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Auch Linke gegen Fünfprozenthürde

Berlin. Nach dem früheren Verfassungsgerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier hat sich auch die Linkspartei für eine Absenkung der Sperrklausel bei Bundestagswahlen ausgesprochen. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, Ina Latendorf, sagte der Rheinischen Post vom Donnerstag: »Es ist kritisch zu sehen, dass durch die Fünfprozenthürde viele Wählerstimmen am Ende unberücksichtigt bleiben.« Durch die Sperrklausel werde der Wählerwille »nicht bestmöglich repräsentiert, was in einer Demokratie aber das Ziel sein sollte«. Ihre Partei unterstütze daher den Vorschlag Papiers, die Sperrklausel auf drei Prozent abzusenken. »An uns würde eine Wahlrechtsänderung, die sich an seinem Vorschlag orientiert, nicht scheitern«, so die Bundestagsabgeordnete. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.07.2026, Seite 4, Inland

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→ Leserbriefe
  • Andreas Kubenka aus Berlin (Ost) 31. Juli 2026 um 17:08 Uhr
    Bei der letzten Volkskammerwahl (laut Apologeten des Bestehenden die »erste freie«) wählte ich eine Partei, die ganz knapp ausreichend Stimmen erhielt, um einen einzigen Abgeordneten stellen zu können. Das war möglich, weil hier ein echtes Verhältniswahlrecht galt. Heute haben Wählerminderheiten kaum eine Chance auf politische Repräsentation in der angeblichen »repräsentativen Demokratie«. Mehr noch: Ihre Stimmen fallen bei der Vergabe der Parlamentsmandate auch nicht einfach weg. Wäre dem so, dann hätte man dem Ausufern der Parlamentarierzahl leicht Grenzen setzen können, ohne sich etwa an den Direktmandaten zu vergreifen. Vielmehr werden die einer Kleinpartei anteilig eigentlich zustehenden Mandate als Beute unter den Parteien verteilt, die es über 5 % geschafft haben. Während die Kleinparteien leer ausgehen (und ihnen geht es meistens auch finanziell nicht gut) erhalten die Etablierten mehr Pfründe, als ihnen nach der Zahl der von ihnen gewonnenen Stimmen eigentlich zustünden. DKP-Mandate (wenn es denn nennenswert viele wären) werden zu Mandaten für AfD bis PDL. An BSW – das ich zur Bundestagswahl widerstrebend gewählt hatte – habe ich viel zu kritisieren. Für einen Gipfel ihrer Fehler halte ich allerdings ihren Umgang mit dem letzten Wahlergebnis. Es wurde und wird vor allem um die Bruchteile eines Wählerprozents gebarmt, die sie von den Parlamentsmandaten trennen. Entsprechend wurde auch der Klageweg beschritten. Klage und Argumente dafür sind berechtigt. Politisch viel wichtiger, richtiger und angemessener wäre es aber gewesen, für die unzweifelhaften 4,9 % (Millionen!) ihrer Wähler zu streiten, indem man eine echte Demokratiebewegung gegen jede Sperrklausel bei Wahlen initiiert hätte. Dies hätte dieser Partei auch vielleicht wieder eine politische Chance eröffnet. Allerdings hätte sie dafür auch mit die Glaubwürdigkeit verzehrenden anderen Fehlern (Koalitionen von SPD bis CDU!) aufräumen müssen, was bis heute nicht geschehen ist.
  • Doris Prato 31. Juli 2026 um 10:59 Uhr
    Mit der Sperrklausel, die auch in Berlin gilt, soll vor allem ein Einzug der DKP in die Parlamente verhindert werden. So auch der Berliner DKP, die zu den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September antritt, wo sie erstmals seit Jahren der Zerstrittenheit von Kommunisten und Linken, mit deren Unterstützung rechnen kann. Als ein Spitzenkandidat ist der frühere Chefredakteur der jungen Welt und heutige Kolumnist Arnold Schölzel aufgestellt worden. Da er gleichzeitig Vorsitzender des Vereins »Rotfuchs« und Chefredakteur der gleichnamigen Zeitschrift ist, dürften ihm die Stimmen der Leser des Rotfuchs, die auf gut 10.000 geschätzt werden, sicher sein. Der in 36 Regionalgruppen gut organisierte Verein gibt keine Mitgliederzahlen an, sie wird aber auf wenigstens 1000 geschätzt. Es dürfte als sicher gelten, dass die Rotfüchse und ihre Anhängerschaft in geheimer Wahl für Schölzel und damit für die DKP stimmen. Unter den Lesern der jW ist Schölzel ein geschätztes Redaktionsmitglied, was ihm auch von dieser Seite nicht wenige Stimmen einbringen dürfte. Ein Signal zur Einigkeit ist auch, dass die KPD ihr Verhältnis zur DKP normalisiert hat und ihrer Wahl nichts in den Weg legen will.
    • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 31. Juli 2026 um 12:12 Uhr
      Sehr richtig! Seit Jahrzehnten predige ich das: Prozenthürden sind Konstruktionen, um Wählende an Machtverhältnisse zu ketten. In der dreisten Form: das Wahlsystem in den USA. Bekommen wir heraus, wie viele Wählende dort wissen, dass mehr als diese beiden geldmachtdominierten Parteikonstrukte existieren? Was ich seit Jahrzehnten wiederhole: Eine dargestellte Zwei-Parteien-Konkurrenz ist eine Kongruenz interner Auseinandersetzungen abdriftender eigener Flügel einer Partei. Diese Wahlvariante sollte der Pantokrator Donald Trump weltweit per Zollpolitik nicht durchsetzen, sondern globalisieren! – Oder: Wer DKP wählen wird, wählt nicht mehr taktisch zwischen den Übeln. Also, bei 700 Sitzen im Bundestag: Die Hürde gehört auf ein halbes Prozent! Falls nun die Visionen der Parteienwissenschaftlichen kollabieren: War uns nicht allen seit langem klar, was Parteiendemokratie bedeutet? Zum Beispiel ihr eigenes angestrebtes Ende? – Dann hau ich mal auf'n Putz: Wir wählen seit üpsen Jahren die mit vorne DK wie Denmark.