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Nach Rorty

Am Freitag starb der US-Philosoph Richard Rorty im kalifornischen Palo Alto im Alter von 76 Jahren. Als Vertreter des Neopragmatismus war er gleichermaßen Mitstreiter wie Gegner von Jürgen Habermas. Bei der Klärung von Detailfragen, wie schön man sich den Kapitalismus vorstellen könnte, wenn man denn nur wollte, korrespondierten die beiden Hochschullehrer vornehmlich über Bücher. Rorty, der in früher Jugend Sympathien für Leo Trotzki hegte, war für die Postmodernisten zu wenig postmodern, für die Marxisten zu unmarxistisch und für die Konservativen zu flexibel. Was dabei herauskommt, demonstrierte Dirk Knipphals in seinem Nachruf auf Rorty in der taz von Dienstag. Für ihn wollte »Rorty, platt gesagt, dazu ermuntern, nach vorn zu gucken und die Verwirklichung unserer Freiheit als nie abschließbares und stets mit Versuchen und Irrtümern begleitetes Projekt zu begreifen. Ein sozusagen nach vorne gerichtetes Durchwursteln – mit den Zielpunkten, mehr und vielfältigere Glücksmöglichkeiten für die Individuen zu schaffen und das Leid zu minimieren – ersetzt die Versuche, eine Instanz aufzuspüren, die einem sagt, was man zu tun hat: heißt diese Instanz nun Gott, Natur des Menschen, Vernunft, Moral, Theorie oder wie auch immer.« Dieses »wie auch immer« ist die Kurzfassung des Pragmatismus. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2007, Seite 12, Feuilleton

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