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Südostasien

Abhörskandal erschüttert Indonesien

Foto: Tatan Syuflana/AP/dpa
Auch in Indonesien: Einsatzkräfte bewachen aus Furcht vor Gewalt das Geschäftsviertel von Jakarta (5.11.2026)

Jakarta. Die indonesischen Behörden ermitteln wegen möglichen Hochverrats, nachdem bekanntgeworden war, dass Telefongespräche von Präsident Prabowo Subianto möglicherweise abgehört wurden. Mehrere hochrangige Mitglieder von Prabowos Regierung sind in den Skandal verwickelt, wie am Freitag die Nachrichtenseite Yahoo.com resümierte. Darunter sei auch sein Stabschef Listyo Sigit Prabowo – der trotz seines Namens nicht mit dem Präsidenten verwandt ist. Der Skandal ereignet sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden Kluft zwischen Prabowo und seinem Vorgänger Joko Widodo – besser bekannt als Jokowi –, wie unter anderem BBC Indonesian herausstellte.

Schon seit 2025

Listyo Sigit Prabowo war am Dienstag zusammen mit zwei hochrangigen Polizeibeamten wegen des Verdachts des Abhörens von Präsident Prabowo verhaftet worden. Sie sollen bestimmte Telefonnummern, darunter auch die Prabowos, überwacht haben, ohne sich an vorgeschriebene Verfahrensschritte wie etwa einen Ermittlungsbeschluss oder eine Anzeige zu halten. Die Behörden gaben an, die Operation sei erst vergangene Woche nach einem Hinweis eines Polizeibeamten aufgedeckt worden. Sie gingen Yahoo zufolge jedoch davon aus, dass das mutmaßliche Abhören bis ins Jahr 2025 zurückreicht, als Listyo als nationaler Polizeichef tätig war. Dies könne Hochverrat darstellen, da es sich um »sensible Informationen« handele, die »die Interessen und die Souveränität der Nation gefährden« könnten, erklärte ein Sprecher des Präsidenten am Mittwoch gegenüber Reportern. In Indonesien wird Hochverrat mit lebenslanger Haft oder sogar dem Tod geahndet – wobei das Land seit zehn Jahren niemanden mehr hingerichtet hat.

Motiv weiter unklar

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Das Motiv für das mutmaßliche Abhören sei weiterhin unklar, so der Präsidialamtssprecher. Es war nicht nur Präsident Prabowo, der im Zuge der mutmaßlichen Abhöraktion ins Visier genommen wurde. Zu den weiteren Zielen gehörten Politiker, Journalisten, NGOs und Geschäftsleute, so die Behörden. Donnerstag abend nannte die Polizei nach Medienberichten einen weiteren Verdächtigen: den Polizeiinspektor Slamet Uliandi. Er sei jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht festgenommen worden, wie die Behörden mitteilten. Listyo, der erst seit vergangenem Monat Stabschef des Präsidenten ist, wurde nach seiner Festnahme von dem neuen Posten entlassen.

Dieser jüngste Skandal, der Indonesien in Atem hält, ereignet sich in einer »turbulenten Phase von Prabowos Präsidentschaft«, wie Yahoo ausführt. Sein »Vorzeigeprojekt«, das kostenlose Schulmahlzeitenprogramm, kämpfe mit Finanzierungsproblemen, Teile Indonesiens wurden gerade von schlimmen Waldbränden heimgesucht, und der Aktienmarkt befindet sich aufgrund von Vorwürfen weitverbreiteter Marktmanipulation in der Krise. Auch gibt es wegen der Wirschaftsprobleme immer wieder Massenproteste in Jakarta. So schickte das Militär am Donnerstag Tausende Soldaten in die Hauptstadt, um möglichen »Unruhen« zuvorzukommen, zumal am gleichen Tag auch Expräsident Widodo in einem Verleumdungsprozess vor Gericht aussagen musste. (jW)

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Erschienen am 07.11.2026, Ausland

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