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NGG fordert abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren

Foto: Hanno Bode/IMAGO
In der Gastronomie überwiegen Knochenjobs und prekäre Arbeit. Wer das nicht bis zum Umfallen aushält, soll nach den Plänen der Bundesregierung büßen (o. D.)

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) fordert in einer Erklärung von Donnerstag die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren:

In den kommenden Jahren werden in Deutschland im Schnitt rund 690.000 Beschäftigte pro Jahr in Rente gehen. Bis zum Jahr 2035 werden dann insgesamt rund 20,3 Millionen Menschen bundesweit im Ruhestand sein. (…)

Für alle, die künftig in den Ruhestand gehen, will die Gewerkschaft eines erreichen: die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung sorgt nach Beobachtung der NGG für erhebliche Verunsicherung. Vor allem Beschäftigte, die kurz vor dem Erreichen der 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung stehen oder diese bereits erfüllt haben, blickten mit Sorge auf die Pläne. »Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen«, sagt die stellvertretende Vorsitzende der NGG, Claudia Tiedge.

Wer früh ins Berufsleben startet, dürfe dafür nicht bestraft werden. »Entgegen einem weitverbreiteten Eindruck sind viele Menschen mit langen Erwerbsbiographien keine Spitzenverdiener. Sie sind auf eine verlässliche und ungekürzte gesetzliche Rente angewiesen. Das gilt für die Menschen in der Lebensmittelproduktion ebenso wie für die Beschäftigten in Bäckereien, Kantinen und Restaurants«, so Tiedge.

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Die NGG warnt die Bundesregierung davor, bei der geplanten Rentenreform die Lebensleistung langjährig Versicherter aus dem Blick zu verlieren. Denn das betreffe viele: Unter den rund 6,3 Millionen Männern, die Ende des vergangenen Jahres eine gesetzliche Altersrente bezogen haben, sind nach Angaben der Gewerkschaft immerhin rund 2,8 Millionen Beschäftigte gewesen, die 45 Jahre oder länger in die Rentenkasse eingezahlt haben. Unter den rund acht Millionen Frauen waren es gut 1,2 Millionen. (…)

Der Sozialverband SoVD weist in einer Mitteilung von Donnerstag auf das Problem hoher Wohnkosten hin:

Hohe Wohnkosten setzen immer mehr Menschen finanziell unter Druck. Das zeigt eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des SoVD. Mehr als die Hälfte der befragten Mieterinnen und Mieter müssen sich in anderen Lebensbereichen finanziell stark einschränken, um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können. Rund 20 Prozent müssen sich sogar sehr stark einschränken. Besonders betroffen sind jüngere Menschen: Rund zwei Drittel der 18- bis 29jährigen und 60 Prozent der 30- bis 39jährigen geben an, sich wegen ihrer Wohnkosten stark einschränken zu müssen. Für SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sind die Zahlen ein deutlicher Handlungsauftrag an die Politik: »Wohnen darf nicht zum Armutsrisiko werden. Wir brauchen mehr dauerhaft bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum, wirksamen Mieterschutz und ein starkes Wohngeld.«

Wie tief die hohen Wohnkosten inzwischen in persönliche Lebensentscheidungen eingreifen, zeigt ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Fast die Hälfte der befragten Personen hat wegen hoher Wohnkosten bereits konkrete Lebenspläne geändert oder aufgegeben. Mehr als ein Viertel der Befragten hat seine Wohnungswahl angepasst, rund 20 Prozent die Wahl des Wohnortes. Zehn Prozent gaben sogar an, wegen der Wohnkosten ihre Familienplanung verändert zu haben.

Bei jungen Menschen sind die Auswirkungen besonders deutlich: 40 Prozent der 18- bis 29jährigen haben ihre Wohnungswahl verändert, 30 Prozent ihre Wohnortwahl und 20 Prozent den Auszug aus dem Elternhaus verschoben. Bei den 30- bis 39jährigen hat fast jede vierte Person ihre Familienplanung angepasst. (…)

Der SoVD fordert deshalb, Mietpreissteigerungen wirksamer zu begrenzen und deutlich mehr öffentliche Mittel für den sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau mit öffentlichen und gemeinnützigen Trägern bereitzustellen. (…)

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.10.2026, Seite 3, Abgeschrieben

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