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Schlimme Namen

Von Annette Riemer
Am vorigen Sonntag wählte ein Firmling den Firmungsnamen Judas, um an die Fehlerhaftigkeit des Menschen erinnert und entsprechend gewarnt zu sein. Dieser Entschluß irritierte nicht nur den Pfarrer der katholischen Kirche St. Norbert zu Merseburg. Auch außerhalb dieser Kirche ist Judas ein selten verwendeter Name. Es gibt ähnliche. Übel beleumundete Personen aus der Geschichtsschreibung werfen gewissermaßen dunkle Schatten über ihre Namensvettern. Kennen Sie einen Adolf? Oder einen Nero? Ist Ihnen eine Xantippe oder eine Agrippina bekannt? Sehen Sie! Nun kann diese Entwicklung als tragisch verstanden werden: Immerhin gehen auf diese Weise wohlklingende, traditionsreiche Namen verloren, unsere Zivilisation wird ärmer. Andererseits ließe sich diese Entwicklung unter anderen Vorzeichen auch begrüßen. Ich zum Beispiel sehe voller Erwartung dem Tag entgegen, an dem ein Kevin historisches Unheil anrichtet und sein Name aus den Geburtsregistern verschwindet. Oder eine Jaqueline. Oder eine Nancy. Oder ein Justin. Oder ein …
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Erschienen in der Ausgabe vom 27.06.2013, Seite 12, Feuilleton

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