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20.05.2026
- → Antifaschismus
Männer mit tiefen Taschen
Ihre Wahlkampfauftritte und Großveranstaltungen kann Nigel Farages Partei Reform UK vor allem dank großzügiger Spenden von Techmilliardären finanzieren
In rund einem Monat wird sich die Zukunft der britischen Labour-Partei bei den Nachwahlen in Makerfield entscheiden. Gewinnt der 56jährige selbsterklärte Sozialist Andy Burnham, kann er dann als Parlamentarier gegen Ministerpräsident und Labour-Chef Keir Starmer ins Duell um den Parteivorsitz treten. Das wird für den Bürgermeister der Stadtregion Greater Manchester im Norden Englands allerdings nicht einfach. Einst hatte Labour dort eine Hochburg. Bei den zurückliegenden Gemeinderatswahlen aber konnte die nationalistisch-chauvinistische Partei Reform UK von Ex-UKIP-Chef Nigel Farage alle Wahlkreise im englischen Nordwesten gewinnen, wo auch die Region Makerfield liegt.
Reform UK will den Plan von Burnham durch einen Sieg bei den Nachwahlen durchkreuzen und könnte so auch einen möglichen Linksruck an der Spitze der Labour-Partei verhindern. Farage selbst hatte vergangene Woche nach Bekanntgabe der Nachwahl sofort angekündigt, »alles auf diese Nachwahlen zu setzen«. Michael Jacobs, Ökonom und Professor an der University of Sheffield, fragte daraufhin auf BBC, ob Farage damit auch einen Teil seiner fünf Millionen Pfund Sterling meine. Damit spielte Jacobs auf Ermittlungen des parlamentarischen Ethikkomitees gegen Farage an, bei denen es um eine nicht deklarierte Spende über fünf Millionen Pfund Sterling (rund 5,8 Millionen Euro) geht.
Hinter dieser Spende steht der Kryptowährungskapitalist Christopher Harborne. Er steht auf der von der Sunday Times veröffentlichten Liste der reichsten Briten an sechster Stelle. Harborne erscheint in diesem Jahr erstmals auf der »Sunday Times Rich List«. Sein Vermögen wird auf 18,2 Milliarden Pfund Sterling (rund 21 Milliarden Euro) geschätzt. Während er über 20 Jahre in Thailand lebte und wirkte, baute der britische Milliardär seine Investitionen und Anteile an Finanzunternehmen aus, darunter an der Kryptohandelsplattform »Tether« mit einer Bewertung von geschätzten rund 200 Milliarden US-Dollar (171 Milliarden Euro). Harborne hält außerdem bedeutende Beteiligungen am in London börsennotierten Rüstungsunternehmen Qinetiq, am Zahlungsdienstleister IFX sowie an weiteren Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, wie PA Media berichtete.
Die Millionenspende an Farage erfolgte bereits 2024. Er gab dazu an, die Spende nicht deklariert zu haben, da sie laut eigenen Angaben nicht mit seiner politischen Tätigkeit verbunden gewesen, sondern für die Finanzierung seines lebenslangen privaten Personenschutzes verwendet worden sei. Harborne spendete aber auch direkt an Reform UK Millionenbeträge. Darunter findet sich eine Spende von neuen Millionen Pfund Sterling (rund 10,4 Millionen Euro) im August 2025. Dies ist die größte Einzelspende einer lebenden Person an eine politische Partei in der Geschichte Großbritanniens.
In der Vergangenheit war Harborne ein Spender der Konservativen (Tories). Laut The Conversation soll er auch direkt an Boris Johnson gespendet haben, als dieser Premierminister war. Der Guardian nahm bereits am 31. Januar 2025 Harborne als Beispiel für die »Überläufer« von den Konservativen zu Reform UK: Nicht nur Mitglieder und gewählte Politiker, sondern auch die Financiers würden sich von den Konservativen nach rechts bewegen, war zu lesen. Am Donnerstag gab Farage in einem Sun-Podcast eine weitere Erklärung ab und sagte, es handele sich um »eine Anerkennung für seinen Einsatz für den Brexit«. Ähnliches berichtete auch die New York Times.
Auch 2026 fließen die meisten Parteispenden in Großbritannien an Nigel Farages jüngstes Politikprojekt, um eines Tages Premier zu werden. Wie die BBC bereits am 5. März berichtete, führte Reform UK von Beginn an die Liste der größten Spendeneinnahmen für die Gemeinderatswahlen Anfang Mai an. Laut der Open-Source-Plattform Donation Watch erhielt die Partei bisher 35,8 Millionen Pfund Sterling (42,3 Millionen Euro) an Spenden. Davon sollen rund zwei Drittel von Harborne gekommen sein. Weitere Großspender sind demnach der 67jährige Geschäftemacher Jeremy Hosking mit 1,7 Mio. Pfund Sterling (zwei Millionen Euro), die Pro-Brexit-Kampagnengruppe Leave Means Leave Ltd. mit rund einer Million Pfund Sterling (1,2 Million Euro) sowie der ehemalige Labour-Finanzchef Nick Candy.
Kleinere, aber regelmäßige Spenden an Farage kamen laut Berichten der Financial Times und von Al Jazeera aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie den Malediven. Farage sei besonders vom Verbot und der Verfolgung der Muslimbrüder in den Emiraten beeindruckt, berichtete der Sender am 6. Mai.
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