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Hintergrund: Die deutsche »Hall of Fame« des Sports

2006 hatte sich die Stiftung »Deutsche Sporthilfe« – eine Instanz, die vor allem unterstützt von bundesdeutschen Konzernen die Förderung des Spitzensports mitfinanziert – entschlossen, dem Beispiel anderer Länder zu folgen und in der Bundesrepublik eine Halle des Ruhms zu installieren, die – obwohl in Deutschland beheimatet – den englischen Titel »Hall of Fame« trägt. Der auf der Website publizierte Leitspruch lautet: »Die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe begründete Hall of Fame des deutschen Sports schafft ein bleibendes Forum für Persönlichkeiten, die durch Leistung, Fairplay und Miteinander Vorbild geworden sind: Sportlerinnen und Sportler unseres Landes, Trainer, Funktionsträger, Betreuer oder Mäzene, die ihren Erfolgswillen mit den Prinzipien des Sports in Einklang gebracht haben.«

Zur Eröffnung der »Halle«, die nirgendwo steht und nur bei passenden Gelegenheiten als Wanderausstellung gezeigt wird, war 2008 Bundespräsident Horst Köhler erschienen. Der Stiftungsvorstand hatte damals 42 deutsche Sportler für so ruhmwürdig befunden, daß er sie der Öffentlichkeit in der »Halle« präsentierte. Die FAZ (7.5.2008) hatte dem Ereignis die Titelzeile gewidmet: »Vom Parteibuch-Nazi zur Symbolfigur des Sports« und darauf hingewiesen, daß fünf der Auserwählten Mitglieder der faschistischen NSDAP gewesen waren. Pfarrer Eppelmann hatte zudem moniert, daß mit Roland Matthes nur ein einziger Athlet aus der DDR aufgenommen worden war, was die Stifter dann bewog, als nächstes noch der Welt beste Kanutin, Birgit Fischer, hinzuzufügen.
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Inzwischen zählt die Halle 72 Mitglieder, von denen zehn sportliche Erfolge für die DDR errangen. Für das Nominierungsverfahren gilt: »Das Vorschlagsrecht für Aufnahmen liegt bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Verband Deutscher Sportjournalisten. (…) Die Wahl trifft eine Jury. Sie setzt sich zusammen aus den Vorsitzenden von Vorstand, Aufsichtsrat und Stiftungsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe sowie den Mitgliedern des Stiftungsrats, Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Verbands Deutscher Sportjournalisten, der Politik sowie Persönlichkeiten weiterer Institutionen des Sports.« (kh)
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Erschienen in der Ausgabe vom 05.11.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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