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Nur echt mit 52 Zähnen

Foto: Sven Hoppe/dpa

Dieser eine von 83 Millionen, der hatte sie sofort in seinen Bann gezogen, um den Finger gewickelt, durch den Kakao gezogen. Eine grinsende Lichtgestalt, nur echt mit 52 Zähnen. Wo der Kanzler Tag für Tag versagt, muss der Ersatz performen. Jürgen Klopp weckte mit wenigen Auftritten als neuer Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft bei Sportreportern und mit ihnen und durch sie im ganzen Land die kühnsten Hoffnungen, dass sich etwas bessert, und sei es auch bloß beim Fußball. Und was macht Klopp, diese Gute-Laune-Maschine der Zwangsbeglückung? Versagt. Zwei Spiele, ein Punkt, schlechteste Startbilanz aller bisherigen Bundestrainer. Tja, Sportpresse, was nun?

Wie wäre es damit, die Resultate einfach mal zur Nebensache zu erklären? »Gute Ergebnisse wären für den Prozess, der Klopp vorschwebt, ohne Zweifel hilfreich. Aber sie sind aus seiner Sicht nicht essenziell«, enthüllt der Tagesspiegel. Denn Klopp verfügt »über etwas, das seinem Vorgänger Julian Nagelsmann komplett gefehlt hat: das grundsätzliche Vertrauen der Öffentlichkeit in sein Handeln«.

Sicher? Nach der Niederlage gegen Griechenland gab es schon erste Pfiffe von den Rängen in Augsburg. Der Sportinformationsdienst bittet um Geduld. »Klopp hat sie auch bei seinem DFB-Mammutprojekt verdient und völlig recht damit, dass es niemandem hilft, schon nach zwei Spielen alles in Schutt und Asche zu reden. (…) Klopps personelle Experimente sind alternativlos, auf Sicht wird er weitere alte Zöpfe abschneiden müssen – für seinen peitschenden Heavy-Metal-Stil braucht er unverbrauchte Jungmusiker, die er nach seinem Bilde dirigieren kann.«

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Doch Süddeutsche Zeitung und FAZ stehen im Moshpit und haben keine Lust auf Headbanging. Denn zu schlecht ist die Darbietung, zu medioker das Personal. »Nüchtern betrachtet«, schreibt die Zeitung aus München, »ist es nicht überraschend, dass die deutsche Nationalmannschaft hinter ihren ohnehin nicht überragenden Möglichkeiten zurückblieb, denn Jürgen Klopp hat das ja bewusst so entschieden. Er hat seine besten Spieler auf zwei Kader aufgeteilt, sich damit vordergründig selbst geschwächt.« Immerhin, man billigt dem Mann noch zu, dass er weiß, was er tut.

Bei der FAZ herrscht größere Skepsis: »Es gibt gerade viele deutsche Spieler, die, wenn sie Boxer wären, zwischen zwei Gewichtsklassen schwanken würden. In ihren Klubmannschaften dürfen sie in der niedrigeren antreten, in der Nationalmannschaft müssen sie dann in der höheren. Das ist eine Erklärung, warum die bei der Weltmeisterschaft k.o. gegangen ist.«

Und das kann auch Coach Klopp nicht einfach weggrinsen. (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.09.2026, Seite 2, Ansichten

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