- → Inland
Bauarbeiter für Zivilcourage
Gewerkschaft ehrt Aktivisten gegen rechts. Sozialabbau debattiert und neuer Vorstand gewählt
Die Arbeiter in der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) zeigen klare Kante gegen rechts. Am Montag ging der viertägige Gewerkschaftstag der IG BAU in Kassel in seine Arbeitsphase. Zum Auftakt des Kongresses am Sonntag war dem 17jährigen Max Schneller der Preis für Zivilcourage verliehen worden.
Der junge Mann aus dem sachsen-anhaltischen Bad Dürrenberg hatte im April 2025 auf einer Querdenker«-Demonstration in seinem Heimatort eine mutige Gegenrede gegen Schwurbelei und Verschwörungsvorstellungen gehalten. Der Beitrag wurde ohne sein Wissen aufgezeichnet und über einen Telegram-Kanal der Querdenker verbreitet, woraufhin der junge Mann mit Hassnachrichten und Gewaltandrohungen konfrontiert wurde. Er habe sich jedoch dadurch nicht einschüchtern lassen, berichtete die Gewerkschaft in einer Mitteilung, und engagiere sich weiterhin gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Dafür erhielt er zum Auftakt des 24. Ordentlichen Gewerkschaftstages der IG BAU den »Georg-Leber-Preis« für Zivilcourage.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis trägt den Namen des früheren Vorsitzenden der Vorgängergewerkschaft IG Bau, Steine, Erden (IG BSE) und Sozialdemokraten, der später in verschiedenen Bundesregierungen Minister war, darunter Verteidigungsminister im Kabinett von SPD-Kanzler Helmut Schmidt. Er habe sich stets mit ganzer Kraft für eine freie, soziale und demokratische Gesellschaft eingesetzt, betonte die IG BAU.
In ihrer Laudatio stellte Natalie Pawlik (SPD), Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, klar, wie wichtig es gerade heutzutage sei, Widerstand gegen Populisten und Rassisten zu leisten. »Max Schneller zeigt, wie es geht: Er kämpft in Sachsen-Anhalt trotz heftigster Anfeindungen und Drohungen gegen ihn selbst mutig für Respekt statt Rassismus, für Gemeinsamkeit statt Gegeneinander, für Vielfalt statt Einfalt.« Der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger, betonte, dass der couragierte Mann für den Preis geradezu prädestiniert sei, da er öffentlich für seine Überzeugungen einstehe und damit Vorbildcharakter für junge Menschen habe. Auch die Gewerkschaft »setzt sich gegen jeglichen Rassismus ein, wendet sich gegen Ausländerfeindlichkeit und engagiert sich gegen rechts. Da sind wir ganz an seiner Seite.« Der Preisträger selbst erklärte, dass es niemals wichtiger gewesen sei, »für Freiheit, Demokratie und Vielfalt einzutreten als jetzt«. Gerade nach dem Rekordergebnis für die AfD bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sei es wichtig, weiterzumachen und nicht zu resignieren. »Es muss für uns Demokratinnen und Demokraten Auftrag sein, noch lauter, sichtbarer und entschlossener für eine menschliche Gesellschaft einzustehen. Das sind wir Menschen wie Margot Friedländer schuldig – das ist mein Auftrag«, so Max Schneller. Die Holocaustüberlebende hatte sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2025 im Alter von 103 Jahren als Zeitzeugin engagiert. Vor diesem Hintergrund bedeute ihm die Anerkennung seines Engagements durch die IG BAU sehr viel, so Schneller.
Am Montag wurde der Geschäftsbericht des Bundesvorstands vorgestellt und das Gremium neu gewählt. Für den Abend war Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, als Gastrednerin angekündigt (nach jW-Redaktionsschluss). Der Gewerkschaftstag steht in diesem Jahr unter dem Motto »Respekt für unsere Arbeit! Wir holen, was uns zusteht«. Rund 250 Delegierte der IG BAU wollen unter diesem Motto die Aufgaben der kommenden Jahre diskutieren und Schwerpunkte festlegen. »Als Gewerkschaft wissen wir: Höhere Löhne, der Achtstundentag und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – nichts davon wurde uns geschenkt«, heißt es in der Einladung als Ansage an die Bundesregierung. Auch jetzt, wo soziale Errungenschaften und Arbeiterrechte plötzlich wieder zur Debatte stünden, »geben wir nicht auf!« Neben Tarifpolitik und gewerkschaftlichen Strategien sollen als weitere Themen sich verschärfende Arbeitsbedingungen sowie Friedenspolitik und Klimaschutz im Mittelpunkt der Debatten stehen.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
