerissen, und als einfacher Junge vom Land komme ich ohne festen Stand nicht gut zurecht.«
»Du und ein einfacher Junge vom Land!« Andreas lachte; er war wirklich amüsiert. »Du bist zur einen Hälfte schlauer Bauer und zur anderen Zigeuner, sprichst so gut rotwelsch wie hochdeutsch, und weil das nicht so leicht zu verstehen ist für unsere Eindimensionalos, hast du dir die Bauernbuxen angezogen und machst auf simple minded guy next door. Ein Kluger kann sich eben dumm stellen; umgekehrt klappt es nicht so gut.« Er sah Jochen an, als sei er stolz auf seinen alten Freund. »Und wie du den Mastermind-Posten Melissa überlässt, ist ein genialer Zug.«
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