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Transformator des Tages: Jockel Fischer


Was macht eigentlich... Klaus Fischer, der legendäre Schalker Fallrückzieher? Der Bundesliga-Torschützenkönig von 1976 (29 Tore) betreibt Fußballschulen für Kinder an 40 Standorten in Deutschland. Und was macht sein Namensvetter Jockel Fischer, der alte Belgrad-Bomber? Der trank gestern in der Grünen-Bundestagsfraktion Sekt auf sich selbst. Weil er doch in den USA Gastprofessor werden darf – ohne jemals studiert zu haben. Er soll ja auch nur »internationale Krisendiplomatie« unterrichten. Zu diesem Anlaß sagte Fraktionschef Fritz Kuhn: »Das ist kein Abschied, sondern eine Transformation.«

Unter Umständen fuhr der Geist des in der Nacht zum Montag in Bayern erlegten Braunbären »Bruno« in den Körper des ehemaligen Außenministers. Fachleute sprechen hierbei von »Channeling«. Verdächtigerweise bezeichnete Otto Schily nun Jockel Fischer als ein »political animal«. »Fühlten wir nicht alle ein wenig den Bruno in uns? Den Rebellen, den weder Landesgrenzen noch Paragraphen scheren. Der herumstreunt, hysterische Hühner aufmischt und Met pichelt bis zum Abwinken«, fragten besorgt die Dresdner Neueste Nachrichten. »Unsere flatternden Glücks-Fahnen sinken auf Halbmast. Bruno reißt eine Lücke« seufzte die Bild-Zeitung. »Es war ein Bär in seinen besten Jahren – für die Rückkehr des großen Raubtiers ist der Boden in Deutschland noch nicht bereitet« greinte die Süddeutsche Zeitung. Das Neue Deutschland enthüllte zudem, daß der in München erlassene »Schießbefehl« »noch gar nicht in Kraft« gewesen sei.


Also Obacht, Jockel Fischer! Der Direktkontakt zu Geistern kann ziemlich verwirrend sein. Manche Geister geben Aufträge, die selbstzerstörerisch wirken kön­nen. Besonders bei »exzessiver Ok­kultpraxis«, wie der Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung warnt. Und was sagt Klaus Fischer? »Jetzt ist alles möglich!« (cm)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.06.2006, Seite 8, Ansichten

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