Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
Gegründet 1947 Montag, 6. Juli 2020, Nr. 155
Die junge Welt wird von 2327 GenossInnen herausgegeben
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Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
jW stärken!

  • Überlebensmittel auf der jW-Terrasse

    Buchbasar am 18. Juli sichert geistige Kost und Erbauung
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    Journalist Peter Rau im September 2013 beim Tag der Erinnerung und Mahnung in Berlin

    Zu Recht galt die DDR als Land der Lesenden und der Bücher. Beschäftigung mit hochwertiger Literatur gehörte zum Alltag, Gedrucktes zum alltäglichen Bedarf. Was in 40 Jahren an Editorischem geleistet wurde, ist auch heute noch Weltspitze. Mehr noch: Im heutigen realkapitalistischen Umfeld kultureller Verflachung sind viele der damals verlegten Werke zu Überlebensmitteln ohne Verfallsdatum avanciert. Wenn darin die Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes, der imperialistischen Kriege und des Internationalismus im Fokus stehen, trifft das im besonderen Maße zu. Gerade zu diesen Schwerpunkten hat sich unser leider viel zu früh verstorbener Redakteur Peter Rau in den fünf Jahrzehnten seines verdienstvollen Wirkens für die junge Welt eine respektable Handbibliothek angelegt. Er hinterließ sie uns mit der Maßgabe, Teile davon für die eigene Recherche zu nutzen, einen größeren Teil aber unseren Leserinnen und Lesern zur Verfügung zu stellen, damit sie sich im Kampf für eine bessere Welt noch besser geistig wappnen können. Wie die DDR-Lebensmittel sollen die Bücher zu »proletarischen Preisen« abgegeben und der Erlös für die Stärkung dieser Zeitung verwandt werden.

    Wer Freude hat, in einem spannenden Sortiment gesellschaftswissenschaftlicher Literatur und Belletristik mit politischen Intentionen zu stöbern, kann das am Samstag, dem 18. Juli 2020, in der Zeit von 10 bis 18 Uhr in aller Ruhe auf der jW-Terasse bzw. bei regnerischem Wetter in der jW-Ladengalerie tun. Ingo Höhmann und Anne Pasold präsentieren den umfangreichen Nachlass nach Schwerpunkten geordnet und freuen sich auf möglichst zahlreichen Besuch. Mangeln wird es auch nicht an LPG-Broschüren und Beitrittsformularen. Schließlich ist jeder Genossenschaftsanteil ein ganz besonders wertvolles Überlebensmittel – für Verlag und Genossenschaft ebenso wie für die Nutzerinnen und Nutzer ihrer Produkte.

    Kollektiv der Ladengalerie

    jungewelt.de/ladengalerie

  • Nur gemeinsam sind wir stark

    Genossenschaft junge Welt eG will im Jubiläumsjahr deutlich wachsen
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    Dank an unser langjähriges Mitglied im Aufsichtsrat Heinzjürgen Hagenmüller (l.)

    Die diesjährige Generalversammlung der Genossenschaft LPG junge Welt eG fand unter besonderen Bedingungen statt. Eigentlich waren im Anschluss eine Feier und ein Jubiläumskonzert zum 25. Geburtstag der Genossenschaft vorgesehen. Die Feierlichkeiten mussten aufgrund der Coronapandemie leider ausfallen, aber die Vollversammlung fand unter Berücksichtigung der strengen Hygiene- und Abstandsregeln im Berliner Kino Babylon statt. Einen ausführlichen Bericht dazu haben wir in der jW-Ausgabe vom Montag, dem 29. Juni, veröffentlicht.

    Die Genossenschaft ist Haupteigentümer der Verlag 8. Mai GmbH, die die Tageszeitung junge Welt und die Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus herausbringt. Bereits bei der Gründung war es das Ziel, dass der Verlag sein Tagesgeschäft aus eigenen Einnahmen finanziert und die Genossenschaft ihn bei Sonderaufgaben unterstützt. Über viele Jahre musste die Genossenschaft den Verlag jedoch immer wieder beim Ausgleich der Bilanz oder mit Krediten unterstützen, um das Tagesgeschäft abzusichern. Zur Zeit finanziert sich der Verlag selbst – das kann aber nur dann so bleiben, wenn er sich weiterentwickelt. Dafür und für die Absicherung bei Angriffen aller Art braucht er auch weiterhin die Unterstützung der Genossenschaft.

    Nachdem der Generationswechsel in der Redaktion der jW bereits eingeleitet wurde, steht er nun für Verlag und Genossenschaft an. Nach 25 Jahren wurde das langjährige Aufsichtsratsmitglied Heinzjürgen Hagenmüller verabschiedet, der nicht mehr zur Wahl angetreten war. Ihm danken wir für sein langjähriges Engagement an dieser Stelle noch einmal herzlich. Neu in das Gremium wurde mit Claudia Kratofil eine aktive Leserin und Unterstützerin gewählt, die regelmäßig mit Zeitungen bei Veranstaltungen in der Lausitz unterwegs ist und für junge Welt und Melodie & Rhythmus wirbt.

    Bis zum Jubiläum der Genossenschaft am 7. Oktober wollen wir das 2.500. Mitglied begrüßen. Noch fehlen aktuell 173 neue Genossinnen und Genossen, um dieses Ziel zu erreichen. Die notwendige Einlage in Höhe von 500 Euro kann auch in Raten à 25 Euro gezahlt werden. Nutzen Sie den nebenstehenden Coupon und werden Sie Mitherausgeber der Tageszeitung junge Welt.

    Vielleicht ist gerade für jüngere Leserinnen und Leser die Möglichkeit der Ratenzahlung attraktiv, um Teil der Genossenschaft zu werden.

    Jüngere Mitglieder sind auch nötig, um das langfristige Bestehen der Genossenschaft zu sichern. Viele unserer Mitglieder sind bereits älter, auch auf der diesjährigen Vollversammlung wurden wir von einzelnen Genossinnen und Genossen mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Anteile im Fall ihres Todes der Genossenschaft oder dem Verlag überlassen können. Hier wollen wir künftig besser beraten und werden den Vorschlag eines Genossen aufgreifen, doch einen Ansprechpartner für solche Fragen zu benennen.

    Ohne die Genossenschaft hätten weder der Verlag noch die junge Welt die letzten 25 Jahre überlebt. Es gäbe also genug Gründe für ein Fest. Weil das 25. Doppeljubiläum am vergangenen Sonnabend nicht stattfinden konnte, hat die Vollversammlung beschlossen, eine weitere Versammlung mit anschließender Feier zu veranstalten. Dies kann frühestens im Oktober geschehen, wahrscheinlich aber erst im neuen Jahr. Wir werden an dieser Stelle berichten, sobald der Termin steht.

    Vorstand der Genossenschaft LPG junge Welt eG

    Jetzt Mitherausgeber/in werden: Informationen und Beitrittsformular gibt es unter jungewelt.de/genossenschaft

  • Schon gesehen?

    Später gestartet, dafür aber mit voller Kraft: die junge Welt-Kioskaktion
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    Aktuelle jW-Werbeplakate: Sind Hingucker und sollen zum Zeitungshändler führen

    Es fing so schwierig an. Unsere ab Ende April geplante Werbeaktion für den Kauf am Kiosk mussten wir wegen der Coronapandemie absagen. Die schöne Strategie, der erfolgreichen Probeaboaktion die werblichen Aktivitäten für den Einzelhandel folgen zu lassen, konnte nicht umgesetzt werden. Der Kontakt zu jenen Probeleserinnen und -lesern, die noch kein festes Abo gemacht haben, wurde unterbrochen. Auch die große 100.000er Verteilaktion rund um den 1. Mai konnte nicht stattfinden. Probeleser wie 1.-Mai-Demonstranten sollten dafür gewonnen werden, die junge Welt wenigstens gelegentlich am Kiosk zu kaufen. Statt dessen Funkstille, denn auch die geplanten Radiospots, die zum Kioskbesuch anregen sollten, gingen nicht über den Sender.

