Viel Theater
Das »Theater Ost« in Berlin-Adlershof soll geräumt werden
Dem »Theater Ost« im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick droht die Räumung. Das Theater vermeldete am Mittwoch, dass auf Antrag von Stefan Klingenberg, dem Erbbaupächters des denkmalgeschützten Gebäudes »Studio 5« in Adlershof, dessen Räumlichkeiten vom »Theater Ost« für den Theaterbetrieb angemietet sind, der zuständige Gerichtsvollzieher die Räumung und Zwangsvollstreckung für den 24. August angekündigt hat. Die Zwangsvollstreckung würde für das Theater zusätzliche Kosten (Kartenrückerstattungen, Honorarausfälle) von mehr als 40.000 Euro bedeuten, so die Erklärung.
Das Theater wurde – zunächst noch als »Theater Adlershof« – von seiner künstlerischen Leiterin Kathrin Schülein 2015 gegründet. Das für den Theaterbetrieb genutzte Gebäude im Bauhaus-Stil entstand 1952 nach Plänen des Architekten Franz Ehrlich für das DDR-Fernsehen. Aus dem dortigen Fernsehstudio sendete der DFF bis zu seiner Einstellung im Dezember 1991 unter anderem die Nachrichtensendung »Aktuelle Kamera«.
Eigentümer ist das Land Berlin. Ziel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist der Erhalt und die dringend erforderliche Sanierung des Gebäudes. Zu diesem Zweck schloss sie 2020 einen Erbbaurechtsvertrag mit der Studio 5 GmbH & Co. KG des Architekten Stefan Klinkenberg, der zuvor schon Sanierungskonzepte etwa für die Brauerei Königsstadt im Prenzlauer Berg erarbeitet hatte. Der Vertrag verpflichtet Klinkenberg zum Abschluss der Sanierungsarbeit bis zum Februar 2028. Zu ihrer Finanzierung hat er einen Neubau auf dem Grundstück geplant, der der Einrichtung eines Obdachlosenheims dienen soll. Da er die fristgerechte Sanierung bei laufendem Theaterbetrieb inzwischen für undurchführbar hält, kündigte er das übernommene Mietverhältnis mit dem Theater zum Januar 2025 und leitete eine Räumungsklage ein.
Das »Theater Ost« hatte derweil zusammen mit Holger Friedrichs Ostdeutscher Medienholding einen alternativen Nutzungsplan (samt Restaurantbetrieb und nicht zuletzt wohl auch Friedrich-Privatforum) erstellt und der Senatsverwaltung vorgeschlagen, den Erbbaurechtsvertrag zu übernehmen und die Sanierung bei zumindest bis Ende der Spielzeit 2026 laufendem Betrieb durchzuführen. Die Verwaltung entschied sich nicht zuletzt wegen der drohenden Vertragsstrafe gegen den Vertragswechsel. Laut Berliner Zeitung vom Donnerstag soll Klinkenberg nun vorgeschlagen haben, gegen Zahlung einer Kaution von 10.000 Euro, die Räumung vorläufig einzustellen. Für den tatsächlichen Fall der Räumung durch den Gerichtsvollzieher plant die Theaterleitung eine spontane Besetzung des Gebäudes. Für den Dienstag steht im »Theater Ost« ein Gespräch zwischen Holger Friedrich und dem FDP-Vorsitzenden im Wahlkampf Wolfgang Kubicki zum weltbewegenden Thema »Freiheit vs. Ergebnisse« auf dem Spielplan. (jW)
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