Henze lässt grüßen
Ein Ausblick auf das diesjährige Musikfest Berlin
Im vergangenen Juli wäre der Komponist Hans Werner Henze 100 Jahre alt geworden. Das Musikfest Berlin, das an diesem Freitag beginnt, bringt zu diesem Anlass vier seiner Werke. Das Konzerthausorchester führt unter Joana Mallwitz am 4. September die 9. Sinfonie auf, ein Werk für Orchester und Chor mit Texten nach Anna Seghers’ Roman »Das siebte Kreuz«. Einen Tag später gibt es das »Notturno« zu hören, gefolgt von den »Musen Siziliens« mit dem RIAS-Kammerchor unter Gregor Meyer. Am 7. September spielt das von Alan Gilbert geleitete NDR-Elbphilharmonie-Orchester Henzes »Tristan«, zitatengesättigte »Préludes für Klavier, Tonbänder und Orchester«.
Henze hat diesen »Tristan« als »audio-visuell« verstanden und damit das Theatralische des Werks hervorgehoben. Damit fügt sich das Konzert in einen weiteren Schwerpunkt des Musikfests 2026 ein. Zwei Opern gibt es halbszenisch zu sehen und zu hören: zur Eröffnung am Freitag György Ligetis »Le Grand Macabre« in einer finnischen Produktion sowie am 15. September George Gershwins »Porgy and Bess«, aufgeführt vom Chineke! Orchestra und der Cape Town Opera.
»Halbszenisch« bedeutet, dass bei einer konzertanten Aufführung Bühnenvorgänge immerhin angedeutet sind. Man kann das als halbherzig ablehnen, aber andererseits an manche Inszenierung denken, die man lieber nicht gesehen hätte. Wahrscheinlich ist im Konzertsaal das Verfahren in den meisten Fällen sinnvoll, um den szenisch-gestischen Gehalt der Musik zu übermitteln.
Ganz szenisch ist die Premiere von Karlheinz Stockhausens »Mittwoch« aus dem Zyklus »Licht«, mit dem die Deutsche Oper Berlin am 19. September das Programm ergänzt; dies freilich zählt ohnehin zum regulären Musikbetrieb. Ein Zugewinn sind dagegen die drei Aufführungen von Igor Strawinskys »Die Geschichte vom Soldaten« am 19. und 20. September. Das Märchen mit seinen holzschnittartigen Figuren wird sinnvollerweise vom Salzburger Marionettentheater gegeben. Eine ebenfalls zeichenhafte, doch viel fernere musiktheatrale Tradition repräsentiert Kanze Kiyokazu, der am 21. September sein Ensemble und japanische Stücke aus dem 14. und 15. Jahrhundert mitbringt.
Der Anteil der Neuen Musik ist wieder groß. In ihren Konzerten vom 10. bis 12. September stellen die Berliner Philharmoniker Werke von Brett Dean (der sie auch dirigiert) in den Mittelpunkt, am 13. September tritt das Ensemble Resonanz auf und am 18. September das Ensemble Modern. Zu hören gibt es weiterhin sowjetische Moderne: Werke von Edisson Denissow und Anatol Vieru mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin am 13. September, von Alfred Schnittke mit dem RIAS-Kammerchor und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin am 23. September.
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