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Verstößt das nicht gegen den Verhaltenskodex?
Minerva-Zentren an israelischen Einrichtungen verletzen Richtlinien der Max-Planck-Gesellschaft, sagt Maddalena Ritrovata
Die überwiegend staatlich finanzierte Max-Planck-Gesellschaft betreibt über ihre Minerva-Stiftung 24 Forschungszentren an israelischen akademischen Einrichtungen. Was macht deren Arbeit problematisch?
Das Problematische ist vor allem die Nähe einiger dieser Zentren zu dem israelischen militärisch-industriellen Komplex. Diese Verbindungen bestimmen letztendlich, wie die Ergebnisse der Forschung genutzt werden, zum Beispiel zur Entwicklung von Kriegs- und Überwachungstechnologie, die gegen Palästinenser eingesetzt wird. Oder zur Legitimierung der illegalen Besetzung der palästinensischen Gebiete und der Gewalt gegen Palästinenser.
Können Sie Beispiele nennen?
Das Minerva Micro Turbine Powered Energy Systems Center ist in einem Labor am Technion, dem Israel Institute of Technology, angesiedelt. Das wiederum wird vom israelischen Verteidigungsministerium und den größten israelischen Rüstungsfirmen gefördert. Es hat auch Mittel vom Advanced Defense Research Institute erhalten, das Jacob Nagel leitet, einer der engsten Berater Benjamin Netanjahus. Nagel will die akademische Forschung ausdrücklich an den Bedürfnissen des israelischen Militärs ausrichten.
Das Ollendorf-Minerva-Zentrum wurde 2023 geschlossen und war von Yehoshua Zeev geleitet worden. Damals entwickelte er Technologien für Gesichtserkennungssysteme, die die Grundlage für Cortica Ltd. bilden, ein Unternehmen, das er 2007 mitbegründete. Die Tochtergesellschaft von Cortica, Corsight AI Ltd., trägt laut Amnesty International zu den Völkerrechtsverbrechen Israels bei und vertreibt Gesichtserkennungstechnologie, die von der IDF im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland eingesetzt wird.
Nagel hatte im März 2025 betont, dass »akademische Konzepte rasch in einsatzfähige Lösungen für das Schlachtfeld umgesetzt« würden: »Schwarmdrohnentechnologie, Cyberabwehr und Schlachtfeldrobotik«. Verstößt das alles nicht gegen den Verhaltenskodex der Max-Planck-Gesellschaft?
Die Richtlinien verlangen ausdrücklich die Einhaltung des Völkerrechts, einschließlich der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts. Das verpflichtet sowohl die Institution als auch einzelne Forscher, Schaden zu verhindern und den möglichen Missbrauch von Forschungsergebnissen zu antizipieren.
Die Gruppe »Academics for Justice« hat für einen Bericht genau hingeschaut. Was konnten Sie feststellen?
Unser Bericht dokumentiert Forschung mit direkten oder vorhersehbaren militärischen Anwendungen sowie Kooperationen mit Akteuren aus Militär und Rüstungsindustrie. Der Widerspruch zu den Richtlinien liegt nicht nur in der Existenz dieser Verbindungen, sondern auch in deren Fortführung und Ausbau trotz klarer Risiken, dass sie zu Völkermord, Apartheid und Besatzung beitragen. Dies schafft eine erhebliche Kluft zwischen den von der Max-Planck-Gesellschaft verkündeten Grundsätzen der Verantwortung und des »Do no harm«-Prinzips sowie ihren tatsächlichen institutionellen Praktiken.
Welche Veränderungen könnte Ihr Bericht bewirken?
Angesichts der zahlreichen in unserem Bericht dargelegten Erkenntnisse fordern wir, dass die Max-Planck-Gesellschaft unverzüglich ihre Kooperationen mit israelischen Institutionen einstellt, die sich mitschuldig an der Gewalt gegen Palästinenser machen. Insbesondere fordern wir sie auf, laufende Bewerbungsverfahren zur Einrichtung von zwei neuen Minerva-Zentren unverzüglich einzustellen, deren Abschluss für Ende 2026 vorgesehen ist. Die beiden im Rahmen dieses Verfahrens ausgewählten Zentren erhalten über einen Zeitraum von sechs Jahren 150.000 Euro sowohl von der Minerva-Stiftung als auch von der israelischen Gastinstitution, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere sechs Jahre.
Schließlich fordern wir die Max-Planck-Gesellschaft auf, ihre institutionellen Ressourcen und ihr internationales Ansehen zu nutzen, um palästinensische akademische Einrichtungen und Wissenschaftler zu unterstützen. Sowohl im Gazastreifen, wo der Hochschulbereich erhebliche Zerstörungen erlitten hat, als auch in den besetzten palästinensischen Gebieten, wo das akademische Leben weiterhin erheblichem strukturellen Druck und Einschränkungen ausgesetzt ist.
Maddalena Ritrovata (Name geändert) ist Sprecherin der »Academics for Justice«
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