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Filmfestival

Die achte Frau

Die Spiele sind vorbei, die Preise verteilt: Die dänische Regisseurin May el-Toukhy (Foto) ist für ihren Film »Woman Unknown« mit dem Goldenen Löwen des Filmfestivals Venedig ausgezeichnet worden. Zudem gewann die Hauptdarstellerin des Historiendramas, Mathilde Arcel, den Preis als beste Schauspielerin. Die zweitwichtigste Auszeichnung der Filmfestspiele, der Große Preis der Jury, ging an das Drama »Possible Love« des südkoreanischen Filmemachers Lee Chang-dong, das von Klassenunterschieden handelt. Der Dokumentarfilm »NAZA« von Yuval Abraham und Rachel Szor über die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen gewann den Spezialpreis der Jury. Die beiden israelischen Filmemacher kritisierten auf der Bühne nicht nur die israelische, sondern auch die italienische und die deutsche Regierung.

Die 49jährige May el-Tou­khy ist erst die achte Frau in der Geschichte der Filmfestspiele, die den Goldenen Löwen gewonnen hat. Im diesjährigen Wettbewerb waren von 21 Filmen nur zwei von Frauen, was die Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal als strukturelles Problem beschrieben hatte: Sie sei es leid, immer wieder über dieses Ungleichgewicht zu sprechen, werde es aber weiterhin tun, sagte Gyllenhaal nach der Preisverleihung. Nun wolle sie aber »einfach nur einen brillant inszenierten Film würdigen, der auf mich wie ein Laserstrahl gewirkt hat«. Das Historiendrama »Woman Unknown« erzählt von der jungen Dänin Marie, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Hochzeit mit ihrem wohlhabenden Chef steht. Ihr greifbar naher gesellschaftlicher Aufstieg wird jedoch durch ein Geheimnis bedroht: Während der Besatzungszeit hatte sie eine Affäre mit einem deutschen Soldaten. In der von Rache geprägten Nachkriegszeit setzt sie nun alles aufs Spiel, um ihre mühsam aufgebaute Existenz vor der Entlarvung zu schützen.

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John Malkovich wurde als bester Schauspieler für den Film »Wild Horse Nine« ausgezeichnet. Der aus Russland stammende Ilja Chrschanowski, der heute in Berlin und London lebt, bekam für »Dau« den Preis für die beste Regie. »Dau« handelt von einem Physiker, der gegen seinen Willen am Bau der Atombombe mitwirken muss. Für das beste Drehbuch wurde Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Brizé gemeinsam mit Coralie Amédéo und Olivier Gorce für »Un bon petit soldat« geehrt.

Die 83. Filmfestspiele Venedig, die am 2. September begonnen haben, zählen neben den Filmfestspielen in Cannes zu den bedeutendsten der Welt. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2026, Seite 10, Feuilleton

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