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Rekonvaleszenter des Tages: Rhein

Foto: Marc John/IMAGO
Das Wasser steht so niedrig, dass es schon gar nicht mehr angezeigt wird (Oberwinter, 10.8.2026)

Und als ich an die Brücke kam, / Wohl an die Hafenschanze, / Da sah ich stehen den Vater Rhein / Im stillen Mondenglanze. Heines Verse müssen in die Werkstatt, der reißende Fluss, er fließt nicht mehr. Tatsächlich stand ich am Wochenende vor der Rheininsel von Hersel, an dieser Enge presst der Strom gewaltig, die lokale Jugend pflegt hier Mutproben beim Durchschwimmen. Nun lagen die Kähne im Watt, grobe 50 Meter waren zu einer Pfütze geschrumpft, die man durchschreiten konnte, ohne sich die Schultern nass zu machen. Wovon ich Abstand nahm, die Fische schwammen im stehenden Wasser bereits mit dem Bauch nach oben.

Der Rhein ist die Aorta Deutschlands. Im Schweizer Rheintal als türkisfarbener Gebirgsbach entspringend, oberhalb mit dem Bodensee die größte Gumpe Europas bildend, geht der Lauf zwischen Rheinfall und Kaiserstuhl in die Breite, vereinigt um die Loreley herum die drei schönsten Weinbauregionen – Nahe, Mosel, Rheingau –, ehe er vorbei an Burgen und Narren den Kölnern zufließt, um schließlich scharf links nach Holland abzubiegen. Klimawandel bedeutet nicht beharrliches Schwinden. Mehr Dürre, mehr Hochwasser, alles gerät aus den Fugen, bis irgendwann gar nichts mehr gerät. Zur Stunde scheint der Tiefpunkt passiert. Nach Regenfällen wird für den heutigen Mittwoch bei Düsseldorf der Pegelstand von Null auf fünf Zentimeter steigen, am Wochenende sollen es opulente 23 Zentimeter sein. Die waren übrigens bis dato der Rekordniedrigwert, erreicht im Jahr 2018. Die Schiffe bleiben weiter liegen, die Fahrrinne ist mit 1,60 Meter noch nicht wieder tief genug.

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Als ich besagten Abends die Rheinreste sah, ging mir vieles durch den Kopf. Flüge, Autoverkehr, Klimaanlagen, Fleischverzehr, die CO2-intesive KI-Industrie und ein US-Präsident, der im Wahlkampf mehr fossile Energiewirtschaft versprach. Was hatte er noch gerufen: »Kill, Baby, kill«?

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2026, Seite 3, Ansichten

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