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Mieten steigen wieder stärker
IfW-Studie bilanziert stärksten Preisanstieg seit Anfang 2025. Am schnellsten geht es in Berlin und Düsseldorf nach oben. Teuerstes Pflaster bleibt München
Die Mieten in Deutschland sind nach einer kurzen Phase der Beruhigung wieder deutlich gestiegen. Im dritten Quartal dieses Jahres zogen sie im Vergleich zum Vierteljahr davor um nominal 1,2 Prozent an. Im Jahresvergleich legten sie einen Preissprung von 3,6 Prozent hin, wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie ermittelt hat. Inflationsbereinigt entspricht dies einer Zunahme um 0,3 beziehungsweise 0,7 Prozent.
Der Kostenauftrieb war ein zentrales Thema des am Donnerstag in Berlin ausgetragenen Wohngipfels des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des Deutschen Mieterbundes (MDB), zu dem auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig geladen war. Dabei versprach sie, beim Mieterschutz voranzukommen.
Die SPD-Politikerin hatte bereits im Frühjahr einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem eine Verschärfung der sogenannten Mietpreisbremse und Maßnahmen gegen Mietwucher vorsieht. Nach Hubigs Plänen sollen Kurzzeitverträge, die grundsätzlich von der »Mietpreisbremse« ausgenommen sind, nur noch für eine Dauer von sechs Monaten, in Ausnahmefällen für maximal acht Monate abgeschlossen werden dürfen.
Außerdem sollen säumige Mieter eine ordentliche Kündigung abwenden können, indem sie die Miete binnen zwei Monaten nachzahlen. Erwartbar dringt die Union darauf, die Regeln zugunsten von Hausbesitzern zu verwässern, weshalb der Gesetzgebungsprozess seit der ersten Lesung im Bundestag Anfang Juli feststeckt. Von der Ministerin wünschen sich DGB und MDB mehr Tempo bei den Reformen.
Der Wohnungsmarkt zeigt sich dagegen gewohnt dynamisch. Besagte IfW-Erhebung verzeichnet den stärksten Preisanstieg seit Anfang 2025. Unter den acht größten deutschen Städten entwickelten sich die Mieten am rasantesten in Berlin und Düsseldorf. Von Anfang Juli bis Ende September machten sie einen Satz um 2,1 Prozent beziehungsweise zwei Prozent gegenüber dem Vorquartal. In München waren es 1,3 Prozent, in Frankfurt am Main und Stuttgart jeweils 1,1 Prozent.
Im Jahresvergleich führt Hamburg das Feld mit einem Plus von 6,7 Prozent an, gefolgt von Düsseldorf und Köln (jeweils plus 5,4 Prozent) und der bayerischen Landeshauptstadt (plus 4,8 Prozent). Die Isarmetropole bleibt mit großem Abstand Deutschlands teuerstes Pflaster: Dort kassieren Eigentümer eine Kaltmiete von im Mittel 23,70 Euro pro Quadratmeter.
Hoch im Kurs bei Abzockern stehen insbesondere Bestandswohnungen. Das sind bereits bewohnte Wohnungen, die in der Tendenz günstiger sind als Neubauwohnungen. Als mögliche Erklärung führt das Institut an, dass sich bei den hohen Preisen nur ein kleiner Kreis von Haushalten Neubauwohnungen leisten kann. Den Daten zufolge bleiben Neubauwohnungen in den größten Städten im Schnitt 14 Tage länger auf dem Markt als Bestandswohnungen.
»Was die Immobilienkonzerne als Rendite verbuchen, fehlt den Menschen am Monatsende zum Leben«, äußerte sich am Donnerstag der Vorsitzende der Partei Die Linke, Luigi Pantisano. Die Bundesregierung müsse sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehe. Sollte sie es ernst meinen mit der Entlastung der Mieter, »muss sie die Debatte über einen bundesweiten Mietendeckel führen«, so Pantisano. »Die Menschen müssen endlich wieder Luft zum Atmen haben, statt jeden Monat zu fürchten, ob das Geld noch für Miete, Lebensmittel und Strom reicht.« Einen Mietendeckel, wie er nur knapp ein Jahr lang in Berlin bestand, dann aber im April 2021 vom Bundesverfassungsgericht wegen fehlender Landeszuständigkeit gekippt wurde, lehnen die Regierungsparteien allerdings unisono ab.
In Berlin sind gewichtige Teile von SPD und Bündnis 90/Die Grünen eifrig bemüht, eine Koalition mit der Linkspartei per Antisemitismuskeule zu verhindern. Sollten diese Bemühungen von Erfolg gekrönt werden, wäre die von den Berlinern mehrheitlich befürwortete Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände abgewendet.
DGB und Mieterbund haben anlässlich ihres Wohnungsgipfels eine Forsa-Erhebung beauftragt: Nach deren Ergebnissen wünschen sich 89 Prozent der befragten Mieterinnen und Mieter in Großstädten »schärfere Strafen« in Fällen von Mietwucher, 75 Prozent eine »Verschärfung der Mietpreisbremse«, 67 Prozent eine Begrenzung von Mieterhöhungen und 65 Prozent einen Mietendeckel.
Schließlich sind 59 Prozent der Befragten der Überzeugung, dass hohe Wohnkosten in ihrer Stadt dazu führen könnten, dass Unternehmen oder Behörden künftig schwieriger Arbeitskräfte finden, weil Leute wegziehen oder nicht zuziehen wollen.
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