    Aber mit etwas Verspätung sind wir dann doch noch in die vollen gegangen: Seit Tagen hängen in einigen Städten der Bundesrepublik jW-Plakate, U-Bahnen fahren mit jW-Werbung, im Radio ist unser Werbespot zu hören, und manche Kioskbetreiber haben unseren Werbesticker in die Ladentür geklebt. Es wurde einiges Geld in die Hand genommen, um im Gewimmel der Stadt sichtbar zu sein. Aber soll diese linke Tageszeitung nur gesehen werden? Wie bei einem Pferderennen Männer mit besonders auffällig karierten Anzügen und Frauen mit großen Hüten? Nein! Sie soll auch gekauft werden! Deshalb zeigt sie, was sie hat und was sie ist: nicht eine, sondern die linke überregionale Tageszeitung mit einer täglich einzigartigen Hintergrundberichterstattung.

    Ob unser Plan aufgeht, ob die Zeitung nicht doch nur gesehen wurde, wissen wir erst in ein paar Wochen, wenn die aktuellen Verkäufe im Einzelhandel bei uns abgerechnet werden. Bis dahin und darüber hinaus können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, zum Gelingen etwas beitragen. Reden Sie mit Ihrem Zeitungshändler über die junge Welt. Sicherlich kann man sie im Geschäft vorteilhafter präsentieren – etwa nicht zweifach gefaltet, sondern die obere Hälfte der Titelseite sichtbar; nicht als Bückware, sondern weiter oben im Zeitungsregal. Vielleicht schaffen Sie es auch, dass die jW für ein paar Tage auf dem Verkaufstresen liegt. Und selbstverständlich können Sie auch all Ihre Bekannten auf darauf hinweisen, dass es die junge Welt am Kiosk zu kaufen gibt. Wir schicken Ihnen gerne Werbematerial – Plakate und Aufkleber – für Kioske zu. Nur Mut! Auf der Internetseite www.jungewelt.de/kiosk zeigen wir Ihnen auch, bei welchen Einzelhändlern in Ihrer Umgebung die junge Welt erhältlich ist.

    Kommunikation & Aktion

    Kontakt zum Aktionsbüro: aktionsbuero@jungewelt.de, Telefon: 030/53 63 55-10

  • Selbstbewusst vorwärts schreiten

    Zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der Verlag 8. Mai GmbH
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    Jeden Monat muss die Verlag 8. Mai GmbH, in der unsere Tageszeitung junge Welt erscheint, 450.000 Euro erwirtschaften, damit sie kostendeckend arbeiten und das Erscheinen der Zeitung absichern kann. Keine leichte Aufgabe, aber das ist die Herausgabe einer marxistischen Tageszeitung in diesem Lande ohnehin nicht.

    Der Verlag gehört zu 96,6 Prozent der Genossenschaft LPG junge Welt eG, und die lädt diesen Sonnabend zur regulären Vollversammlung ein, unter anderem um die Jahresbilanz der Genossenschaft zu beschließen. Vorgestellt wird aber auch die des Verlages, und die sieht gut aus: Das Geschäftsjahr 2019 konnte mit einem kleinen Überschuss abgeschlossen werden. Allerdings wird das Umfeld, in dem wir agieren, nicht einfacher. Die Kosten steigen ständig. So sieht unser Tarifvertrag vor, dass die vergleichsweise bescheidenen Gehälter der Kolleginnen und Kollegen von Verlag und Redaktion auch in diesem Jahr wieder zum 1. Juli angehoben werden. Und auch für unsere freien Autoren ist nach mehreren Jahren endlich mal wieder eine Zeilengelderhöhung fällig. Besonders dramatisch ist jedoch die Entwicklung der Zustellkosten – allein bei der Deutschen Post entstanden im Jahr 2019 Mehrkosten in Höhe von rund 100.000 Euro. Dass wir trotzdem das Jahr mit einem Überschuss abschließen konnten, liegt auch an der positiven Entwicklung im Bereich der verkauften Auflage, an der guten Arbeit der Kolleginnen und Kollegen und natürlich an der Unterstützung unserer Leserinnen und Leser.

    Aber wir können die Kos­tenexplosionen nicht allein über die Zuwächse der verkauften Exemplare ausgleichen. Während andere Verlage die Preise jährlich oder gar halbjährlich stark erhöhen, wissen wir, dass wir hier sehr vorsichtig vorgehen müssen. Wenn Preiserhöhungen unumgänglich sind, sollen sie so niedrig wie möglich ausfallen. Schließlich muss man sich das Lesen der Tageszeitung junge Welt noch leisten können. Unsere Preispolitik führte dazu, dass sich die junge Welt von der einst teuersten überregionalen Tageszeitung in den neunziger Jahren zur mittlerweile mit Abstand preiswertesten entwickelt hat.

    Derzeit bereiten wir eine Preis­erhöhung vor, die voraussichtlich ab dem 1. September wirksam werden wird. Zum 1. Juli soll die Mehrwertsteuer für Tageszeitungen für sechs Monate von sieben auf fünf Prozent sinken. Noch liegt kein Gesetz mit Ausführungsbestimmungen vor. Die kurzfristige Umstellung stellt viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen und zusätzliche Kosten für technische Umrüstungen. Wir verzichten auf eine Preisanpassung ab dem 1. Juli, aber wegen der Einsparungen im Mehrwertsteuerbereich können wir die Preiserhöhung im September etwas niedriger ansetzen.

    Sobald die Kalkulationen abgeschlossen sind, werden wir frühzeitig über die neuen Preise informieren. Auch hier agiert unser Verlag anders als andere Medienhäuser, die Preiserhöhungen in der Regel mit einem Vorlauf von nur wenigen Tagen verkünden.

    Leitung Verlag 8. Mai GmbH

  • LPG20181215_0004.jpg
    Impression von der jW-Genossenschafterversammlung

    Die Generalversammlung der LPG junge Welt eG am kommenden Samstag findet unter besonderen Bedingungen statt. So kann nur teilnehmen, wer sich bis Freitag, den 19. Juni 2020, angemeldet hat. Rund 80 Genossinnen und Genossen haben dies getan – und damit ist klar, dass die Veranstaltung nicht, wie gewohnt, in der Berliner jW-Ladengalerie stattfindet. Da passen in normalen Zeiten zwar mehr hinein, aber nicht unter den strengen Coronaauflagen. Deshalb zieht die Versammlung ins Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz um, das gerade mal fünf Minuten Fußweg von der jW-Ladengalerie entfernt zu finden ist.

    Aber auch dort sind strenge Auflagen zu berücksichtigen. Schon der Einlass wird komplizierter sein als üblich. Zunächst muss festgestellt werden, ob der Besucher tatsächlich Mitglied der Genossenschaft ist und sich fristgerecht angemeldet hat. Dann müssen Name und Adresse gesondert erfasst werden. Die angemeldeten Teilnehmer werden deshalb gebeten, sich bereits ab 12 Uhr am Veranstaltungsort einzufinden, damit die Versammlung pünktlich um 13 Uhr starten kann. In das Kino hinein kann, wer Nase und Mund bedeckt. Dieser Schutz darf nur am Sitzplatz abgenommen werden. Weil lediglich ein Bruchteil der vorhandenen Kinosessel genutzt werden darf, ist die Kapazität des Kinos mit der Zahl der Angemeldeten bereits erschöpft. Eine Teilnahme ohne Voranmeldung ist leider nicht ­möglich.

    Die Tagesordnung ist vor allem durch diverse Pflichtaufgaben bestimmt, die die Versammlung zu leisten hat. Es geht darum, die Bilanz und ein Aktionsprogramm der Genossenschaft zu beschließen. Informiert wird auch über die Entwicklung der Verlag 8. Mai GmbH, die zu 95,6 Prozent der Genossenschaft gehört. Zudem steht turnusgemäß die Neuwahl des Aufsichtsrates der Genossenschaft an. Darüber hinausgehende Themen und Anfragen werden unter dem Punkt »Sonstiges« behandelt. Die Tageszeitung junge Welt wird am Montag, den 29. Juni, ausführlich über die Veranstaltung berichten.

    Vorstand LPG junge Welt eG

    Die Tagesordnung der Vollversammlung der LPG junge Welt eG finden Sie hier.

