Diese kurze Zeit
Der iranische Ausnahmekünstler Mohsen Namjoo ist nach rund 20 Jahren wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Das teilte er am Freitag in einem Instagram-Video mit. Der für seine experimentelle persische Musik international bekannte Sänger und Songwriter (50) begründete den Schritt damit, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu wollen. Es sei ihm gleich, ob er noch Musik machen könne, sofern er »diese kurze Zeit, die mir vom Leben noch geblieben ist«, an der Seite seiner Verwandten genießen könne. Namjoo genoss in der iranischen Community weltweit lange Kultstatus. Seine Musik verbindet klassischen persischen Gesang und poetische Texte mit Blues, Rock, Jazz und Folk. Durch den Dokfilm »Sounds of Silence« (2006) von Amir Hamz und Mark Lazarz über die iranische Untergrundmusikszene wurde er auch außerhalb des Landes bekannt. Kritik an der Islamischen Republik plazierte Namjoo subtil, dennoch verließ er den Iran 2008. 2009 verurteilte ihn ein Gericht in Teheran in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft wegen Verunglimpfung des Korans. 2020 warf ihm im Rahmen von »MeTooIran« eine Frau Vergewaltigung vor, was sein Ansehen erschütterte. Namjoo bestreitet die Vorwürfe, zu einem Prozess kam es nicht. (dpa/jW)
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