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Frankfurt heute: Probleme mit der Wahrheit

Nichts ist erregender als die Wahrheit, hatte einst der Prager Lokalredakteur Egon Erwin Kisch konstatiert. Daß die Presse im Umgang mit ihr immer mehr Probleme hat, ist der Eindruck der Frankfurter Stadtverordneten Yildiz Köremezli-Erkiner (Die Linke). »Vielleicht weil Journalisten unter dem Aktualitätsdruck immer weniger Zeit haben, in die Tiefe zu gehen, und zu versuchen, ein Thema auch nur selbst zu begreifen«, meint sie. Auch in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung seien Themen wie Migration oder Hartz IV eher wenig beliebt. »Wolkenkratzer, Verkehr und Altstadtsanierung«, so beschreibt sie die immer wiederkehrenden Diskussionspunkte. Männer im Alter von über 50 Jahren präsentierten hauptsächlich sich selbst, um Inhalte gehe es vielfach gar nicht mehr.

Als Neuling, seit eineinhalb Jahren dabei, hat sie einen geschärften Blick für die Gruppendynamik, die sich im Stadtparlament entwickelt. »Armut ist kaum Thema«, kritisiert sie. Doch ausgerechnet in der Bankenmetropole Frankfurt am Main hätten viele Eltern nicht das Geld ihren Kindern ein warmes Mittagsessen zu bezahlen. Mit derartigen Einwürfen machen sich Köremezli-Erkiner und ihre Fraktionskollegen wenig Freunde: Übertrieben sei das, und »schlechtgeredet«, so der Tenor »jener Männerriege, die bereits seit 30 Jahren im Stadtparlament sitzt und jede Bodenhaftung verloren hat«. Viele interessiere gar nicht, wie es der Bevölkerung geht.
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.07.2007, Seite 3, Schwerpunkt

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