  • 1.000 gute Gründe

    Helfen Sie mit bei der Kioskaktion: Empfehlen Sie uns weiter

    Endlich läuft die große Kioskaktion! Wir mussten sie coronabedingt verschieben. Nun ist die junge Welt an deutlich mehr Verkaufsstellen erhältlich. Damit das möglichst viele Leute wissen und sich ein Exemplar besorgen, machen wir jede Menge Werbung. In Schwerpunktstädten haben wir zusätzlich Plakate, Radiospots und Flächen in öffentlichen Verkehrsmitteln gebucht. Allerdings: Unsere Finanzen und andere Möglichkeiten sind begrenzt. Nicht überall können oder dürfen wir werben. Hier helfen, wie so oft, unsere aktiven Leserinnen und Leser. Ihnen bieten wir mit dem Aktionspaket Plakate und Aufkleber, so dass die Werbung auch in Kassel, Hannover, Torgau und anderen Orten gesehen werden kann. Melden Sie sich bei uns, dann schicken wir Ihnen auch ein solches Paket zu.

    Erhältlich ist ebenfalls ein Hinterglasaufkleber, mit dem der Pressehändler an der Ladentür auf die junge Welt hinweisen kann. Fragen Sie einfach bei Ihrem Kiosk nach, ob ein solcher Aufkleber gewünscht ist, und wenn ja, melden Sie sich bei uns.

    Natürlich gibt es zahlreiche gute Gründe, die junge Welt Tag für Tag zu lesen. Ab heute kommt ein weiteres Argument dazu: die Serie vom renommierten Finanzjournalisten Lucas Zeise, deren erster Beitrag auf Seite fünf zu lesen ist. In zehn Teilen vermittelt er einen Überblick zur Entstehung des Geldes vom Tauschwert einer Kaurimuschel bis zum Handel mit Kryptowährungen. Das ist eine gute Gelegenheit, die junge Welt, die Serie und den Kauf am Kiosk Ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen zu empfehlen. Alle belieferten Verkaufsstellen finden Sie unter ­jungewelt.de/kiosk.

    Kommunikation & Aktion

    Kontakt zum Aktionsbüro: aktionsbuero@jungewelt.de, Telefon: 0 30/53 63 55-10

  • Neues Aktionsmaterial: »Schon getestet?«

    Aktion & Kommunikation

    Endlich ist es soweit – seit Kurzem läuft die diesjährige jW-Kioskaktion: in ausgewählten Städten in Deutschland, der Schweiz und Österreich hängen unsere Plakate, die ersten Radiospots sind geschaltet, Anzeigen in verschiedenen Zeitungen und Magazinen und auch auf U-Bahn-Bildschirmen verbreiten die klare und deutliche Message: Kauf am Kiosk!

    Nun kommt es auch auf Eure Mithilfe an, denn schließlich können wir nicht überall präsent sein. Um unsere junge Welt im Einzelhandel zu stärken, kann jeder etwas beitragen:

    Mit Plakaten könnt Ihr in Eurer Nähe auf die Aktion aufmerksam machen. Es gibt solche mit und ohne kleinem Freifeld, auf dem ihr die nächstgelegene Verkaufsstelle selber eintragen könnt, damit Interessierte und Passanten gleich sehen, in welchem Geschäft in der Nähe es die junge Welt gibt. Bitte darauf achten, keine kommerziellen Flächen zu nutzen. Bestellt ein Aktionspaket, um mit der Grundausstattung versorgt zu sein.

    Auch wenn Ihr noch ein kooperierenden Kiosk habt, der Werbemittel der jungen Welt anbringen möchte, meldet Euch bei uns unter aktionsbuero@jungewelt.de!

    Streut die Kioskempfehlung außerdem im Bekanntenkreis und über Eure »sozialen« Kanäle und digitalen Kontakte! Schließlich ist der Kauf am Kiosk für viele die direkteste und unverbindlichste Art, konsequent linken Journalismus kennenzulernen. Materialien findet Ihr im Download-Bereich. Oder teilt den aktuellen Aktionsspot.

    Eine Übersicht über alle belieferten Verkaufsstellen findet Ihr unter www.jungewelt.de/kiosk.

  • Schätze finden im Einzelhandel

    Die junge Welt hat einen hohen Gebrauchswert. Davon kann man sich überall am Kiosk überzeugen
    Gebrauchswert über den Erscheinungstag hinaus: jW-Titel vom Sonn
    Gebrauchswert über den Erscheinungstag hinaus: jW-Titel vom Sonnabend, 4. April 2009, und Mittwoch, 27. Mai 2020

    Den hohen Gebrauchswert der Tageszeitung junge Welt wissen vor allem jene zu schätzen, die diese Zeitung regelmäßig am Kiosk kaufen oder sie abonniert haben. Um noch viel mehr Menschen davon zu überzeugen, starten wir gerade eine Aktion, mit der wir den täglichen jW-Einzelverkauf – entgegen allen Trends – steigern wollen. Denn wer über die destruktive Entwicklung des Kapitalismus und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für viele Menschen täglich informiert sein und wissen will, wie sich Gewerkschaften und andere linke Organisationen dagegen wehren, findet dazu fast jeden Tag etwas in der jungen Welt. Dabei behaupten Redaktion und Verlag dieser Zeitung keineswegs, neutral zu sein. Praktisch heißt das, dass die junge Welt nicht einfach nur über Kriege und deren Vorbereitungen schreibt, sondern dass sie dies von einem klar antimilitaristischen Standpunkt aus tut. Sie berichtet über Streiks und Aktionen aus der Perspektive der Kämpfenden. Auch in der Auslandsberichterstattung stehen nicht die Interessen der deutschen Industrie, sondern die der dort arbeitenden Menschen im Mittelpunkt. Solche Informationen, Analysen, Berichte und Kommentare können auch deshalb nicht nur für die Erweiterung des eigenen Horizonts genutzt werden, sondern helfen zugleich bei Diskussionen im Betrieb, in Schule und Studium, beim Gespräch mit Freunden und Kollegen.

    Der Gebrauchswert der jungen Welt geht aber weit darüber hinaus. Titelseiten werden nicht selten von Demonstranten als Plakatvorlagen genutzt. So setzt die Bewegung gegen die Münchener Sicherheitskonferenz, aber auch die Friedensbewegung in Belgien und viele andere, die jW-Titelseite vom 4. April 2009 mittlerweile als Logo und Gestaltungsmittel ein (siehe Abbildung). Unsere Titelseite vom 27. Mai 2020 gegen den brutalen Umgang des Handelsriesen »Galeria Karstadt-Kaufhof« mit seinen Beschäftigten gefiel Verdi-Gewerkschaftern und Betriebsräten im Raum Stuttgart so gut, dass Motiv und Zeitung für Protestaktionen genutzt wurden (siehe Abbildung). Und aus unserer Grafik gegen die unmenschliche Blockadepolitik der USA gegenüber Kuba ist die Unblock-Cuba-Bewegung entstanden, die auch in diesem Jahr im Spätherbst in mehreren europäischen Hauptstädten gegen den brutalen Wirtschaftskrieg protestieren wird.

    Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, dass die junge Welt vor allem ein journalistisches Produkt ist, das für möglichst viele Leserinnen und Leser gemacht wird. Und die entdecken nicht selten die erste Ausgabe dieser Zeitung im Einzelhandel – weshalb wir in den nächsten Wochen verstärkt darauf hinweisen werden, welche Schätze dort zu finden sind.

    Verlag, Redaktion und Genossenschaft

  • An diesem Wochenende startet junge Welt die Kioskaktion, um den Kauf der Zeitung im Pressehandel zu bewerben. Mit dem zentralen Werbespruch »Schon getestet? Die linke überregionale Tageszeitung« und der Handlungsaufforderung »Kauf am Kiosk« wenden wir uns an neue Leserinnen und Leser. Gerade in der Coronakrise sind viele Menschen auf die junge Welt aufmerksam geworden. Tausende haben sie probegelesen. Jetzt soll mit der Kioskaktion der Kontakt gefestigt werden.

