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Anschlag in US-Basis: Schlappe für die CIA

Nicht der versuchte angebliche Al-Qaida-Anschlag auf Flug 253 nach Detroit ist die größte US-Geheimdienstschlappe des vergangenen Jahres, sondern die Tatsache, daß die CIA in Afghanistan in eine sorgfältig und mit strategischer Finesse vorbereitete Falle gelaufen ist. Beim Attentat auf dem US-Stützpunkt Chapman wurden am 30. Dezember sieben Angehörige der »Firma« getötet, darunter der Leiter der örtlichen CIA-Dependence, und sechs weitere schwer verletzt. Allerdings gibt es keinen Hinweis in den US-Medien, daß US-Präsident Barack Obama dies mit seinen Geheimdienstchefs am Dienstag im Weißen Haus besprochen hat. Dabei wäre das bitter nötig gewesen. Denn der Tod der »Besten der Besten« hat gezeigt, daß es den Taliban mit Hilfe eines Doppelagenten gelungen ist, ausgerechnet die Organisation zu infiltrieren und die Einheit in die Luft zu sprengen, die die Führungsspitzen von Al-Qaida und Taliban eliminieren sollte.

Getarnt als zivile Aufbauhelfer in der vorgeschobenen US-Operating Base Chapman in der Provinz Khost nahe der pakistanischen Grenze wollten die CIA-Agenten ein Netzwerk lokaler Informanten aufbauen. In der Hoffnung, daß die örtlichen Taliban-Kommandeure sie früher oder später zu den Führungsspitzen der Bewegung im pakistanischen Wasiristan führen würden. Dann wären die mit bewaffneten Flugrobotern vom Typ Predator liquidiert worden. In dieser Situation hat sich der aus Jordanien stammende Doppelagent Humam Khalil Abu-Mulal Al-Balawi gemeldet und vorgegeben, von einer bevorstehenden Zusammenkunft der Taliban-Führung zu wissen. Der Geheimdienst Ammans hatte geglaubt, den ehemaligen Islamisten Al-Balawi umgedreht zu haben und ihn der CIA angeboten. Für die arbeitete er in Khost als verdeckter Ermittler. Auch sollten auch Kontakte mit möglichen Taliban-Informanten anbahnen. Um das weitere Vorgehen zu beraten, wurde Al-Balawi in die Chapman-Base eingeladen. Statt mit Informationen kam er mit einer Bombe und nahm mit einem strategisch ausgeklügelten Coup den CIA-Bemühungen in Afghanistan die Spitze. Zugleich dürfte die Vertrauensbasis von US-Agenten für die weitere Zusammenarbeit mit islamischen Informanten nachhaltig erschüttert sein.
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(rwr)
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Erschienen in der Ausgabe vom 07.01.2010, Seite 3, Schwerpunkt

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