Opfer für Bauern
US-Präsident unterzeichnet Dekret mit Ziel der Wolfsbejagung
Der Mensch ist dem Wolfe ein Wolf – ganz besonders Landwirte. Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in den Vereinigten Staaten klagen die Agrarkapitalisten über die Canidae, die in Scharen über ihre Viehherden herfallen würden. US-Präsident Donald Trump hat sich ihrer erbarmt und am Freitag vergangener Woche ein Dekret unterzeichnet, mit welchem das US-Innenministerium unter anderem angewiesen wird, eine mögliche Streichung oder Herabstufung des Schutzstatus des Grauwolfs und des Mexikanischen Wolfes zu prüfen.
Sollte das Ministerium sich für diesen Schritt entscheiden, würden die Rancher die Erlaubnis erhalten, auf die Wildtiere zu schießen, so sie ihre Herde gefährdet sehen. Trump begründete den Schritt mit einem stetigen Schrumpfen der Viehherden bei gleichzeitigem Anstieg der Rindfleischnachfrage. »Rancher spielen eine essentielle Rolle bei der Lebensmittelversorgung und dem kulturellen Erbe unserer Nation«, heißt es in dem Dekret. »Es kann und sollte noch mehr getan werden, um diese kritische Industrie zu unterstützen.« Obwohl das Dekret lediglich die Prüfung einer Schutzstatusanpassung vorsieht, ließ Trump es sich nicht nehmen, bei der Unterzeichnung einer Gruppe von Ranchern mitzuteilen, sie könnten die Wölfe »ab heute erschießen«.
In der Realität sind die Populationen der beiden Wolfsarten in den USA stark dezimiert. Von den Grauwölfen gibt es in den Vereinigten Staaten – einer Nation mit mehr als der 26fachen Fläche der BRD – noch 18.000. Der Mexikanische Wolf war Ende der 1990er auf einen Bestand von gerade einmal vier Exemplaren zurückgedrängt worden; Stand 2025 gab es lediglich 319 Tiere. Von diesen wenigen Tieren geht wiederum kaum Gefahr für die Profitmargen der Landwirte aus: Weniger als ein Prozent der Kühe und Schafe im Land würden von wilden Fleischfressern – inklusive Wölfen – getötet, sagte die NGO »Humane World for Animals« zu dem Dekret. Noch dazu haben Rancher einen hundertprozentigen Schadensersatzanspruch, sollte ihr Vieh von Wölfen gerissen werden.
Der Rückgang der Wölfe ist vor allem menschlichem Treiben geschuldet. Ab dem frühen 20. Jahrhundert führten die USA eine staatliche Kampagne zur Auslöschung der Spezies durch, die bis zur Mitte des Jahrhunderts zur fast vollständigen »Bereinigung« von 48 US-Staaten von den Tieren geführt hatte. Ihr ging eine systematische Lobbyarbeit der Landwirte beim Bureau of Biological Survey voraus. 1973 hatte sich die öffentliche Meinung gewendet, und der Grauwolf wurde vom Kongress unter Schutz gestellt; die folgende Erholung der Population droht nun durch Trumps Opfer an die Agrarlobby zunichte gemacht zu werden.
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