    Findet man in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Leipzig viele Presseverkaufsstellen, die die junge Welt im Angebot haben, ist es anderswo deutlich schwieriger.

    Um die nächstgelegene Verkaufsstelle zu finden, reicht ein Blick in unseren Kioskfinder unter www.jungewelt.de/kiosk. Einfach die eigene Anschrift oder den aktuellen Standort eintragen, und alle belieferten Verkaufsstellen in der Nähe werden angezeigt. Egal ob Zeitungskiosk, Supermarkt, Bäckerei oder Bahnhofsbuchhandel. Das Angebot von »mykiosk« wird täglich mit den Lieferdaten des Pressegroßhandels aktualisiert. Der Kioskfinder lohnt sich auch, um Freunde und Bekannte auf eine Verkaufsstelle hinzuweisen, wenn man ihnen den Kauf der Zeitung im Pressehandel empfiehlt.

    Sollte keine Verkaufsstelle in der Nähe die junge Welt im Angebot haben, fragen Sie einfach Ihren Pressehändler. Innerhalb weniger Tage kann die Belieferung starten. Oder Sie nutzen das Formular unterhalb des Kioskfinders und teilen uns die Verkaufsstelle mit. Dann leiten wir die Anfrage über unseren Vertriebspartner weiter, und die Belieferung wird eingeleitet.

    Allerdings ist es wichtig, dass die Zeitung dann auch regelmäßig verkauft wird, weil der regionale Pressegroßhändler ansonsten die Lieferung wieder einstellt. Selbstverständlich können Sie uns auch Verkaufsstellen mitteilen, von denen Sie denken, dass hier die junge Welt zum Kauf angeboten werden sollte.

    Auch wenn wir Geld in die Hand nehmen, um für den Kauf der Zeitung zu werben, können wir nicht überall plakatieren oder Radiospots schalten. Hier kommen unsere Leserinnen und Leser ins Spiel. Die Kollegen aus dem Aktionsbüro bieten Unterstützern Aktionspakete an (www.jungewelt.de/aktionspaket). Die Plakate und Aufkleber können zum Beispiel in linken Kneipen, Jugendzentren, sozialen Treffpunkten aufgehängt und ausgelegt werden. Oder Sie teilen unseren Werbespot und Aktionsmotive über Ihre Social-Media-Kanäle. Schauen Sie auf unserer Facebook-Seite, auf Twitter oder Instagram bei uns vorbei.

    Gemeinsam werden wir es schaffen, viele neue Leserinnen und Leser für diese einzigartige und wichtige linke überregionale Tageszeitung zu gewinnen.

    Aboservice/Vertrieb

  • »Kauf am Kiosk!«

    Kommenden Sonnabend startet junge Welt eine Kioskaktion, um neue Leserinnen und Leser zu gewinnen
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    Bundesweit im Einzelhandel: jW

    Aufmerksame Leserinnen und Leser dieser Zeitung wissen: Verlag, Redaktion und Genossenschaft der Tageszeitung junge Welt setzen auf die gedruckte Ausgabe! Zwar spricht auch vieles für die Onlineversion dieser Zeitung, die aber kann die junge Welt auf Papier nicht ersetzen (was natürlich auch umgekehrt gilt). Im ständigen Kampf um neue Leserinnen und Leser stellten wir gerade in den letzten Wochen fest, dass dies auch Menschen so sehen, die eigentlich vor allem online unterwegs sind. Die junge Welt neben den Frühstücksbrötchen oder abends zum Schoppen Wein – das ist ein gänzlich anderes Lesevergnügen als die Onlineflitzerei. Neben dem Genuss gibt es andere Vorteile. So bleibt beim »Studieren« der gedruckten jungen Welt viel mehr im Kopf hängen, sind die klare Struktur und Hierarchisierung der 16 bzw. 24 Seiten jeder Ausgabe sehr hilfreich, um ein individuell effektives Nutzungsverhalten zu entwickeln.

    Auch im Bemühen um höhere Reichweiten dieser Zeitung helfen nicht ausschließlich die digitalen Möglichkeiten: Nur eine gedruckte junge Welt kann an jedem Kiosk der Republik präsentiert werden. Dank unseres zweiten Druckstandorts erreichen wir damit auch unsere Leser etwa in Wien, Basel oder Zürich rechtzeitig. Viele Menschen entdecken die junge Welt über den Einzelhandel. Und immer wieder gelingt es uns, einige davon für ein Abonnement zu gewinnen. Da dem Einzelhandel so regelmäßig Kunden verlorengehen, planen wir jährlich mindestens eine Kioskaktion, um neue Leserinnen und Leser auf unser Angebot aufmerksam zu machen.

    Dabei setzen wir auf viele klassische Möglichkeiten: Von Radiospots und Plakaten über Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften bis hin zu Werbemitteln in Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln, um nur einige zu nennen. Aber auch hier kommen wir nicht ohne die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser aus: Bitte empfehlen Sie Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen den Kauf der jungen Welt am Kiosk! Über den Kioskfinder auf der jW-Internetseite werden Sie über die Verkaufsstellen der jungen Welt auch in Ihrer Region informiert. Bitte teilen Sie uns, falls bei einer wichtigen Einzelverkaufsstelle die jW nicht im Angebot ist, deren genaue Adresse mit. Wir organisieren dann die Belieferung. Wenn Sie dann noch ein bisschen helfen, dass die junge Welt dort auch Käufer findet, wird unsere Zeitung bei Ihrem Einzelhändler nach einigen Wochen nicht wieder »ausgesteuert«.

    Wer uns in dieser Frage etwas mehr unterstützen will, wird jW-Kiosk-Pate! Dann sprechen Sie mit dem Einzelhändler, wie die jW besser präsentiert und wie Werbemittel im Geschäft und im Umfeld eingesetzt werden können. Die Kioskaktion startet am kommenden Sonnabend, der Schwerpunkt liegt auf den dann folgenden drei Wochen. Wir begleiten die Aktion mit einer in diesem Zeitraum veröffentlichten zehnteiligen Serie zum Thema »Geld«, die unser Autor Lucas Zeise (ehemaliger Redakteur der Financial Times Deutschland) für uns verfasst hat. Ein weiterer guter Grund, sich demnächst die junge Welt öfter am Kiosk zu kaufen!

    Verlag, Redaktion und Genossenschaft

    Zum Kioskfinder: www.jungewelt.de/kiosk

  • Garant für Unabhängigkeit

    Genossenschaft lädt zur Vollversammlung und sucht neue Mitglieder
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    Auch wenn der Einzelverkauf strategisch sehr wichtig ist: Die Tagesarbeit der jungen Welt wird vor allem durch Print- und Onlineabos finanziert! Damit wir auch in Krisenzeiten oder trotz anderer ökonomischer Engpässe handlungsfähig bleiben, brauchen wir zudem eine starke Genossenschaft. Deren Mitglieder kommen aus dem Kreis der Mitarbeitenden von Verlag und Redaktion und der Leserinnen und Leser von junge Welt und Melodie & Rhythmus. Am 7. Oktober 1995, vor fast genau 25 Jahren, haben wir die LPG junge Welt eG genau deshalb gegründet. Sie war und ist eine der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass unsere Arbeit in Verlag und Redaktion unabhängig von direkter Einflussnahme gestaltet werden kann. Das ist auch dadurch gesichert, dass kein Mitglied mehr als 50 Anteile zeichnen darf und jedes auf der Genossenschaftsversammlung anwesende Mitglied nur eine Stimme hat, egal wie viele Anteile er oder sie gezeichnet hat. Hinzu kommt, dass die Versammlung der Mitarbeitenden (das sind alle Genossenschaftsmitglieder, die im Verlag 8. Mai GmbH eine Festanstellung haben) eine Reihe von Sonderrechten genießt. Wer mehr über die Konstruktion der Genossenschaft LPG junge Welt eG erfahren will und einiges über die jW-Geschichte, kann unsere Broschüre anfordern, die wir gerne kostenlos zusenden.

