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Stahlbranche

Steel is Over

Studie: Klassische Stahlproduktion ohne Zukunft, und auch beim »grünen« Stahl trübe Aussichten

EU
Foto: VCG/IMAGO
Der Umstieg auf die höheren Stufen der Wertschöpfungskette soll die Stahlindustrie retten, meint die Unternehmensberatung PWC

Zugestandenermaßen hätte es für die Erkenntnis, dass es so wie bisher mit der deutschen Stahlindustrie nicht weitergehen kann, wohl keine Expertenstudie gebraucht. Macht aber nix, die Unternehmensberatung PWC (Pricewaterhouse Coopers) hat dennoch eine erstellt und am Montag der Öffentlichkeit präsentiert. »Das Fazit ist eindeutig: Die kohlebasierte Primärstahlproduktion hat in Deutschland keine Zukunft«, heißt es darin seitens des PWC-Managers Alexander Schröder kurz und klar. Der Wirtschaftsstandort soll statt dessen per Umorientierung auf höhere Stufen der Wertschöpfungskette gerettet werden.

Für ihre Studie haben die Unternehmensberater drei Szenarien entworfen: Im ersten versorgt sich Europa in Zukunft primär aus Importen, im zweiten wird die Produktion CO₂-freien Stahls deutlich beschleunigt und von Importen ergänzt, im dritten sorgen protektionistische Maßnahmen und ein drastisch gesunkener Energiepreis dafür, dass in Europa produzierter »grüner« Stahl auf dem Kontinent die Hauptrolle spielt. Allen dreien ist gemein: Die kohlebasierte Stahlproduktion im klassischen Hochofen wird über kurz oder lang unwirtschaftlich.

Das sei zum Teil schon jetzt der Fall: Beispielsweise in den Golfstaaten gebe es laut PWC bereits Produktionsanlagen, die günstiger und emissionsärmer seien als die deutschen Alternativen. Langfristig würden hier auch protektionistische Zölle nichts bringen: »Der Kostenvorteil außereuropäischer Standorte ist in vielen Szenarien so groß, dass die erforderlichen Zollsätze unrealistisch hoch wären. Gleichzeitig schützen Zölle, die den Import verteuern, nicht vor dem Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit.« Gerade die deutsche Industrie sei aber auf Exporte angewiesen, geben die Wirtschaftsprüfer zu bedenken.

Möglichst schnell auf »grünen« Stahl, der per Direktreduktionsverfahren unter Verwendung von klimaneutral hergestelltem Wasserstoff als Energieträger produziert wird, also umstellen? So einfach ist es laut PWC nicht, denn bereits jetzt liegen die kostengünstigsten Standorte hierfür in den Golfstaaten und in Indien. In der EU hingegen seien die Bedingungen angesichts begrenzter eigener Wasserstoffproduktion und hoher Energiekosten deutlich schlechter. »Für Mitteleuropa zeigt sich in keinem Szenario die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Primärstahlproduktion«, lautet das Fazit der Studie.

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Kritik gibt es am Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM, zu deutsch CO₂-Grenzausgleichsmechanismus). Dieser EU-Mechanismus soll verhindern, dass in der EU ansässige Konzerne ihre schadstoffintensive Produktion schlicht in andere Weltgegenden verlagern, indem bei der Einfuhr Zölle erhoben werden. Er ist somit das nach außen gerichtete Gegenstück zum Emissionszertifikatehandelssystem ETS. Der CBAM gereicht dem heimischen Standort aber nur zum Vorteil, bemängeln die Studienautoren, wenn die dortigen Produzenten bei den Produktionskosten mit der außereuropäischen Konkurrenz mithalten können. Da aber insbesondere die Energiekosten in der EU hoch sind, ergibt sich bei bloßem Ausgleich der CO₂-Kosten durch CBAM ein Standortnachteil.

Was empfehlen die professionellen Empfehlungsgeber von der Unternehmensberatung bei dieser Ausgangslage? Vor allem den Umstieg weg von der Materialproduktion und hin zur »wissensintensiven Wertschöpfung«. Gemeint ist: Es lohne sich weniger, den Stahl zu produzieren, als die Dinge, die man aus Stahl so bauen kann – Spezialmaschinen für die Herstellung von Robotern, von modernen Sensoren oder auch von Medizintechnik, wo Speziallösungen gefragt seien.

Und dann natürlich das deutsche Allheilmittel: die Waffenproduktion. Die Rüstungsindustrie sei ein »möglicher Katalysator«, denn sie erzeuge eine »Nachfrage nach Spezialstählen und Komponenten, die hohe Anforderungen an Material, Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit stellen«. So würde der Aufbau von Kompetenzen in diesen Bereichen finanziert werden, die dann wiederum für die zivilen Anwendungen der Branche zum Einsatz kommen könnten. Wobei auch PWC einräumt, dass die volatile Natur von Rüstungsaufträgen und Geheimhaltungsanforderungen bedeutet, dass Rüstung alleine als Umbaustrategie nicht genügt.

Fraglich auch, ob man hier nicht noch immer zu positiv denkt. Es ist zumindest durchaus bezeichnend, dass das für die hiesige Stahlindustrie positivste, dritte entworfene Szenario eine Zukunft vorsieht, in der sich die europäische Industrie per Protektionismus und Subventionen vollständig von den Unwägbarkeiten des Weltmarktes abgeschottet hat. So geht Industrienation.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.08.2026, Seite 5, Inland

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