Dort präsent sein, wo die Menschen sind
Von Aktion und Kommunikation
Wie ist die Lage in der »Branche«, dem Medienmarkt in der BRD – speziell im traditionell linken Segment dieses Marktes? Die Zeichen stehen auf Rückzug, auch wenn dieser gern als fortschrittlich, ökologisch notwendig oder einfach als modern verklärt wird.
Doch zunächst ein Blick nach rechts, denn das Drama um die linke(re)n Medien wird erst in diesem Kontrast verständlich: Die Rechten bauen ihre Medienmacht gezielt aus, nicht nur online. Traditionszeitungen werden übernommen und umgekrempelt, die Neue Zürcher Zeitung zum Beispiel, die mittlerweile als eine Art AfD-Zentralorgan im deutschsprachigen Raum fungiert. Die dieser Tage neu am Markt plazierte Ostdeutsche Allgemeine Zeitung aus dem Hause des Verlegers Holger Friedrich (Berliner Zeitung) startet mit der programmatischen Ansage des neuen Chefredakteurs Dorian Baganz: »Bei der OAZ gibt es keine Brandmauern. Mit Mauern haben wir in Deutschland keine guten Erfahrungen gemacht.« Es gehört nicht viel Phantasie dazu, hier die ökonomische Strategie zu erkennen, mit der das neue Blatt ein Alleinstellungsmerkmal erhalten soll: entsprechende Berichterstattung über die AfD und ihr Milieu. Die Berliner Zeitung selbst macht das vor, und zwar mit zunehmender Schlagseite.
Ab April 2026 erscheint das ND, früher noch Neues Deutschland, als Tageszeitung rein digital. Gedruckt gibt es fortan nur noch die Wochenendausgabe. Diese Entwicklung folgt einer traurigen Logik. Zunächst flog die Tagesausgabe wochentags aus dem Einzelhandel. Dann erschien ND – Der Tag nur noch dreimal wöchentlich gedruckt. Jetzt das Ende des werktäglichen Drucks insgesamt. Jeder Schritt wurde begleitet von der gleichen Rhetorik: mutig, notwendig, zukunftsorientiert. Als hätte die Kapitulation vor den Verhältnissen irgend etwas mit Mut zu tun, als wäre Schrumpfen eine Strategie. Das Neue Deutschland bzw. das ND wird in diesem Jahr 80 Jahre alt, das Ende als gedruckte Tageszeitung ist freilich kein schönes Geschenk. Auch für uns nicht, denn der Verfall der Strukturen betrifft alle, auch die jW, die dieselben Lieferketten hat wie einst das ND – und die Taz.
Die Taz hat den Ausstieg bereits umgesetzt – im Gegensatz zum ND ohne wirkliche Not. Folgt der Rückzug des ND einem Sparzwang, hätte die Taz ursprünglich – der Ausstieg aus Print wurde jahrelang verkündet und vorbereitet, dann wieder verschoben und erneut in Angriff genommen – Ressourcen und Abonnenten genug gehabt, um weiterhin werktäglich gedruckt zu erscheinen. Seit Oktober letzten Jahres gibt es sie nur noch sonnabends auf Papier, als sogenannte Wochentaz. Diese Veränderung taufte das Marketing in der Friedrichstraße dem Zeitgeist entsprechend »Seitenwende«. Damit ist die linke Presse in der BRD, täglich und gedruckt, auf eine einzige Zeitung reduziert: die junge Welt.
Das eine tun, ohne das andere zu lassen: Das macht die junge Welt. Mit einer gedruckten Tageszeitung und einem starken Auftritt online. Wer digital lesen möchte, dem sei unser Aktionsabo anempfohlen: 10 Wochen die jW online zu 10 Euro. Um das digitale Angebot kennenzulernen, auszuprobieren, vollen Zugriff auf alle Artikel und das Archiv zu erhalten, Lesegewohnheiten zu überprüfen. Und: Die junge Welt druckt weiter. Sechs Tage die Woche. Nicht weil es bequem wäre oder billig. Sondern weil eine Zeitung, die an der Seite der lohnabhängig Beschäftigten steht und Kriegspropaganda die Stirn bietet, genau dort präsent sein muss, wo die Menschen sind – nicht nur dort, wo Algorithmen sie hinleiten.
Auf der Leipziger Buchmesse werden wir am Donnerstag, den 19. März, um 11 Uhr am Stand der jungen Welt (Halle 5) eine Gesprächsrunde zur Lage des gedruckten Tageszeitungsgeschäfts mit dem jW-Geschäftsführer Jonas Pohle veranstalten – dazu sind Sie herzlich eingeladen.
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