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Nachschlag: Gesellschaftskörper

Coriolanus | Sa., 23.14 Uhr, 3sat

Foto: Ronald Grant/Mary Evans/IMAGO
»There he is now, look: There is no interrogation in his eyes« (T. S. Eliot, »Coriolan I - Triumphal March«)

Das Filmregiedebüt des Schauspielers Ralph Fiennes (mit sich selbst in der Titelrolle) war eine dubiose ­Shakespeare-Adaption. An Coriolanus haben sich schon die Besten – von links Brecht, von rechts T. S. Eliot – versucht: die freidrehende Kriegsmaschine, der Feldherr als Muster des an Selbstherrlichkeit scheiternden Diktators. Fiennes’ (Theater-)Rom befindet sich in Belgrad. Die Rom bedrohenden Barbaren sind tätowierte Balkanmenschen. Der maßgebliche Kunstgriff ist die Übertragung der elisabethanischen Rhetorik in gegenwärtige öffentliche Sprechweisen: Nachrichten, Talk-Show-Runde usw. Es ist ja ausdrücklich ein Stück über »den Gesellschaftskörper«. Brecht notierte in seinem Arbeitstagebuch: »Coriolan versucht, für seine klasse neue oder alte privilegien zu erpressen unter den beständigen kriegen, und er kehrt um im interesse seiner klasse (in westdeutschland könnte das stück heute aufgeführt werden, wie es ist).« Das war 1952. 2011 versuchte man es mit Balkanbeat, Nationbuilding und Mediendemokratie. Und bekam doch nur eine blutige Soldatenschnulze hin. (aha)

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.05.2026, Seite 14, Feuilleton

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