    Mindestens einmal im Jahr trifft sich die Vollversammlung der Genossenschaft in Berlin, vor allem um Belange der Genossenschaft zu besprechen. Auch in diesem Jahr findet die Versammlung am letzten Samstag im Juni, also am 27. Juni, von 13 bis circa 16 Uhr statt. In diesem Jahr müssen wegen der Coronapandemie einige Besonderheiten berücksichtigt werden: 1. Wir bitten alle Genossinnen und Genossen, die an der Versammlung teilnehmen wollen, sich bis spätestens Freitag, den 19. Juni, per E-Mail ausschließlich unter der Adresse bj@jungewelt.de anzumelden. 2. Der Veranstaltungsort wird voraussichtlich erst kurzfristig bekanntgegeben, weil wir erst nach Ablauf der Anmeldefrist übersehen können, wie viele Teilnehmende erwartet werden. 3. Die Versammlung wird sich auf das Wesentliche konzentrieren. Damit die Versammlung pünktlich um 13 Uhr starten kann, bitten wir darum, sich bereits ab 12.30 Uhr am Veranstaltungsort einzufinden, um den Einlass organisieren zu können. 4. Es handelt sich um eine geschlossene Veranstaltung, Gäste (also Nichtmitglieder der Genossenschaft) werden nur in begründeten Ausnahmefällen zugelassen. 5. Wegen der notwendigen Beschränkungen wird der Vorstand der Versammlung vorschlagen, im zweiten Halbjahr 2020 eine weitere Versammlung durchzuführen, in deren Anschluss auch das 25jährige Bestehen der Genossenschaft gefeiert werden kann.

    Bis zum 25. Jahrestag der Gründung im Oktober wollen wir, dass unsere Genossenschaft 2.500 Mitglieder stark ist! Mitglied kann jeder werden, der mindestens einen Anteil zeichnet. Ein Anteil kostet 500 Euro und kann auch gerne in Raten bezahlt werden. Der Aufnahmeantrag (siehe Coupon) wird dem Vorstand der Genossenschaft vorgelegt, der über den Antrag entscheidet. Wir freuen uns über jeden Zuwachs!

    Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft LPG junge Welt eG

    Alle Infos zur Genossenschaft LPG junge Welt eG inklusive Aufnahmeantrag und Broschüre online unter www.jungewelt.de/genossenschaft

  • Noch ’ne Querfront

    Replik auf den Beitrag »Querfront« von Nick Brauns
    Dietmar Koschmieder

    Das »Gespenst der Querfront« geistert nicht nur durch bürgerlich-liberale Blätter, wie unser Kollege Nick Brauns schreibt, sondern auch durch die Tageszeitung junge Welt und andere linke Publikationen. Während die Bürgerlichen darunter eine organisierte gemeinsame Front von ganz rechts und ganz links verstehen, die es womöglich theoretisch, aber nicht praktisch gibt, heißt es im Beitrag, es gebe »derweil auch einen aufgeklärten, mithin marxistischen Begriff von Querfront«, um dann einige interessante, zum Teil aber auch fragwürdige Bezüge zur Weimarer Republik herzustellen. Vor allem der Formulierung Brauns, »eine wirkliche Basis auch unter Teilen der Arbeiterklasse« habe die Nazipartei erst nach ihrer Inmachtsetzung bekommen, entspricht nicht den Tatsachen: Faschistischen Kräften ist es schon zuvor gelungen, Teile der Arbeiterklasse mit ihrer sozialen Demagogie zu verunsichern und für ihre Zwecke zu gewinnen. Das war eine der Voraussetzungen dafür, dass ihnen 1933 von interessierter Seite Macht übertragen wurde. Und das ist auch einer der Gründe dafür, weshalb wir gerade heute wachsam sein müssen.

    Für die aktuelle Diskussion sind die Erfahrungen aus der Weimarer Zeit aber nur bedingt nutzbar, weil sich in vielen Punkten die konkreten Umstände und Kräfteverhältnisse heute anders darstellen. Schon deshalb, weil es damals die Sowjetunion, aber auch eine starke kommunistische Partei in Deutschland gab. Soziale Demagogie (zum Beispiel die bewusste Vereinnahmung linker Begriffe durch Rechte) und andere Überlegungen, wie Linke ins rechte Lager gezogen werden könnten, gab es dennoch zu jeder Zeit, ohne in Deutschland nach 1945 tatsächlich Relevanz zu erlangen. Seit 1990 ist es rechten Ideologen aber immer mehr gelungen, den gesellschaftlichen Diskurs nach rechts zu verschieben. Zum einen werden sozialistische Alternativen immer aggressiver diskreditiert, zum anderen nutzen faschistische Kräfte wachsende Klassenwidersprüche und die damit einhergehende Delegitimierung bürgerlicher Machtstrukturen, um immer frecher als »Alternative für Deutschland« aufzutreten. Ihre neue Querfrontformel heißt ganz einfach: Rechts, links, das gibt es heute nicht mehr. Das sei Gesäßgeographie aus dem vorletzten Jahrhundert. Für gemeinsame Interessen müsse »das Volk« gemeinsam ein- und auftreten.

    Diesen Ansatz vertraten auch wichtige Protagonisten der 2014 aufkeimenden Montagsmahnwachen, mit denen zahlreiche Teilnehmer etwas gegen Kriege tun wollten. Viele von ihnen interessierte es aber nicht sonderlich, dass sie sich mit Kameradschaften und anderen Faschisten einließen, andere glaubten, rechte Wortführer in der Bewegung in den Griff zu bekommen. Eine »Querfrontstrategie« für diese politische Erscheinung wollten sie nicht erkennen. Obwohl mit der immer wieder propagierten Formel »Es gibt kein rechts oder links, es gibt nur noch vorne« die marxistische Klassenbeschreibung aufgehoben und eine Gemeinschaft ohne rechts und links (und damit auch ohne Klassen) konstruiert werden soll. Der nächste Schritt zur »nationalen Volksgemeinschaft« ist dann nur noch ein recht kleiner. Auch viele Wortführer der aktuellen Hygienedemobewegung gehen mit dieser Formel immer wieder auf Rattenfang. Erreicht wird damit, dass sich die Arbeitenden noch weniger als Klasse verstehen und nicht mehr erkennen, dass ihre Interessen nicht die der Herrschenden sind. Letzte Bestände von Klassenbewusstsein werden zerstört.

    Wenn bürgerliche Medien von Querfront sprechen, konstruieren sie meistens eine Einheitsfront von Faschisten und Kommunisten, also von ganz links und ganz rechts, die sowieso im Kern gleich seien. Auch dieses Konstrukt soll davon ablenken, dass es Klassen und Klasseninteressen gibt. Und davon, dass Faschisten immer das Geschäft einer bestimmten Kapitalfraktion besorgt haben, sich Linke und Rechte im Klassenkampf deshalb auch immer gegenüberstanden.

    Wer heute noch die Rechnung »rechts gleich links« aufmacht oder wer behauptet, es gebe beides gar nicht mehr, verfolgt mit unterschiedlichen Ansätzen dieselbe reaktionäre Absicht: Er will verhindern, dass sich arbeitende Menschen von einer Klasse an sich zu einer Klasse für sich entwickeln. Marxisten haben diese Strategien offenzulegen und ihre Propagandisten auch namentlich zu benennen. Das wäre ein aufgeklärtes, mithin marxistisches Herangehen im Zusammenhang mit dem Begriff Querfront.

    Das »Rotlicht: Querfront« von Nick Brauns erschien am 20. Mai 2020. Im Internet: kurzelinks.de/Rotlicht-Querfront

  • Unsere aktuelle Onlineabokampagne geht langsam zu Ende – wer noch zum Erfolg beitragen will, darf gerne auch jetzt noch ein junge Welt-Onlineabo abschließen. Schon ab 12,80 Euro im Monat erhalten Sie ab 20 Uhr Zugriff auf alle jW-Artikel des Folgetages. Zudem stehen Ihnen alle Optionen aus unserem Archiv zur Verfügung, um nur einige Vorteile zu nennen. Und jW-Printabonnenten bekommen ein Onlineabo sogar schon für 5,80 Euro! Bestellen kann man mit dem nebenstehenden Coupon oder noch einfacher über www.jungewelt.de/abo.

