Nachschlag: Vor seiner Zeit
→ Der Fall Barschel. Do., 1.50 Uhr, Das Erste
Uwe Barschel, Nixon der Deutschen. 1987 ließ er Björn Engholm im Wahlkampf um die Landesvaterschaft von Schleswig-Holstein mit einer Schmutzkampagne überziehen. Willfährig zur Seite stand ihm der schmierige Reiner. Pfeiffer, mit drei f. Der packte im »Waterkantgate« gegen Barschel aus, der wiederum alles ableugnete. Mit Ehrenwort und so. Barschels Leben endete in der Badewanne. Seneca der Deutschen. Die obskuren Umstände des Selbstmords gaben Anlass zu allerhand Verschwörungstheorien. Jeder konnte den Fall seinem Gewohnheitsfeindbild auf den Leib schneidern. CIA, BND, HVA, Mossad, im Dutzend sind sie billiger. »Der Fall Barschel« rückte 2015 die eigenständigen Ermittlungen eines fiktiven Journalisten in den Mittelpunkt, exzellent verkörpert von Alexander Fehling. Man erhält einen Eindruck vom politischen Handwerk der späten Bundesrepublik, Reiner Pfeiffer erscheint als Fake-News-Populist, der daran scheitert, dass es die Social-Media-Welt noch nicht gibt. Der tragische Held, schreibt Marx, ist der, der zu früh dran ist. (fb)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
