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Aus dem Hemd

Google verzichtet bei seiner neuen Google-Brille auf Gesichtserkennung, und das ist gut so! Ohnehin fällt es bei einigen Prominenten (Madonna, Costa Cordalis) immer schwerer, eindeutig zu entscheiden, welches Körperteil dich da gerade aus dem Hemd des Gegenübers anstarrt.

Costa Cordalis hat seinerzeit freimütig zugegeben, daß es seinem Arzt gelungen ist, Teile seines Hinterns in sein Gesicht zu verbauen, was man heute immer deutlicher sieht. Welche Körperteile in Madonnas Gesicht zu finden sind, wird vorläufig noch geheimgehalten. Auf jeden Fall verliert das Wort Arschgesicht seine pejorative Bedeutung und entwickelt sich zu einem bedeutenden Fachausdruck der Gesichts- und Schönheitschirurgie.

Als Antwort auf die Google-Brille entwickelt Apple in Zusammenarbeit mit Samsung eine Anus-Erkennungs-Klobrille. Angesichts der Errungenschaften in der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie eine durchaus sinnvolle Ergänzung der vorhandenen Produktpalette.


Beinahe schon nostalgisch wirkt in diesem Umfeld die Wiederentdeckung der alten und etwas in Vergessenheit geratenen Technik des Denkens mit dem Kopf. Man muß auch kritisch anmerken, daß das bei Alternativen beliebte Bauchdenken und Dickdarmreden nicht immer zum gewünschten Ergebnis führte. Ein genaueres Hinschauen und Erforschen der Verdauungsprozesse in der Natur führte schließlich zur Erkenntnis, daß am Ende hinten immer das gleiche rauskommt: Dung.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, und Justizministerin Sabine Leutheusser minus Schnarrenberger bleiben skeptisch und warnen vor zunehmender Datensammelwut und ungeklärter Rechtslage sowohl beim Bauchdenken als auch bei Apples Anus-Erkennungs-Klobrille.
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Erschienen in der Ausgabe vom 03.07.2013, Seite 12, Feuilleton

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