    Ab Mitte Juni startet unsere Kioskkampagne, mit der wir den Verkauf der jungen Welt im Einzelhandel ankurbeln wollen. Hier suchen wir noch Leserinnen und Leser unserer Zeitung, die uns als Kioskpate unterstützen: Einfach eine oder zwei Einzelverkaufsstellen in Ihrer Umgebung aussuchen und mit dem Kioskbetreiber darüber sprechen, wie man die junge Welt optimal präsentieren kann und welche Werbemöglichkeiten im Laden, aber auch in dessen Umfeld genutzt werden können. Material dafür stellt unser Aktionsbüro kostenlos zur Verfügung.

    Aktionsbüro

  • Unterstützer gesucht!

    Aufruf zur Mithilfe bei der jW-Kioskaktion
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    So kann es beim Kioskhändler klappen: Mit entschlossenem Blick die jW vorstellen

    Viele Leserinnen und Leser haben die junge Welt das erste Mal am Kiosk entdeckt. Am 13. Juni startet die bundesweite Kioskaktion, mit der wir den Kauf im Pressehandel bewerben. Dazu schalten wir Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften sowie im Internet. In einigen Städten sind Plakatflächen und Radiospots gebucht sowie Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Aktion läuft unter dem Motto »Schon getestet? Die linke überregionale Tageszeitung« und ist mit der klaren Handlungsaufforderung »Kauf am Kiosk!« verbunden.

    Solche Werbeaktionen kosten viel Geld, sind aber notwendig, um neue Leserinnen und Leser zu gewinnen und die Bekanntheit unseres journalistischen Angebots zu steigern. Da unsere finanziellen Ressourcen beschränkt sind, können wir nicht überall Plakatwerbung und Radiospots buchen. Wir müssen uns auf für jW wichtige Städte konzentrieren. Und hier kommen unserer Leserinnen und Leser ins Spiel, auf deren Unterstützung wir setzen. Ihnen stellen wir Aktionspakete mit Plakaten und Aufklebern zur Verfügung, die über das Aktionsbüro bestellt werden können.

    Darüber hinaus möchten wir den Vorschlag eines Lesers aufgreifen: Wir suchen einige Handvoll »Kioskpaten«. Das Ziel ist es, im Umfeld dieser Verkaufsstellen Werbung zu machen – also zum Beispiel Plakate aufzuhängen, die auf den Kiosk hinweisen – und somit Interessierte anzuziehen. Im Gespräch mit dem Pressehändler kann die Präsentation der Zeitung im Kiosk selbst während der Werbeaktion verbessert werden. Ihm können Gestaltungsmaterialien wie Plakate und kleine Thekenaufsteller überreicht werden.

    Last but not least bitten wir alle Leserinitiativen, sich an der Aktion zu beteiligen und zwei oder drei Kioske zu betreuen. Zum Besprechen der Aktionen vor Ort können sich alle Leserinnen und Leser sowie interessierte Unterstützerinnen und Unterstützer im Aktionsbüro melden.

    Aktionsbüro

    Das Aktionsbüro ist telefonisch unter 030/53 63 55 10 oder per E-Mail an aktionsbuero@jungewelt.de zu erreichen.

  • Mach dein Abo …

    … nach dem Test der Printausgabe der jungen Welt
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    Solches Wissen braucht man heute. Die junge Welt liefert es täglich, gedruckt oder im Netz

    Unsere Aktion »Teste die beste – linke überregionale Tageszeitung« für ein dreiwöchiges Probeabo war ein schöner Erfolg. Die Freude darüber, dass die meisten derjenigen, die das Angebot angenommen haben, neue Leserinnen und Leser waren oder noch sind, ist groß. Für viele stellt sich nun die Frage: Abo, ja oder nein? Und wenn ja, dann das Printabo – oder doch vielleicht eher das Onlineabo?

    Mit dem Abo fürs Internet ist die aktuelle Ausgabe der jungen Welt schon am Vortag um 19.30 Uhr komplett zu lesen. Man kann unter dem Menüpunkt »Recherche« in die jW-Bibliothek gehen und die Dossiers durchstöbern. In ihnen sind viele Artikel zu einem Thema zusammengefasst. Zum Beispiel: Was stand in der jungen Welt zu Brasilien? Einmal angeklickt, und schon sind dazu alle Artikel von 2002 bis 2020 aufgelistet und einsehbar. Zusätzlich gibt es noch das Archiv mit Beiträgen aus nun 23 Jahren. Da kann man etwa nachlesen, wie am 9. September 2008 die US-Hypothekenbank Fannie Mae pleite ging, wodurch eine Wirtschaftskrise lawinenartig ins Rollen gebracht wurde, die uns heute noch betrifft.

    Aber online hat auch Nachteile: Die Forschungsinitiative E-Read (Evolution of Reading in the Age von Digitisation) hat festgestellt: Print ist besser, wenn es um das Erschließen von Information geht. Papier fördert ein tieferes Verständnis, lange Texte bleiben besser im Gedächtnis, und man ist weniger anfällig für Fake News. Die Printausgabe hat eine Auswahl tagespolitisch relevanter Themen auf täglich 16 Seiten zusammengefasst – am Wochenende gibt’s acht Seiten Zuschlag. Das verschafft Überblick. Wer die jW morgens im Bus liest, macht noch Werbung für sie – auch nicht schlecht. Unsere Antwort ist klar: Das Kombiabo bringt’s! Wer ein Printvollabo abschließt, der bekommt für 5,80 Euro das Onlineabo dazu. So können die Vorteile beider Ausgabeformen genutzt werden.

    Schön wäre es, wenn alle Probe­leserinnen und -leser so denken würden. Aber das Einfache ist es ja, das so schwer zu machen ist. Warum ist es heute wichtig, junge Welt zu lesen? Um die Frage positiv zu beantworten, strengt sich die jW-Belegschaft sehr an, gerade in diesen Zeiten unseren Kurs marxistisch auszuloten und zu halten. Wenn Rechte mit dem Grundgesetz in der Hand auf die Straße gehen, dann wissen wir: Das ist ein Vorwand, den Empörungsstrom in ihre Richtung zu lenken. Sie werden es bei passender Gelegenheit verbrennen. Wenn Menschen sich unbedacht bei ihnen einreihen, dann warnen wir durch Aufklärung. Wenn in der Pandemie deutlich wird, dass Pflegekräfte systemrelevant sind, dann schreibt junge Welt über schlechte Entlohnung, fehlende neue Stellen und privatisierte Krankenhäuser als Ergebnisse eines profitorientierten Gesundheitswesens.

    Solches Wissen– und noch einiges mehr – braucht man heute. Die junge Welt liefert es täglich.

    Verlag und Redaktion

    Jetzt junge Welt abonnieren, gedruckte oder Onlineausgabe: www.jungewelt.de/abo

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    Die Tageszeitung junge Welt gehört der Genossenschaft LPG junge Welt eG. Aufmerksame Leserinnen und Leser finden jeden Tag rechts unten auf der Titelseite der gedruckten Ausgabe die aktuelle Zahl der Mitglieder. Da bewegt sich zur Zeit einiges, gerade knacken wir die 2.300er Marke. Bis zum 7. Oktober, dem 25. Jahrestag der Gründung unserer Genossenschaft, wollen wir das 2.500. Mitglied aufnehmen.

