Zum Inhalt der Seite

Verfassungsrichter: Datenschutz bedroht

Frankfurt/Main. Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Winfried Hassemer, sieht den Datenschutz zunehmend gefährdet. Vor allem von der »Datenverarbeitung in privater Hand« gingen derzeit »massive Bedrohungen der informationellen Selbstbestimmung« aus, schreibt Hassemer in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstagausgabe).

Hassemer warnte zugleich davor, »gegenüber dem datenverarbeitenden Staat« sorglos zu sein. »Dazu ist die Obrigkeit auf zu vielen Feldern mit zu vielen Eingriffsinstrumenten noch bedrohlich präsent«, betonte der Vorsitzende des Ersten Senats und frühere hessische Datenschutzbeauftragte. Im Polizeirecht würden die Instrumente »beständig modernisiert und verschärft«, etwa bei Ortungssystemen, Telefonüberwachung, Lauschangriffen, Rasterfahndung, langfristiger polizeilicher Beobachtung, verdeckten Ermittlern und der Beschlagnahme von Dateien. Dies seien »alles Eingriffe in das Recht auf Privatheit, die überdies zumeist noch die verschärfende Eigenart haben, dem jeweils Betroffenen verborgen zu bleiben, so daß er sich nicht auf sie einstellen kann«.
Anzeige

(ddp/jW)
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 06.07.2007, Seite 5, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!