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Literatur

Terrain gewinnen

Drei Tage »Read Convention«: In Barcelona trafen sich linke Verlage und Zeitschriften zur internationalen Vernetzung

Von Carlos Gomes und Glenn Jäger, Barcelona
Foto: READ Barcelona
Vernetzen Sie sich, bitte: »Read Convention« in Barcelona

Insgesamt 430 Aussteller aus 72 Ländern: Drei Tage lang, vom 16. bis 18. September, kamen in Barcelona Verlage und Zeitschriften zur zweiten Ausgabe der »Read Convention« zusammen, einer Messe mit dem Ziel, sich international zu vernetzen und kulturpolitischen Widerstand aufzubauen. Vor Ort von der Radical Books Coop organisiert und promotet von den Verlagen Verso Libros (London/Barcelona), La Fabrique (Paris), Brumaire (Berlin) und Manifest (Barcelona) sowie der Zeitschrift Jacobin wurde der kollegiale Austausch durch öffentliche Veranstaltungen ergänzt. Zu den zentralen Themen gehörten Kapitalismus und Antikapitalismus, Krieg und Frieden, Feminismus, Klimapolitik, die globale extreme Rechte, der Gazakrieg und Fragen zu digitalen Ressourcen.

Mit den Podiumsdiskussionen auf der Plaça de la Gardunya wollte man »raus auf die öffentlichen Plätze« und Kultur wieder, im wahrsten Sinne, »aufregend machen«, so Ekaitz Cancela, Kodirector von Read und Mitgründer des Verlags Verso Libros. Doch dann das: Nach einer gefühlten Ewigkeit war in Barcelona am ersten Tag kurzfristig Regen angesagt. Immerhin: Man konnte, noch vor dem Wolkenbruch, in großzügige Räumlichkeiten umziehen. Möglich war das, wie auch die nahezu perfekte Organisation der Messe, weil in der katalanischen Metropole öffentliche Unterstützung zur Seite stand, so von der Generalitat de Catalunya (Regionalregierung), der Stadt Barcelona oder dem Institut de Cultura de Barcelona (ICUB). Und selbst Ernest Urtasun, Kulturminister der Nationalregierung (Parteienbündnis Sumar), zeigte Präsenz.

Wie lässt sich Fundraising organisieren? Wie sind publizistische Bündnisse zu schmieden? Wie »entsteht ein Autor«? Derlei Fragen gingen nachmittägliche Referate nach, bevor es zu den größeren Veranstaltungen überging. Mit dem Geographen David Harvey oder dem Historiker Ilan Pappé standen auch größere Namen auf dem Programm. Die Foren widmeten sich »Zeitschriften gegen Trumpismus«, »Rassismus und die Klassenfrage«, »Kulturproduktion«, »Die Kartographierung von Hegemonie«, »Das grüne Kapital«, »Die Zeit nach dem Öl« oder »Palästina – Wege der Befreiung«. Read sei »eine politische Intervention«, mit der es gelte, so Cancela, gleichermaßen »einer neoliberalen Politik zu trotzen und die Straßen und Plätze zurückzugewinnen«.

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Ein Motto, dem seit bald zehn Jahren auch das brasilianische Kollektiv Flipei folgt. Die selbsterklärten »Piraten Lateinamerikas« organisieren seit 2018, zuletzt in São Paulo, ein sozialistisches Festival für »unabhängige Verlage, radikale Ideen, Musik und Rebellion«, für das sie bei Read mobilisierten. Inzwischen sei man, so Rafael Limongelli im Gespräch, auf rund 60.000 Besucher gekommen. Unter ihren Partnerverlagen findet sich Autonomia Literária (São Paulo), die in Barcelona Titel wie »Datenkolonialismus« oder »Das Schwert von Bolívar« präsentierten.

Damit trugen auch sie zum Selbstverständnis von Read bei, das Sebastian Budgen vom Verlag Verso auf den Punkt brachte: »Je besser wir uns vernetzen, desto besser wehren wir uns.« Der »Faschisierung der Köpfe«, erklärte der Mitorganisator der Messe, sei »editorischer Widerstand« entgegenzusetzen. Laut Pressemitteilung der Organisatoren soll der Aufbau eines internationalen Netzwerks dazu dienen, der »Fragmentierung der Linken entgegenzuwirken« und im Ringen um Gegenöffentlichkeit »Terrain zu gewinnen«. Unter den Ausstellern suchten die Autoren dieses Beitrages für den Papy-Rossa-Verlag ihr Scherflein zur Präsentation von pointierter Literatur beizutragen – unter anderem mit Büchern der jW-Autoren Jörg Kronauer (»Die Brandleger«) oder Gerd Schumann (»Basiswissen Patrice Lumumba«).

Selbst die Örtlichkeiten, an denen die »Read Convention« stattfand, atmeten die Geschichte von Widerstand und Gegenkultur. 2025 tagte die Messe in der historischen Gefängnisanlage La Model, in der während des Franquismus politische Häftlinge gehalten wurden. Dieses Jahr zog man in altehrwürdige Räumlichkeiten im Herzen von El Raval, einem früheren Arbeiter- und Industrieviertel, das heute migrantisch geprägt und mit Gentrifizierung konfrontiert ist.

Viel zu schnell gingen die drei Tage vorüber: In ebenso solidarischer wie entspannter Atmosphäre geht es mit vielen Eindrücken im Gepäck zurück an den Schreibtisch.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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