    In der Regel einmal jährlich (und zwar fast immer am letzten Sonnabend im Juni) lädt der Vorstand der Genossenschaft zur Vollversammlung ein. In diesem Jahr ist das wegen der Coronakrise leider etwas komplizierter. Deshalb hat der Vorstand beschlossen, die Versammlung unter Berücksichtigung einiger Besonderheiten durchzuführen: 1. Es wird nicht wie in den letzten Jahren eine Führung durch die Räume geben. 2. Damit die Versammlung pünktlich um 13 Uhr beginnen kann, bitten wir um rechtzeitiges Erscheinen, Einlass ist ab 12.30 Uhr. 3. Auf das klassische Genossenschaftsbuffet wird verzichtet. 4. Damit die Diskussion nicht zu kurz kommt, wird vorgeschlagen, dass die Versammlung die Einberufung einer weiteren Vollversammlung im Oktober 2020 beschließt. 5. Der Vorstand bittet um Voranmeldung bis Freitag, 19. Juni, bitte ausschließlich über bj@jungewelt.de

    Vorstand der LPG junge Welt eG

    Einladung zur Generalversammlung der LPG junge Welt eG, 27. Juni 2020, 13 bis voraussichtlich 16 Uhr

    Vorschlag für die Tagesordnung:

    1. Eröffnung, Begrüßung, Tagungsordnung
    2. Geschäftliche Entwicklung der LPG junge Welt eG, Jahresabschluss 2019, Tätigkeitsbericht des Vorstands
    3. Bericht des Aufsichtsrats
    4. Bericht der Geschäftsführung zur Lage der Verlag 8. Mai GmbH
    5. Diskussion
    6. Beschlussfassung über
    – Feststellung Jahresabschluss 2019 der LPG junge Welt eG
    – Verwendung Jahresergebnis
    – Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat
    7. Wahl des Aufsichtsrats
    8. Sonstiges (u. a. Durchführung einer Vollversammlung im Oktober 2020)

    Die Generalversammlung findet unter Beachtung des Infektionsschutzgesetzes und der Vorgaben des Berliner Senats für Versammlungen statt. Um mit der Raumgröße entsprechend reagieren zu können, bitten wir bis spätestens Freitag, 19. Juni, um Voranmeldung unter bj@jungewelt.de. Außerdem wollen wir Redezeit und Diskussion beschränken.

    Mit genossenschaftlichen Grüßen

    Der Vorstand: Peter Borak, Stefan Huth, Dietmar Koschmieder, Michael Sommer, Simon Zeise

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    Hat Ihr Lieblingskiosk schon die junge Welt?

    Unsere Kioskaktion findet eigentlich immer Anfang Mai statt. Darauf mussten wir in diesem Jahr aus bekannten Gründen verzichten. Aber ab Mitte Juni starten wir durch und wollen nicht nur die jW-Verkäufe entwickeln, sondern auch dem angeschlagenen Einzelhandel neue Kunden zuführen. Die freuen sich darüber: Denn junge Welt-Lesende sind Vielleser, sie nehmen gerne noch ein Buch oder eine andere Zeitung mit. Aber auch für uns ist die Präsenz im Einzelhandel sehr wichtig: Für viele Menschen ist es der Ort, an dem sie erstmals auf die junge Welt stoßen oder aber wieder an die Zeitung erinnert werden, um dann gelegentlich eine Zeitung zu kaufen. Aus regelmäßigen Kiosklesern werden übrigens nicht selten Abonnenten.

    Wir werben mit Plakaten, Radiospots, Anzeigen und im Internet für den Kauf am Kiosk. Aber auch unsere Leserinnen und Leser können zum Erfolg der Aktion beitragen. Reden Sie doch mal mit den Verantwortlichen Ihres Lieblingskiosks, ob sie die junge Welt nicht ins Sortiment aufnehmen wollen. Und falls sie dort schon geführt wird, kann man über die optimale Präsentation und Plazierung sprechen, außerdem stellen wir Aufkleber und Plakate zur Verfügung, mit denen eine Verkaufsstelle ­dekoriert werden kann. Unser Aktionsbüro bietet genau dafür Aktionspakete an.

    Neben solchen Einzelinitiativen regen wir für die Mitte Juni startende Aktion erstmals die Bildung von ein paar Dutzend Spezialteams an: Leserinnen und Leser, die in ihrem Arbeits- oder Lebensumfeld ein bis drei Kioske betreuen und in die kommende Aktion einbeziehen. Neben dem oben erwähnten Gespräch mit dem Kioskbetreiber wird dann auch noch in der Nachbarschaft der jW-Verkaufsstelle gezielt Werbung gemacht. Das sieht je nach Ort sehr unterschiedlich aus: So kann man mit jW-Plakaten darauf hinweisen, wo es in der Nähe die jW zu kaufen gibt. Vielleicht kann man auch im kommunalen Kino oder bei Filmvorführungen im Jugendhaus vor jeder Vorstellung unseren Spot oder ein Dia an die Wand werfen, auf dem nicht nur allgemein für die jW geworben wird, sondern explizit für den jW-Kauf am ausgewählten Kiosk. Ziel ist es, den jW-Einzelverkauf in der Region zu verbessern – und tatsächlich zählt dabei jede einzelne zusätzlich verkaufte Ausgabe! Wer von unseren Leserinnen und Lesern beim Spezialteam mitwirken will, melde sich bitte beim Aktionsbüro. Wir beraten dann gemeinsam darüber, was vor Ort am besten gemacht werden kann.

    Aktionsbüro

    Das Aktionsbüro ist telefonisch unter 030/ 53635510 oder per E-Mail an aktionsbuero@jungewelt.de zu erreichen.

  • Müllhaufen der Geschichte

    Überall inszenieren sich Führer gegen die »Coronadiktatur«
    Dietmar Koschmieder
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    Das Coronavirus soll wahlweise ein »Fake« oder »nicht schlimmer als die Grippe« sein: »Hygienedemonstration« am 25. April in Berlin

    Natürlich sind Einschränkungen im Rahmen der Maßnahmen gegen Corona ärgerlich und lästig. Natürlich sollte man misstrauisch sein, wenn der nach Kapitalinteressen organisierte Staat Grundrechte dramatisch einschränkt. Und tatsächlich verbinden sich im Moment Wirtschaftskrise und Coronakrise zu einer Melange, bei der noch deutlicher wird, dass der Kapitalismus nicht mehr zeitgemäß ist.

    Aber es gibt dieses gefährliche Coronavirus. Gerade weil eines der wichtigsten Grundrechte das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist (Artikel 2 Grundgesetz), sollte dem Schutz der Schwächsten und am meisten Gefährdeten die größte Sorgfalt zukommen, haben alle anderen Rücksicht zu üben. Das bedeutet, dass der bürgerlich-demokratische Staat handeln muss, wenn er wenigstens etwas von seinen Pflichten ernst nimmt und sich nicht völlig dem Kapitaldiktat unterwirft.

    Diverse Kräfte nutzen die vertrackte Situation für ihre Zwecke. Unmut und Angst vieler Bürger (und Kleinbürger) können den Aufbau neuer Bewegungen befördern, ja sogar die Gründung neuer Parteien wird vorbereitet. Organisierte rechte Kreise werben für ihre Idee, dem scheinbar maroden bürgerlich-demokratischen System ihre menschenverachtende, rassistische Variante eines anderen (aber nicht weniger kapitalistischen) Staates überzustülpen. Für alle diese Erscheinungen stehen in den jeweiligen Bürger- und Kapitalfraktionen Geldgeber zur Verfügung. Bis hin zu jenen, die es vorziehen, einen neuen Faschismus zu finanzieren, bevor womöglich sozialistische Alternativen für viele attraktiv werden oder sich gar durchsetzen.

    Während die augenblicklichen Wortführer der Hygienedemos, der Berliner Anselm Lenz und seine Freunde, noch immer jeden Samstag mit dem Grundgesetz wedeln (»Etwas Schlechteres woll’n wa nich«), werden sie eifrig von diversen Bloggern wie etwa Ken Jebsen und ihren Sendekanälen umschmeichelt. Jebsen (KenFM) war schon vor Jahren dem deutschnationalen Jürgen Elsässer bei der Installation seiner Ultrarechtspostille Compact zu Diensten. Ausgerechnet jener Compact-Elsässer wiederum sieht heute die große Stunde für sich nahen und wirbt für seine eigene bundesweite Demo gegen die »Coronadiktatur« und die angeblich von Bill Gates finanzierte WHO – nicht zufällig mit Argumenten, wie sie auch auf allen lokalen Hygienedemos zu hören sind. Wäre ja gelacht, wenn man aus der Angst und Wut vieler nicht ordentlich Kapital schlagen und Honig für die eigenen Ziele saugen könnte – an der notwendigen Penunze scheitern weder Lenz, Jebsen noch Elsässer. Aber auch andere selbsternannte Führer aus rechten Milieus von AfD bis NPD merken landauf, landab, dass hier noch was zu holen ist. Zwar wird in den großen bürgerlichen Medien vor allem über die Demos in Berlin oder Stuttgart berichtet, aber es gibt mittlerweile wohl keine größere Stadt mehr im Lande, in der nicht spezielle Hygienedemos stattfinden. So etwa in Ravensburg, wo der rechte Flügel der AfD den Ton angibt. Oder in Offenburg, wo laut Lokalpresse ein Unternehmer die Führung übernommen hat und am letzten Samstag rechte AfDler nur eine Randerscheinung gewesen seien. Was die anderen 300 Teilnehmenden aber auch nicht davon abgehalten hat, zum Abschluss der Kundgebung das Deutschlandlied zu singen.

