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23.05.2026
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Ein bisschen Frühling
Statistikamt meldet Quartalszahlen bei BIP und Pleitenrückgang. Bosse in besserer Stimmung
Der Freitag begann überraschend: »Deutsche Wirtschaft mit Schwung ins Jahr gestartet. Exporte stützen Wachstum«, überschrieb die Nachrichtenagentur Reuters einen Bericht, der so oder gleichlautend in den bürgerlichen Medien schnell Verbreitung fand. Was war geschehen? Am Morgen hatte das Statistische Bundesamt (Destatis) neue Erkenntnisse zur BRD-Konjunktur im ersten Quartal des Jahres mitgeteilt. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 Prozent.
»Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft auch positiv ins Jahr 2026 gestartet«, sagte Amtschefin Ruth Brand. Laut Destatis hat der Handel mit dem Ausland im ersten Quartal kräftig zugenommen. Insgesamt seien 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert worden, nachdem im Schlussquartal 2025 noch ein Rückgang der Ausfuhren zu verzeichnen gewesen sei, schrieb Reuters und setzte hinzu: Zur positiven Entwicklung hätten etwa die gestiegenen Exporte von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Metallen beigetragen.
Das mediale Jauchzen ist verständlich – ging es doch in den zurückliegenden Jahren abwärts, ehe unerwartet 2025 ein Plus der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent ausgewiesen wurde. Immerhin gilt das BIP weiterhin als bevorzugtes Maß, um die ökonomische Leistungskraft zu ermitteln.
Im globalen Westen wird bevorzugt die Version des »nominalen BIP« in US-Dollar genutzt. Staaten und Ökonomen, die besser vergleichbare Werte bevorzugen, wählen meist die Version des kaufkraftbereinigten BIP (KKP). Letzteres bildet die Wirtschaftsleistung in internationalen Dollar ab, die sich an der Kaufkraft des US-Dollars in den USA selbst orientiert. Beide Versionen werden durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgewiesen. Dabei kommt es zu sehr unterschiedlichen Resultaten.
In der Bundesrepublik ist das nominale BIP Maß aller Dinge (egal, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind, denn die sind ja Konsum). Demzufolge ist die BRD nominell kein absteigender Industriestaat, dessen Regierung keine Ahnung hat, weshalb die Pleiten seit 2022 auf Rekordkurs sind, die Jobvernichtung munter voranschreitet und es keine Konzepte zu geben scheint, einen richtigen »Aufschwung« zu initiieren. Hauptsächlich wird die Gefahr einer Deindustrialisierung benannt, die sich vor allem an einer Marke festmacht: dem Strompreis, der bei allen relevanten Konkurrenten niedriger ist.
Im Widerspruch dazu steht nicht nur das gemeldete Quartalsplus in den energieintensiven Metall- und Chemiebranchen (wo doch Destatis vergangene Woche noch den Niedergang der großen Stromverbrauchergewerke registriert hatte). Auch das globale Ranking der hiesigen Wirtschaft nach nominalem BIP glänzt. Hier nimmt Deutschland laut IWF mit rund 5,45 Billionen US-Dollar den dritten Platz hinter den USA und der Volksrepublik China ein und hat sogar Japan auf den vierten Platz verwiesen.
Ist die Gefahr eines Abstiegs also nur halluziniert? Machen Kapital und Regierende hier doch einen »guten Job«? Schön wäre es. Schon bei Betrachtung der Wirtschaftskraft nach kaufkraftbereinigtem BIP wird sichtbar, dass der Glanz matter wird. Hier führen China, die USA und Indien mit weitem Vorsprung die Tabelle an. Die BRD liegt laut IWF (Stand April 2026) auf Platz sechs mit 6,41 Billionen Dollar. Vor ihr rangieren Japan (7,26 Billionen) und Russland (7,53 Billionen KKP-Dollar) auf Platz 5 und 4. Letzteres Faktum konterkariert Annalena Baerbocks Wunsch aus dem Jahr 2022, Moskau in den »wirtschaftlichen Ruin« zu treiben.
Am Freitag gab es noch mehr gute Nachrichten: So seien die Firmenpleiten leicht zurückgegangen, meldete Destatis. Im Februar. Mit 2.053 beantragten Unternehmensinsolvenzen lagen sie 0,7 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Der Optimismus könnte indes bei den März-Zahlen verbleichen. Oder auch nicht.
Wichtiger als die Pleitezahlen: Die Kapitalfunktionäre in Deutschland grollen nicht mehr so laut wie zuvor – und gläubige Medienkonsumenten können wieder ruhig schlafen. Denn die Stimmung in den Chefetagen besserte sich trotz der anhaltenden Folgen des Iran-Konflikts. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Mai auf 84,9 Punkte nach revidiert 84,5 Zählern im April, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 9.000 sogenannten Führungskräften mit.
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