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Meinungsfreiheit

Licht aus

Die liberale russische Zeitung Nowaja Gaseta stellt nach mehr als 30 Jahren ihre Arbeit ein. »Man hat uns getötet«, lautet die Überschrift einer Erklärung, die am Freitag auf der Website des Mediums veröffentlicht wurde. »Die russischen Behörden und die russischen Geheimdienste zwangen die Redaktion, die Arbeit einzustellen«, heißt es darin. Am 9. November mache die Redaktion das Licht aus, fahre die Server herunter und gehe. Die Zeitung gebe es dann nicht mehr.

Am Vorabend war bekanntgeworden, dass die Redaktion ihre Räume in Moskau verlassen muss. Im April waren diese stundenlang durchsucht worden, im September wurde das Medium als sogenannter ausländischer Agent eingestuft; das Russische Justizministerium nannte zur Begründung die Verbreitung von Falschinformationen über Behörden und das Wahlsystem, Artikel gegen die »Spezialoperation« in der Ukraine und die Kooperation mit anderen »ausländischen Agenten«. Ebenfalls im September wurde der Zeitung auf Antrag der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor wegen eines mangelnden Redaktionsstatuts die Lizenz entzogen. Die Veröffentlichung als Printzeitung war bereits im März eingestellt worden. Ihr Gründer Dmitri Muratow, 2021 mit dem Friedensnobelpreis geehrt, ist schon länger als »Auslandsagent« eingestuft. »Mehr als 30 Lebensjahre zusammen mit dem Land und seinen Bürgern werden für uns auf der Straße enden, ohne Existenzgrundlage, unter ständiger Bedrohung durch Repressionen«, schrieb die Zeitung nun.

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Die oppositionelle, prowestliche Nowaja Gaseta gehört zu den kritischsten Medien in Russland und stand stets unter politischem Druck. Anfang des Monats jährte sich der Mord an ihrer Reporterin Anna Politkowskaja zum 20. Mal – eine von fünf Mitarbeiterinnen der Zeitung, die bei Anschlägen ums Leben kamen.(dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.10.2026, Seite 10, Feuilleton

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