    Bürgerliche Medien wenden sich mit Abscheu von diesen Erscheinungen ab – und nutzen sie gleichzeitig für ihre Zwecke. Zum Beispiel, um die Mär zu verbreiten, hier würden sich Links- und Rechtsradikale zusammentun, um die bürgerliche Demokratie zu schädigen. Und immer wieder wird angedeutet, dass die junge Welt etwas mit dieser Bewegung zu tun haben könnte. Am Dienstag dieser Woche lud der ZDF-Moderator Markus Lanz unter anderem den Journalisten Olaf Sundermeyer in seine Gesprächsrunde ein, um dort mit ihm die üblichen Stanzen loszulassen. Zu Beginn der Demos seien, meint Sundermeyer, die Organisatoren Leute aus dem linksintellektuellen Milieu gewesen, »Autoren bei der Taz oder bei der jungen Welt«, wie er – ohne Namen zu nennen – betont, um dann fortzufahren, das seien »Leute, die aber unmittelbar anschlussfähig sind an das Milieu von Verschwörungstheoretikern, Russland-Verstehern, mit ’nem sehr starken antisemitischen Einschlag auch ...«, was dann von Lanz mit dem Einwurf »Ja, die Familie Rothschild und so ...« bestärkt wird. Und natürlich seien diese »Autoren« anschlussfähig auch an den »rechtsextremistischen Flügel der AfD«. Dabei haben weder Russland noch die Rothschilds bei den Demos bisher eine Rolle gespielt. Und wie so oft wird die junge Welt nur dann in den Medien erwähnt, wenn man ihr Schlechtes unterstellen will. Dass die Zusammenarbeit der jW mit dem Wortführer der Hygienies schon lange vor der Coronakrise beendet wurde und dass die junge Welt von Anfang an diese Hygienedemos scharf kritisiert hat, wird weggelassen. Damit es besser in das konstruierte Links-gleich-rechts-Schema passt.

    Seriöser bürgerlicher Journalismus geht anders. Denn auch der müsste der Aufklärung und nicht der Desinformation dienen. Es sind eben nicht nur rechte Organisationen und Unbedarfte, die zur Verwirrung beitragen. Dies soll auch unter Leserinnen und Lesern der jW zu Unsicherheiten führen. junge Welt aber wird nicht locker lassen, darüber aufzuklären, wohin Faschisten, ihre Handlanger, aber auch das kapitalistische System als Ganzes gehören: auf den Müllhaufen der Geschichte!

  • Was wir uns leisten wollen

    Verlag, Redaktion, Genossenschaft
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    Das Interesse an der Tageszeitung junge Welt wächst. So konnten wir in den letzten Wochen mehr Probeabos gewinnen als im ganzen letzten Jahr zusammengenommen. Der Zugriff auf unsere Internetseiten hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Wir erfahren viel Lob und Zuspruch – allerdings kommt es jetzt darauf an, dass möglichst viele von jenen, die uns neu oder wieder entdeckt haben, diese Zeitung auch abonnieren! Unsere materielle und inhaltliche Unabhängigkeit basiert auf der Grundlage, dass all jene, die diese Zeitung nutzen, auch mithelfen, die dabei entstehenden Kosten zu decken. Manche brauchen etwas länger, bis sie diesen Schritt tatsächlich umsetzen, das verstehen wir. Verzichten aber können wir nicht auf diese ganz konkrete Tat. Deshalb möchten wir heute auch Sie bitten, zu prüfen, ob Sie sich nicht ein Print- oder Onlineabo (oder wenn möglich auch beides) leisten können! Damit wir es uns mit 65 Kolleginnen und Kollegen in Verlag und Redaktion auch weiterhin leisten können, Ihnen werktäglich eine gut gemachte, linke Tageszeitung zur Verfügung zu stellen! Nutzen Sie für Ihre Bestellung den nebenstehenden Coupon oder unser Aboformular im Internet (jungewelt.de/abo).

  • Seid wachsam!

    Warum sich Linke niemals auf eine Querfront mit Nazis einlassen sollten
    Dietmar Koschmieder
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    Die braune Pest verjagt: Rotarmist hisst die Sowjetfahne auf dem Reichstag in Berlin (2. Mai 1945)

    Vor 75 Jahren wurde Berlin vom Nazipack befreit. Seither eint linke Kräfte in Deutschland über alle Unterschiede hinweg die Überzeugung: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! In Sachen Krieg hat die Linke hierzulande allerdings schon schwere Niederlagen hinnehmen müssen. Auslandseinsätze der Bundeswehr bis hin zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 wurden ausgerechnet durch jene möglich, die sich früher selbst zur Linken im Land gezählt hatten: den sozialdemokratischen Bundeskanzler (und ehemaligen Stamokap-Juso) Gerhard Schröder und seinen »grünen« Außenminister (und einstigen Streetfighter) Joseph Fischer. Wer sich links versteht, wird ihnen und ihren Parteien diesen Sündenfall niemals verzeihen. Zumal mit ihm der Auftakt einer Entwicklung markiert wurde, mit der Kriege wieder als normale Option deutscher Politik etabliert werden sollen – und an deren Ende wesentlich größere Kriege stehen werden, wenn wir dies nicht verhindern.

    Soviel zum Thema »Nie wieder Krieg!« Und die Forderung »Nie wieder Faschismus«? Auch hier wurde schon vieles in die Wege geleitet, um im Notfall die aggressivste kapitalistische Herrschaftsform als Nachfolgerin für die bestehende, aber schwächelnde bürgerlich-demokratische Variante ins Gespräch zu bringen. Faschisten können sich mittlerweile feinbürgerlich in Nadelstreifen als »Alternative für Deutschland« und auf den Straßen und TV-Kanälen als Oppositionsführer präsentieren, die ganz offen den »Tag X« ihrer Machtübernahme vorbereiten. Durch die Coronakrise wird immer deutlicher, dass der auf Profitmaximierung orientierte Kapitalismus den Anforderungen für eine menschengerechte Gesellschaft niemals entsprechen kann. Die Alternative von rechts besteht nun darin, auf solche Anforderungen einfach zu verzichten. Die von links will mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel die Profitlogik brechen, um damit überhaupt erst die Voraussetzungen für eine menschengerechte Gesellschaft zu schaffen. Aus diesem dramatischen Unterschied heraus ergibt sich aber zwingend, dass Linke dieses Ziel niemals gemeinsam mit Faschisten erkämpfen können!

    Im politischen Tageskampf kann es zuweilen so scheinen, als ob Nazis und Linke ähnliche Teilziele verfolgten. Nicht nur von rechter Seite wird dieser Eindruck gerne benutzt für das Argument, dass man sich mit Begriffen wie rechts oder links nicht spalten lassen dürfe. Noch weiter geht die Behauptung, es gäbe heute gar kein Rechts oder Links mehr, sondern nur noch das gemeinsame Ziel. Aber diese Argumentation ist nichts als Augenwischerei: Wer im politischen Kampf Nazis die Tür öffnet und sie zu Tisch bittet, muss deshalb selbst noch lange kein Rechter sein. Er darf sich aber nicht wundern, wenn Nazis diesen Platz dann tatsächlich einnehmen und ihn für ihre Ziele nutzen, die niemals die unsrigen sein können. Der Ruf der Überlebenden, die vor 75 Jahren aus den Konzentrationslagern befreit wurden, bleibt aktuell wie eh und je: Seid wachsam! Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!