Zum Inhalt der Seite

Hintergrund: Kriegstrommeln

»Die Trommelschläge für einen Krieg gegen Iran werden lauter«, stellte Muhammad Sahimi schon am 31. Juli in einem von vielen Internetseiten übernommenen Artikel fest. Der seit seiner Kindheit in den USA lebende Iraner Trita Parsi schrieb am 13. August auf Salon.com etwas vorsichtiger: »Eine Kampagne für Krieg gegen Iran beginnt.« Nach seiner Einschätzung könnte das Kriegsgeschrei der Neokonservativen und der Israel-Lobby auch dazu dienen, US-Präsident Barack Obama als Schwächling zu demontieren, falls er Iran nicht angreifen läßt. Das würde den Weg für einen noch strammeren Kriegspräsidenten bei der 2012 anstehenden Wahl vorbereiten.

Ein breites Internet-Echo hat ein langer Artikel von Webster G. Tarpley gefunden, der in deutscher Übersetzung u. a. bei hintergrund.de zu lesen ist. Der Autor meint, daß die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Iran »in den letzten zweieinhalb Jahren relativ gering war«, jetzt aber »rapide« zunimmt. Er führt das unter anderem auf folgende Gründe zurück: Erstens seien die Hoffnungen Washingtons auf die iranische Opposition gescheitert. Zweitens begünstige die russische Außenpolitik den Konfrontationskurs der USA. Drittens sei »der von den Hedge-Fonds in den USA und Großbritannien geführte Blitzkrieg gegen den Euro ins Stocken geraten«. Viertens, die US-Regierung strebe durch die Eröffnung eines Krieges gegen Iran einen »astronomischen Goldpreis zur Rettung des US-Dollars« an. Fünftens, die USA wollen »die Araber und die Iraner gegeneinander ausspielen«.
Anzeige

Letzteres ist zweifellos richtig. Bei seiner Einschätzung, daß dies bereits weitgehend gelungen sei, steht Tarpley aber auf ganz morastigem Boden. Im Grunde kann er dafür, außer den später zurückgenommenen Äußerungen eines Botschafters der Vereinigten Emirate, keinen wirklichen Fakt und kein einziges Zitat anführen. Die Meldungen der Londoner Times über eine militärische Kooperation zwischen Israel und Saudi-Arabien, auf die sich Tarpley unreflektiert beruft, repräsentieren das Wunschdenken einer Zeitung, die den Neokonservativen nahesteht.

(km)
Themen:
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2010, Seite 3, Schwerpunkt

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!