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Kriecht zu Kreuze

Die Verleihung des Hessischen Kulturpreises durch die Landesregierung von Roland Koch trifft auf Unverständnis. Satzungsgemäß wird die Auszeichnung an Leute verliehen, die sich für den religionsübergreifenden Dialog stark gemacht haben. Die Regierung Koch hat die Sache kurzerhand zu einem kleinen Kreuzzug unfunktioniert. Der Mainzer Bischof Karl Lehmann und der ehemalige Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, hatten den Preis nicht zusammen mit dem muslimischen Schriftsteller Navid Kermani entgegennehmen wollen, weil dieser in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. März blasphemisch geworden sei. Grober Unfug, aber die Landesregierung ist den Christen gefolgt und hat Kermani den Preis aberkannt. Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte am Wochenende, die Regierung sei »offenkundig nicht würdig, einen solchen Preis zu vergeben«. Der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel merkte an, Kermani sei »als bedeutender Vermittler von Orient und Okzident (…) der denkbar ungeeignetste Mann« für solch eine Scharade. Kermani selbst nennt es im Spiegel milde »absurd«, daß Lehmann und Steinacker nur mit ihm sprächen, sofern er sich »zum Glauben an den gekreuzigten Jesus bekenne«.

(ddp/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 18.05.2009, Seite 13, Feuilleton

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