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Trump ins Camp

Jeder Morgen ist ein neuer, / das ist mir zu lieb und teuer, / um in Routine zu rotieren, / die andre mir auf Brote schmieren, / die dann ungenießbar werden, / dazu bin ich nicht auf Erden. Mit diesen Versen im Kopf wachte ich auf und fand mich dazu entschlossen vor, mich um die Dinge zu kümmern, die mir am Herzen liegen: Liebe und gute Arbeit, und dann will der Alltag ja auch möglichst gutgelaunt wegerledigt werden.

Genug zu tun also, doch irgendwann gab ich der Mischung aus ursprünglich guter Neugierde und schlechter Angewohnheit nach und nahm eine Dosis Medien zu mir, aus Radio und Zeitung, und von dieser Dampfwalze aus Irrsinn, Sensationsgeschrei, Nichtigkeit und Reklame erholt man sich nicht leicht. Nur in einem haben die alles gleichermaßen zunichte machenden Organe recht: Wenn sie schon Nachrichten über Krieg, Mord, Trump, bankrotte Künstler und das Dschungelcamp in identischer Größe abblilden, warum dann nicht alles richtig mischen? Trump mit Erdogan, Björn Höcke, Frauke Petri, Markus Söder, Marine Le Pen und diverse andere »politisch« genannte Narzissten im Endstadium ins Dschungelcamp delegieren? Sie wären an ihrem angestammten Platz, eine Lebensstellung wäre ihnen sicher, und sie könnten, ohne die Welt zu bedrohen und zu verheeren, statt Menschen Schlamm schlachten.

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Von dieser Vorstellung getröstet, wandte ich mich Wesentlicherem zu und putzte das Klo.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.02.2017, Seite 11, Feuilleton

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