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11.03.2015
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Stadt, Land, Fluss
Von Dusan Deak
In einer dieser zahlreichen trivialen Fernsehtalkshows hat FDP-Altmeister Wolfgang Kubicki vor kurzem den Fraktionschef der Grünen im Bundestag Anton Hofreiter hart angegriffen – wegen dessen Friseur. In einer unerträglichen Machomanier reduzierte Kubicki den Grünen komplett auf sein Äußeres. Hätte er ihn fairerweise auf sein Inneres reduziert, wären von fünf Teilnehmern der illustren Gesprächsrunde nur noch vier übriggeblieben (4+0=4).
Inhaltlich ging es wohl um das Vorhaben, das Chauvideutsch so umzugendern, dass alle 60 Facebook-Geschlechter im Alltagsdeutsch vertreten sein können und keiner/keine diskriminiert wird. Bislang gibt es an bundesdeutschen Universitäten lediglich 190 Professuren, die sich mit dem Gendern beschäftigen, so dass unzählige Biogas- und Windenergieanlagen ungegendert in der Gegend herumvagabundieren und das Land verschandeln.
Immerhin haben es die 190 Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen in zehn Jahren intensiver Forschungsarbeit geschafft, das nordrhein-westfälische Studentenwerk in »Studierendenwerk« umzubenennen – für läppische 1,2 Millionen Euro.
Das vielschichtige Sprachproblem verlangt nach einer Lösung. Um das Problemdeutsch nachhaltig anzugehen, plädieren die Grünen für ein neues Einwanderungsgesetz. Es hat sich gezeigt, dass speziell Einwanderer aus Osteuropa über ein natürliches Talent verfügen, mutig und großzügig auf die Geschlechtsartikel (der, die, das) zu verzichten und Begriffe charmant in die gewünschte Richtung nachzugendern (das Stadt, die Land, die Fluss).
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