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Trockene Böden, kleinere Brötchen
Hitzesommer sorgt für deutliche Ertragseinbußen bei Getreidebauern in Deutschland und Europa. Klimawandel treibt Lebensmittelpreise weiter in die Höhe
Das anhaltend heiße Sommerwetter sorgt für erhebliche Ernteausfälle bei Deutschlands Landwirten. Nach Einschätzung des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) gingen seit Mitte Juni rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps aufgrund der hohen Temperaturen und geringen Niederschlagsmengen verloren. Die erwarteten Erträge würden sich mit 40,6 Millionen Tonnen zehn Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres bewegen, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Auch das Fünfjahresmittel von 42,5 Millionen Tonnen wird damit deutlich unterboten. Beim Raps zeichnet sich ein Rückgang von vier auf 3,7 Millionen Tonnen ab. »2026 wird als Hitzejahr in die Geschichtsbücher eingehen. Nur die günstige Witterung im Frühjahr hat größere Schäden verhindert«, äußerte sich Verbandsvertreter Guido Seedler.
Auch das nächste Jahr könnte klimatisch erneut historisch werden. So oder so drohen wenigstens mittelfristig im Bereich der Lebensmittelerzeugung große Herausforderungen. Zum Beispiel müssen sich die Franzosen nach inzwischen drei extremen Hitzewellen in nur zwei Monaten auf Engpässe bei der Versorgung mit frischem Obst und Gemüse einstellen. Dürftig ist insbesondere die Ausbeute bei Schalotten, Karotten, Lauch, Fenchel, Radieschen, Knoblauch, Heidelbeeren und Erdbeeren, wie der Branchenverband Légumes de France zuletzt informierte. Bei manchen Kulturen könne die Produktion um 50 Prozent einbrechen, was Einnahmeverluste von Dutzenden Millionen Euro bedeute. Zugleich gerieten auch die Lieferketten unter Druck, weil es in ganz Europa zu Knappheiten komme. Ein Verbandssprecher im Wortlaut: »Es entwickelt sich zu einem ›Schreckensjahr‹.«
Der DRV als Vertretung von 1.600 Genossenschaftsunternehmen in den Bereichen Erzeugung, Handel und Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen beziffert die Einbußen hiesiger Getreidebauern mit 600 Millionen Euro. Das sei für die ohnehin unter starken Kostensteigerungen leidende Landwirtschaft »ein harter Schlag«, so Seedler. Was die Versorgungslage im Inland betrifft, gibt der Verband gleichwohl Entwarnung. Der jährliche Verbrauch an Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Gerste und Mais liege bei 40 Millionen Tonnen, was durch die absehbaren Erträge gedeckt werde. Allerdings könnten vor dem Hintergrund der weltweit angespannten Lage andere Regionen in Nöte geraten. Speziell Nordafrika und der Nahe Osten werden von der BRD traditionell mit Getreide beliefert. Viele der Hauptlieferanten, eben auch die BRD, haben aber kaum noch etwas oder gar nichts mehr abzugeben. Das wird gerade in ärmeren, vom Import abhängigen Ländern zu Engpässen und steigenden Preisen führen.
Hierzulande rechnet der DRV fürs erste nicht mit höheren Verbraucherpreisen bei Brot, Brötchen und anderen Backwaren. Der Anteil des Getreides am Endpreis liege im niedrigen Centbereich, preistreibend bei Lebensmitteln seien vorrangig andere Faktoren, »vor allem höhere Energie-, Lohn- und Bürokratiekosten«. Größere Sorgen bereiten dem Verbandsvorstand Philipp Spinne auch durch die Heißwetterphase bedingte logistische Probleme. »Geopolitische Krisen stören Transportketten, und die aktuell niedrigen Wasserstände auf Rhein und anderen Wasserstraßen beeinträchtigen die Binnenschiffahrt massiv.« Eine kurzfristige Verlagerung auf Straße oder Schiene sei kaum möglich, da Lastwagen, Fahrer sowie die Bahnkapazitäten begrenzt seien. Eine durchschnittliche Schiffsladung entspreche etwa 40 vollen Sattelzügen. Von der Bundesregierung erhofft sich der DRV, die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur konsequent auszubauen und die Mittel aus dem »Sondervermögen« zielgerichtet einzusetzen. Spinnes Appell: »Die Logistik muss bei der Lebensmittelversorgung endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdient.«
Nach jüngeren Angaben des Europäischen Verbands für den Getreide- und Ölsaatenhandel, Coceral, könnte allein die Junihitze die europäischen Getreideernten um insgesamt neun Millionen Tonnen dezimiert haben. In den Kassen der Erzeuger hinterlasse das ein Loch von zwei Milliarden Euro. Fürs Gesamtjahr prognostiziert für alle 27 EU-Mitgliedstaaten die niedrigsten Erträge seit dem Dürrejahr 2018. Der Verlust entspräche der Ernte von Österreich, Irland und den Niederlanden zusammen. Bedroht ist auch der Reis, der die Hälfte der Weltbevölkerung ernährt. Gemäß einer Ende Juli im Journal Science Advances veröffentlichten Studie könnte die Klimaforschung die Hitzefolgen für die Erträge unterschätzt haben.
Wie am Donnerstag bekannt wurde, geht das US-Landwirtschaftsministerium USDA für 2026 vom niedrigsten Stand heimischer Weizenproduktion seit 1970 aus. Ein schrumpfendes Produktionspolster gepaart mit geopolitischen Unsicherheiten im Schwarzmeerraum bildeten die Grundlage für eine mögliche neue Preisdynamik. Die Märkte reagierten prompt – mit Ausschlägen nach oben. Das Portal T-Online zitierte am Donnerstag Máximo Torero von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO: »Die Lebensmittelpreise werden bis Ende des Jahres steigen, und nächstes Jahr werden sie mit Sicherheit noch weiter steigen.«
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