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Liebe, Sex und Zärtlichkeit (1)

Die einzig wahre Wiedervereinigung 1989 fand in England statt. Die Buzzcocks formierten sich neu. Und alles wegen der Sex Pistols 13 Jahre früher. Ohne sie als Vorbild hätten sich die Buzzcocks niemals in Manchester gegründet. Nicht auszudenken! Die Buzzcocks erfanden die etwas andere Punkband, jenseits vom üblichen Rüpel-, Provo- und Chaos-Image. Vielmehr zauberten sie wunderschöne Melodien, die Pop und Punk auf das schönste miteinander verbanden. Auch die Texte handelten mehr von Liebe, Sex und Zärtlichkeit als von Straßenkampf. Die Buzzcocks haben die betörendsten und schmachtvollsten Lieder des Punkrock überhaupt geschrieben, getragen von Pete Shelleys hohem Ausnahmeorgan. Die Buzzcocks wurden zusammen mit den Wipers zu den Wegbereitern des frühen melodischen Punkrock. Mit ihren drei LPs »Another music in a different kitchen« (1978), »Love bites« (1978) und »A different kind of tension« ( 1979) summten sie sich in die Musikgeschichte rein wie ein cleverer Bienenschwarm. Im Anschluß daran Touren, Drogen, Depression und Schluß. Seit 1989 gibt es alle drei Jahre wieder ein neues Album. Am Donnerstag war man in Berlin. Leichte Verunsicherung: peinliche alte Männer, die grandiose Lieder auf der Bühne verhunzen? Brrr. Aber, ach, wie konnt’ ich zweifeln? Würdevolle Briten, die völlig entspannt für ein Feuerwerk sorgen. Erstmal sechs neue Stücke, das Publikum applaudiert artig und wohlwollend. Dann der erste Klassiker. Jetzt ist kein Halten mehr. Fassunglos steht man da und denkt, das war es schon, das Konzert des Jahres. Später schlenkert die Band noch an der Theke herum und ich stammele ihnen Danksagungen für den wundervollen Abend entgegen. Peinlich, aber mußte sein. Noch zu Hause waren meine Knie weich.Alex Kolodziejczyk

5.5. Stuttgart, Schlesinger Int.; 6.5. Köln, Underground
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.05.2006, Seite 12, Feuilleton

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