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Lyrische Hausapotheke

erratamonolog

für thomas kapielski

*

terra mauertraum und marter nach dem ende

der geschichte kommt das ende der geschichten

auf den infomüll-overload folgt das ende der nach-

richten mensch lach doch mal flaschensammler

*

scheppern durch den sonntagnachmittag verfolgt

von kollektiver weitsicht einer wespe in gardinen-

falten frühreife altweiber spinnen im rasseln der

straßenbahn fünffingriges laub in zugluft bleckt

*

nackte waden mit sinnwahn katastrophisch im

Anzeige

nacken auf zeitfenster gespannter sklavenhaut

zwischen heinrich dem ersten & rio dem zweiten

veräppelt mann sag doch mal gepäppelt auf’m

*

möbiusband mauertraum frischfleisch in der

warenschleuder eros unterm datengrab vor dem

bildschirm defilieren stier & bär hyäne heartfield

filetiert von bauchfell bis lendenspeck abgeleckte

*

angelegenheiten sozialverträglich frühverschieden

entsteigen dem jenseits zuckerhut schwankt zum

goldenen hahn du mach doch mal fach doch mal

wie ein phönix aus der asche die flamme wieder an

*

geleite elefant mit digitaler hand und funkbereifter

fußfessel in ein neues kz ss (schöne scheiße) dkp

(das kann passieren) wen unsere zeit unerklärlich

treibt durch das farbspektrum aller charmelippen-

*

stifte lautlos wie das stöhnen des schotters auf

den gleisen wird radikal zu ridikül verpanscht

im spektakel austauschbar im selbstgespräch

sämtlicher ubiquitärer irrtümer des erdjammers

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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  • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 16. Sept. 2026 um 11:03 Uhr
    Dieser »Erratamonolog« hat den unschätzbaren Vorteil, dass man sich wieder mal ein paar nicht so geläufige Fremdwörter heraussuchen kann. Er hält den Geist wach mit der Frage, wo sich die Bruchstellen im Text befinden mögen. Und warum es dem Autor so dreckig geht, dass ihm der Weltschmerz im Selbstgespräch über den Erdjammer so fürchterlich auf die Füße fällt. Nur was er eigentlich mitteilen wollte, erschließt sich mir nicht so recht. Ist vielleicht auch nur im Infomüll-Overload untergegangen. Oder versteckt es sich hinter einem Möbiusband? Man wird es wohl nie erfahren.
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