Ein Unentbehrlicher
Stütze der Kuba-Solidaritätsarbeit: Zum Tod von Ulli Fausten
»Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ein Leben lang. Diese sind unentbehrlich«, schrieb einst Bertolt Brecht. Ulli Fausten, jahrzehntelanges Mitglied der Freundschaftsgesellschaft BRD – Kuba und Redakteur ihres Magazins Cuba Libre (CL), war ein solcher Unentbehrlicher. Den Kampf gegen seine Krankheit hat er in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober verloren, den Kampf um die Stärkung der Solidarität mit Kuba nicht. Auch wenn die Lücke, die er hinterlässt, riesengroß ist: Wir werden die Arbeit in seinem Sinne fortsetzen.
Ulli publizierte vornehmlich zu Musik und Kultur. Sein Wissen dazu war von einer Tiefe, die man sich von manchem professionellen Musikredakteur in der bürgerlichen Presse wünscht. Herausragend war, wie er in seinen Berichten Musik und Alltagskultur in ihrem gesellschaftlichen Rahmen betrachtete. So etwa, wenn er in seinem letzten Artikel für die CL schrieb, wie unter den Bedingungen der absoluten Ölblockade regelmäßige Musikveranstaltungen zur Mammutaufgabe und zum Zeichen des Widerstands gegen den Wirtschaftskrieg der USA gegen Kuba werden.
Ulli hatte mit seiner Frau Renate Fausten, der unser tiefes Mitgefühl gilt, in der Kuba-Solidarität ein »gemeinsames Drittes« gefunden – damit ermöglichten sie eine äußerst produktive Zusammenarbeit und hinterließen Spuren von Dauer. Ihnen ist etwa das Buch »Helden der Freien Welt: Dissidenten in Kuba« zu verdanken. Darin fragten sie, was es mit vermeintlichen kubanischen Freiheitskämpfern auf sich hat: Was sind das für Personen? Was sind ihre Beweggründe? Wem dienen sie? Wer protegiert sie und warum?
Häufig übertrugen sie kubanische Stimmen ins Deutsche. So ist ihnen etwa die Übersetzung des Buches »Originalton Miami. Die USA, Kuba und die Menschenrechte« von Hernando Calvo Ospina und Katlijn Declercq zu verdanken.
Wer Ulli oder seine Artikel kannte oder ihn in Aktion erlebte, war nicht nur von seinen präzisen Analysen beeindruckt, sondern auch davon, mit wieviel Herzblut und Liebe zu Kuba er seine Solidaritätsarbeit leistete – ob am Infotisch oder mit der Feder. Wort und Tat waren bei ihm eins, jede Ungerechtigkeit fühlte er im Sinne Ches. (Dieser schrieb 1965 in seinem Abschiedsbrief an seine Kinder: »Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.«) Er fühlte sie nicht nur, als die Solidarität mit Kuba und dem globalen Süden en vogue war, sondern über die Jahrzehnte hinweg bis zu seinem Tod.
¡Ulli-Presente!
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