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Italienische Gewerkschaft SI Cobas zu den Protesten in Mailand

Foto: IMAGO/ABACAPRESS
Anhänger der jungen Basisbewegung »Italia in Piazza« protestieren in Mailand (17.10.2026)

Die italienische Basisgewerkschaft SI Cobas verbreitete am Dienstag eine Stellungnahme zu den Protesten und Ausschreitungen in Mailand am vergangenen Wochenende:

»Die Bourgeoisie der ganzen Welt sieht der Massenschlächterei nach der Schlacht wohlgefällig zu, aber sie entsetzt sich über die Entweihung von Dach und Fach!« (Karl Marx)

Dieser Satz von Marx stammt aus dem Jahr 1871 (»Der Bürgerkrieg in Frankreich«), hat aber bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Die regierungsnahe Presse und das Fernsehen stellen – wie schon immer – die »Gewalttaten« junger Menschen in den Vordergrund (die vielleicht einer bestimmten vorgeblichen »Linken« recht sind, wenn sie in Frankreich passieren (…) aber hier natürlich nicht (…) – man denke nur daran: Wären die Vorfälle beispielsweise im Iran passiert, lauteten die Schlagzeilen »brutale Unterdrückung … illegaler Einsatz von Gewalt …« usw. usw.).

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Kurz gesagt: Sind die über 1.500 Todesfälle am Arbeitsplatz (im Namen des Profits) und die Hunderttausenden von Arbeitsunfällen etwa keine Gewalt? Ist das soziale Gemetzel am Arbeitsplatz (auch dank des »Job Act« und nachfolgender Gesetze und Verordnungen) etwa keine Gewalt? Sind prekäre und sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse, Massenentlassungen, das endlose Elend in Unternehmen wie ILVA, Fiat, Electrolux usw. keine Gewalt? Sind das ohrenbetäubende Schweigen und die aktive sowie passive Komplizenschaft beim Völkermord am palästinensischen Volk keine Gewalt? Ist eine zerbrochene Schaufensterscheibe mehr wert als ein palästinensisches Kind, das bei lebendigem Leib verbrannt wird?

Das ist unsere Gegenwart, und die jungen Arbeiter und Studierenden (und hört endlich auf, sie »Maranza« (die deutsche Entsprechung wäre »Talahon«; jW) zu nennen, denn sie sind unsere Kinder und Enkel, nicht nur im an Millionäre verschleuderten Mailand, sondern in ganz Europa) sehen nicht nur das Heute, sondern auch das, was diese Gesellschaft ihnen für die Zukunft bietet: ein Leben als Lohnsklaven ohne jedes Recht, mit der Aussicht, in nicht allzu ferner Zukunft nicht nur zu Schlachtvieh, sondern zu Kanonenfutter zu werden. Und das ist keine Gewalt? Offenbar nicht: Die Gewalt der Bosse und des Staates, der sie vertritt, ist keine Gewalt; Gewalt ist immer und ausschließlich die derjenigen, die sich auflehnen.

Die halbherzigen Kritiker des »Systems«, die »verstehen« wollen, nachdem sie die »Gewalt« sofort und ausgiebig kritisiert hatten, erinnern wir daran, dass das »System« einen ganz bestimmten Namen hat: Es heißt Kapitalismus und basiert auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der, um maximalen Profit zu erzielen, ganze Völker mit Füßen tritt und den Planeten zerstört, der den Krieg gewählt hat, um seine Krisen zu lösen, und den niemand – von rechts bis »links« – in Frage stellen will. Bezeichnend ist der Satz des »neuen« Stars der PD, der Bürgermeisterin von Genua, Silvia Salis, zum Thema ILVA (größtes Stahlwerk Europas in der süditalienischen Stadt Tarent, das nunmehr vor dem Aus steht; jW): »Genua kann auf (das Stahlwerk, jW) Tarent verzichten, Stahl können wir im Ausland kaufen« – ein Schlag ins Gesicht der Arbeiter, die seit 14 Jahren verschaukelt werden – auch von den regierungstreuen Gewerkschaften –, und der Bürger dieser leidenden Stadt, die seit Jahrzehnten nicht nur in der Fabrik sterben, sondern auch außerhalb, in ihren eigenen vier Wänden.

Der wahre Feind, das wahre Geschwür unserer Gesellschaften ist der Kapitalismus, der Elend, Hunger, Zerstörung und Tod bringt. Der wahre Feind befindet sich immer in unserem eigenen Haus: Es sind die Kapitalisten und all ihre Handlanger. Wir brauchen Einheit, Klassensolidarität und Organisation, um ihn zu vernichten, bevor er uns Proletarier und die Zukunft der Menschheit selbst vernichtet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2026, Seite 3, Abgeschrieben

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